Beinahe-Crash in Köln/Bonn "Kapitän am Ende seiner Leistungsfähigkeit"

Am Flughafen Köln/Bonn entging ein Germanwings-Flugzeug nur knapp einem Crash, offenbar giftige Luft trieb beide Piloten an den Rand der Ohnmacht - dieser Zwischenfall hat eine Vorgeschichte. Schon einmal klagte eine Besatzung des Airbus A319 über Unwohlsein, die Fluglinie sieht aber keine Parallelen.
Germanwings-Maschine am Flughafen Köln/Bonn: "Lande du den Vogel"

Germanwings-Maschine am Flughafen Köln/Bonn: "Lande du den Vogel"

Foto: Roberto Pfeil/ APN

Hamburg - Die Übelkeit der Piloten eines Airbus A319 von Germanwings, die Ende 2010 zu einer dramatischen Landung führte, war kein Einzelfall. In derselben Maschine wurde im Mai 2008 ein Flug von Dublin nach Köln abgebrochen, nachdem der Pilot über Empfindungsstörungen im Arm und leichtes Unwohlsein geklagt hatte. Laut dem Untersuchungsbericht der irischen Flugunfalluntersuchungsbehörde AAIU  war zudem ein Flugbegleiter zeitweise nicht mehr ansprechbar und auffallend viele Passagiere schliefen schon kurz nach dem Start ein.

"Ja. Es hat einen früheren Zwischenfall mit dieser Maschine gegeben", heißt es in einer Antwort von Germanwings an NDR Info und "Welt", die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Man sehe aber keinen Zusammenhang mit den Ereignissen Ende 2010. Zwischen den beiden Vorkommnissen habe das Flugzeug "über tausend Flüge ohne geruchliche Beanstandung absolviert".

Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Bundesstelle für Fluguntersuchungen (BFU)  haben beide Piloten der A319 im Dezember 2010 beim Landeanflug auf Köln einen "seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch" wahrgenommen. Der Co-Pilot habe kurz darauf gesagt, ihm sei "kotzübel", er habe Taubheit in Armen und Beinen gespürt und sei schließlich "nicht mehr in der Verfassung gewesen, seiner Funktion im Cockpit uneingeschränkt nachzukommen".

"Auch der Kapitän war am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen", heißt es im BFU-Bericht weiter. Der 35-Jährige habe sich während des gesamten Anfluges "körperlich sehr schlecht" gefühlt, "an der Obergrenze dessen, was ihm überhaupt noch möglich schien", zu einem Durchstartmanöver etwa sei er "weder physisch noch psychisch" in der Lage gewesen. Ihre Verfassung kurz vor der Landung hätten beide Piloten "als surrealistisch und wie in einem Traum empfunden.

"Die Landung erfolgte ohne Vorkommnisse."

Im Vergleich zu diesen Schilderungen lesen sich die Stellungnahmen von Germanwings verharmlosend. So ist lediglich von einem "Unwohlsein" des Co-Piloten die Rede. Außerdem erklärte die Lufthansa  -Tochter: "Die Landung erfolgte ohne Vorkommnisse." Am Freitag sprach Germanwings gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zwar von einem gravierenden Zwischenfall. Die Fluglinie bestritt aber, dass sie versucht habe, etwas zu vertuschen.

Gegenüber NDR Info und "Welt" bestätigte Germanwings, dass im Dezember 2010 auch die Crew einer weiteren Maschine einen "komischen Geruch" festgestellt und deshalb eine vorgezogene Landung beantragt habe.

Die Ursache der Gerüche blieb in allen Fällen ungeklärt. Germanwings verweist darauf, dass bei den Flügen im Dezember zuvor die Flügel enteist werden mussten. Ob es sich bei dem Geruch um Rückstände der Enteisungsflüssigkeiten handelte, sei aber unbekannt. Zumindest der Zwischenfall 2008 in Irland lässt sich so jedenfalls kaum erklären - laut dem AAIU-Bericht fand damals keine Enteisung statt.

dab
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