Drogeriekette Länder sträuben sich gegen Staatshilfe für Schlecker

Die Wünsche des Betriebsrats stoßen auf wenig Begeisterung. Der Großteil der Bundesländer lehnt Staatshilfen für Schlecker ab. Ihre Sorge: Finanzspritzen für die insolvente Drogeriekette könnten Wettbewerber benachteiligen.


Stuttgart - Die Mehrheit der Landesregierungen sträubt sich gegen staatliche Finanzhilfen für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker. Eine Umfrage der "Stuttgarter Nachrichten" unter den Wirtschaftsministerien der Länder ergab, dass bisher kaum ein Land aktiv seine Unterstützung anbietet.

Von 13 Bundesländern, die an der Umfrage teilnahmen, ließen lediglich das Saarland, Thüringen und Hamburg die Bereitschaft erkennen, sich zu beteiligen. Die übrigen Länder reagierten skeptisch. Sie wollen prüfen, ob überhaupt die nötigen Voraussetzungen für Staatshilfen vorliegen.

Die Kette hatte Ende Januar Insolvenz angemeldet. Rund die Hälfte der Filialen sollen geschlossen werden, mehr als 12.500 Menschen verlieren ihren Job. Der Schlecker-Betriebsrat hatte deshalb staatliche Hilfe gefordert.

Doch davon wollen die Politiker nichts wissen: "Die vorläufige Rettung offenbar nicht rentabler Schlecker-Filialen durch die öffentliche Hand ist aller Voraussicht nach nicht nachhaltig", sagte etwa der Sprecher von Birgitta Wolff (CDU), Wirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt. "Dies gefährdet im schlimmsten Fall Arbeitsplätze bei Mitbewerbern von Schlecker, die ihre Geschäfte rentabel führen." Falls ein entsprechender Antrag eingehe, werde er jedoch geprüft.

Zuvor hatte der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) dem Unternehmen Bürgschaften für eine Transfergesellschaft versprochen. Das Angebot gilt auch für den Fall, dass sich ein seriöser Investor zur Rettung des Unternehmens findet. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht den Bund in der Pflicht, das Bundeswirtschaftsministerium verwies dagegen auf die Länder. Da es Schlecker-Filialen in fast allen Bundesländern gibt, müssten sich die Länder untereinander über die Verteilung des Risikos einigen.

cte/dpa-AFX

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