Druck bei Ryanair-Tochter Lauda »Ich werde keine Rechtfertigung nach der Art ›die Passagiere haben geschlafen‹ akzeptieren«

Extraeinnahmen werden für Fluggesellschaften immer wichtiger. Deswegen wandte sich das Management der Ryanair-Tochter Lauda mehreren Medienberichten zufolge in harschem Ton an die Beschäftigten.
Lauda-Maschine am Flughafen von Palma de Mallorca: Rauer Umgangston

Lauda-Maschine am Flughafen von Palma de Mallorca: Rauer Umgangston

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Christoph Schmidt/ dpa

Bei der Fluggesellschaft Lauda herrscht offenbar dicke Luft zwischen den Beschäftigten und der Führung des Mutterkonzerns Ryanair. Wie die Luftfahrt-Portale »aviation.direct«  und »aerotelegraph«  berichten, wirft das Management den Beschäftigten in einem Schreiben unter anderem »Unfähigkeit und mangelnde Eigenmotivation« vor.

Hintergrund des Schreibens ist demnach, dass die Zahlen der Zusatzeinkünfte nicht so hoch seien wie gewünscht. Demnach werde das Ziel von 1,70 Euro pro Person und Flug um 63 Cent unterschritten, das sei »inakzeptabel für die Anzahl der Flüge und Passagiere, die wir haben«, zitieren die Medien aus dem Schreiben. Auf SPIEGEL-Nachfrage teilte Ryanair mit: »Es handelte sich um eine interne Whatsapp-Nachricht eines Vorgesetzten von Lauda an seine Mitarbeiter, deswegen möchte sich Ryanair nicht weiter äußern.«

Zusatzumsätze durch priorisiertes Boarding oder durch den Verkauf von Lebensmitteln oder zollfreien Artikeln während des Fluges werden bei Fluggesellschaften neben den bloßen Ticketverkäufen immer wichtiger. Nach offiziellen Geschäftszahlen aus dem dritten Quartal 2019 lag der Anteil der Zusatzumsätze am Gesamtumsatz bei fast 38 Prozent.

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Bereits in dem online zugänglichen Report  aus dem Februar 2020 heißt es, dass Lauda schlecht abschneide. Deswegen setze das Management einen neuen Plan zur Kostensenkung um »und steigert die Marktdurchdringung bei Zusatzprodukten«, wie es hieß.

Das Management kündigte demnach an, dass es künftig Untersuchungen geben werde, sollte auf einem Flug binnen mehr als 15 Minuten nichts verkauft werden. Auch wolle man keine Entschuldigungen akzeptieren. »Ich werde keine Rechtfertigung nach der Art ›die Passagiere haben geschlafen‹ oder ›die Passagiere waren nicht kaufwillig‹ oder ›die Passagiere hatten ihr eigenes Essen mit‹ akzeptieren«, zitiert »aerotelegraph« aus dem Schreiben. Laut den Medienberichten war der Chef der Wiener Basis von Lauda der Verfasser des Schreibens.

Gewerkschaft kritisiert Vorgehen

Die österreichische Gewerkschaft Vida zeigte sich schockiert ob des Vorgehens der Ryanair-Führung. »Den Beschäftigten Angst machen, bleibt weiterhin das Motto des Ryanair-Konzerns«, sagte Daniel Liebhart , Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt der Gewerkschaft. »Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter kaufen jetzt vor lauter Angst mit ihren Hungerlöhnen Produkte aus dem Bordverkauf. Sonst droht ihnen der Rausschmiss aus dem Unternehmen.«

Liebhart wandte sich an die österreichische Bundesregierung. »Diese neuen Schikanen für die Lauda-Beschäftigten zeigen erneut die Dringlichkeit der Frage auf, wann die zuständigen in der Bundesregierung, Ministerin Gewessler und Staatssekretär Brunner, endlich wie versprochen Regeln gegen das moderne Sklaventum bei Billigairlines zusammenbringen«, sagte er.

Ende 2020 hatte Ryanair die ehemals österreichische Fluggesellschaft nach Malta verschoben und dafür die Gesellschaft »Lauda Europe« gegründet. Das Unternehmen nannte steuerrechtliche Gründe für den Umzug, auch die österreichische Lizenz wurde zurückgegeben. Zwar blieb die Basis in Wien erhalten, und die Mitarbeiter wurden unter »gleichen Konditionen« weiterbeschäftigt, die heimische Gewerkschaft hat durch den Umzug aber kein Mitspracherecht mehr.

hba
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