Drogerie-Kette Schlecker führt Listen über missliebige Mitarbeiter

Schlecker scheint nicht dazuzulernen - dafür spricht nach SPIEGEL-Informationen eine Liste, auf der sich Dutzende Namen missliebiger Mitarbeiter befinden.
Schlecker-Filiale: Übertriebene Härten will das Unternehmen korrigieren

Schlecker-Filiale: Übertriebene Härten will das Unternehmen korrigieren

Foto: Stefan Puchner/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Die Drogerie-Kette Schlecker bemüht sich um ein besseres Image. Trotzdem arbeitet das Unternehmen nach Ansicht der Gewerkschaft Ver.di weiter eine Art Kündigungsliste von Beschäftigten ab, die Personaldirektor Michael Strisciulli bereits im Oktober 2009 verfassen ließ.

Das Papier unter dem Titel "Maßnahmenpaket Personal-Qualität" ist nach SPIEGEL-Informationen 20 Seiten lang und sammelt die Namen von Dutzenden ebenso langjährigen wie missliebigen Angestellten im gesamten Bundesgebiet. Manche waren im Betriebsrat, fast alle hatten hohe Gehaltsstufen erreicht und waren entsprechend teuer geworden.

Diese Beschäftigten würden "in der Optik stehen", heißt es in der Mail einer Managerin. Gemeint ist wohl: Die Namen auf Strisciullis Liste stehen unter verschärfter Beobachtung. Neben vielen Namen finden sich auf der Liste zwei Zahlen: Das eine Datum markiert nach Meinung von Betriebsräten den Zeitpunkt, als die Mitarbeiter auf der Liste ins Fadenkreuz der Schlecker-Führung gerieten. Das andere verrate den erhofften Austrittstermin.

Schlecker selbst spricht nur von einem "Wiedervorlagedatum". Auf SPIEGEL-Anfrage war zunächst von normalen "Personaleinsatzplanungen" die Rede. Etwas später war die Liste dann "Unterlage einer kritischen Besprechung durch Herrn Strisciulli". Dabei sei es sowohl um die "verbesserte Performance" von Angestellten als auch um "leistungsbedingte Abmahnungen" gegangen. Übertriebene Härten, lässt Schlecker wissen, wolle man aber jetzt "korrigieren".

Schlecker gerät immer wieder in die Kritik, im vergangenen Jahr hatte das familiengeführte Unternehmen mit einem Datenskandal für Unmut gesorgt. Wegen einer Sicherheitslücke waren 150.000 Datensätze von Schlecker-Online-Kunden im Internet zugänglich. Dazu gehörten der Vor- und Nachname, die Adresse, das Geschlecht, die E-Mail-Adresse und das Kundenprofil. Außerdem waren 7,1 Millionen E-Mail-Adressen von Newsletter-Kunden der Drogeriefirma abrufbar.

2009 war Schlecker wegen der Bezahlung seiner Mitarbeiter massiv in die Kritik geraten. Der Handelskette war vorgeworfen worden, einen Teil der Beschäftigten in eine selbst gegründete Zeitarbeitsfirma ausgelagert zu haben. Der Unternehmer hatte den Vorwurf des Lohndumpings zurückgewiesen.

rom
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