Drohende Entlassungen E.on-Sparplan überrascht Betriebsrat

Die Sanierungspläne bei E.on stoßen beim Betriebsrat des Konzerns auf Unverständnis: "Die Leute sind in Aufruhr", warnt der Chef der Arbeitnehmervertreter. Die Gewerkschaft Ver.di hält das Sparkonzept, das auch Entlassungen vorsieht, für unrealistisch.

Zentrale der E.on- Ruhrgas in Essen: "Wir sind aus allen Wolken gefallen"
dapd

Zentrale der E.on- Ruhrgas in Essen: "Wir sind aus allen Wolken gefallen"


Düsseldorf - Der Energieriese E.on verärgert seinen Betriebsrat: Der Konzern plant nach SPIEGEL-Informationen Hunderte Stellen abzubauen und Standorte zu schließen. Betriebsratschef Hans Prüfer reagierte empört: "Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir das gestern gehört haben." Der Vorgang sei "unglaublich". Zuerst einmal gehe es jetzt aber darum, die Belegschaft zu informieren. "Die Stimmung ist eine Katastrophe, die Leute sind in Aufruhr", sagte Prüfer.

Für Freitag hat das Gremium eine Sitzung des Wirtschaftsausschusses einberufen, in der der Konzernbetriebsrat von einem Arbeitgebervertreter Aufklärung verlangt. Inwiefern der Betriebsrat gegen die Pläne angehen könne, sei noch nicht klar.

Laut einem aktuellen Vorstandsbeschluss sollen gleich drei bedeutende E.on-Standorte in Deutschland aufgegeben werden. Neben der Energiesparte in München und der Kraftwerkstochter in Hannover soll auch die in Essen ansässige Gashandelstochter E.on Ruhrgas aufgelöst werden.

Weiter benötigte Geschäftsbereiche der Töchter sollen auf bestehende oder neu zu schaffende Gesellschaften in der Düsseldorfer Konzernzentrale übertragen werden. Mittelfristig will Konzernchef Johannes Teyssen den Konzern in eine europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE) mit weniger Gewerkschaftseinfluss umwandeln. Von dem Schritt wären mehrere hundert Arbeitsplätze betroffen.

Aktionärsschützer halten Sparplan für richtig

Die Gewerkschaften halten die Verlagerungen für kaum machbar. "Es ist schwer vorstellbar, dass solche Pläne ohne Abstriche durch den Aufsichtsrat gehen", sagte Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz. "Für Essen und München gibt es Standortzusagen bis Ende 2012, für Hannover eine Zusage." Ver.di und die IG BCE verweisen auch auf eine Vereinbarung, nach der betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2012 ausgeschlossen seien.

Ver.di erwartet, dass der Vorstand umgehend den Aufsichtsrat und Betriebsräte informiert. Außerdem solle er die Standortgarantien verlängern. Vor allem in Hannover und München würden bereits Umstrukturierungen vorgenommen. Hannover übernehme auch den weltweiten Kraftwerksbau. In München werde E.on Energie für das Deutschlandgeschäft umgebaut.

Für Aktionärsschützer wäre ein hartes Sparprogramm dagegen keine Überraschung. "Angesichts der gewaltigen Veränderungen unter der Überschrift Energiewende muss der Vorstand reagieren", sagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

In der E.on-Ruhrgas-Zentrale in Essen wollte sich der Betriebsrat noch nicht äußern. Das Thema sei noch zu frisch. Dort sind 1800 Mitarbeiter im vergangenen Jahr in eine 200 Millionen Euro teure neue Zentrale eingezogen. Rein unternehmerisch sei die Aufgabe den Gasgroßhandel in Düsseldorf zu integrieren durchaus möglich, hieß es im Umfeld von Ruhrgas. Bei den anderen Standorten sei es schwieriger. Es bleibe aber die Frage, ob die Einsparung von ein paar Hundert Stellen den Aufwand rechtfertige.

cte/dpa



insgesamt 63 Beiträge
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Barksdale 01.08.2011
1. ...
Betriebsräte in Deutschland haben eins gemeinsam: keine Ahnung. Dies verwundert nicht, ist es doch der stramme Gewerkschaftler vom Fließband, der nun bei komplizierten Fiskalischen Sachverhalten mitreden will.
till-eulenspiegel 01.08.2011
2. Konzern-Dinosaurier
...werden von der Evolution manchmal eben auch von der Erdoberfläche getilgt. Leider geschieht das aber auf Kosten der Mitarbeiter, die ganz und gar nichts dafür können, dass ihre geldgierigen und nahe am Größenwahn agierenden "Lenker" lieber auf Quartalsergebnisse schielen als denn auf langfristige, nachhaltige Ertragsstrategien setzen. Die gute alte Diversifizierung der 80er Jahre war doch gar nicht so verkehrt , oder ? Aber in Zeiten , in denen man sich um Himmels Willen ja bloß auf sein Kerngeschäft (Core Business) konzentrieren darf muss man dann damit rechnen, dass das einbeinige Konstrukt halt beim ersten Windstoß umfällt.....
marvinw 01.08.2011
3. E.on. - spürbar näher.
So lautet doch die E.on.-Werbung. Die Frage ist was ist näher: Kündigungen für Mitarbeiter oder die nächste willkürliche Preiserhöhung? Jedenfalls weiß ich was noch ganz weit ist: jeglicher Wettbewerb auf dem Gas- und Strommarkt.
derlabbecker 01.08.2011
4. klar muss man jetzt...
... massenhaft Leute entlassen. Statt 10 Mrd € Gewinn gibts doch ohne die AKWs nur noch 9,5 Mrd € Gewinn pro Jahr. Also, das geht nun wirklich nicht. Könnte ja passieren dass einer der armen Aktionäre auf Hartz 4 Niveau fällt... also nee...
analyst2 01.08.2011
5. Genau so ist es
Zitat von marvinwSo lautet doch die E.on.-Werbung. Die Frage ist was ist näher: Kündigungen für Mitarbeiter oder die nächste willkürliche Preiserhöhung? Jedenfalls weiß ich was noch ganz weit ist: jeglicher Wettbewerb auf dem Gas- und Strommarkt.
Und der(Wettbewerb) wird auch nicht so schnell kommen,der Politik sei dank.
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