Sperrung der Druschba-Pipeline Wiederaufnahme von Öl-Import aus Russland in der Schwebe

Wegen verunreinigten Öls ist die zentrale Druschba-Pipeline zwischen Russland und Deutschland zur Zeit gesperrt. Wann der Rohstoff wieder fließen soll, ist unklar.

Druschba-Pipeline in Schwedt (Archiv)
Patrick Pleul / DPA

Druschba-Pipeline in Schwedt (Archiv)


Wenige Tage, nachdem die zentrale Ölpipeline zwischen Russland und Deutschland geschlossen wurde, ist weiterhin offen, wann wieder Öl geliefert werden kann. Der russische Vize-Energieminister Pawel Sorokin zeigte sich zwar optimistisch, bald wieder qualitativ hochwertiges Öl durch die Pipeline pumpen zu können. Einen genauen Zeitplan nannte er bei einem Krisentreffen der Transitländer Weißrussland, Ukraine und Polen aber nicht.

Der russische Vize-Ministerpräsident Dimitri Kosak hatte die Wiederaufnahme für Montag in Aussicht gestellt. Der ukrainische Pipeline-Betreiber Ukrtransnafta sprach von einer Lösung, die man für das verunreinigte Öl in der Leitung gefunden habe. Ab Anfang Mai könne wieder gepumpt werden.

Das deutsche Wirtschaftsministerium teilte erneut mit, dass die Versorgung angesichts gut gefüllter Tanklager gesichert sei.

Auch südlicher Abzweig gesperrt

Der Rohölpreis war wegen der Qualitätsprobleme und der Sperrung der Pipeline auf den höchsten Stand in diesem Jahr gestiegen. Polen hatte am Mittwochabend den Import über die Druschba-Pipeline gestoppt, da Raffinerien das Öl in diesem Zustand nicht verarbeiten können. Die Pipeline läuft durch Weißrussland, Polen und bis ins brandenburgische Schwedt.

Offenbar hat ein noch unbekannter russischer Produzent Öl mit überhöhten Mengen an organischem Chlorid eingespeist. Dieses wird bei der Ölförderung eingesetzt. Es muss aber vor dem Transport wieder herausgefiltert werden, da es die Raffinerien beschädigen kann. Der Gehalt an organischem Chlorid sei hundertmal höher gewesen als normal, sagten mehrere Ölhändler. Der Grenzwert sei um das Zehnfache überschritten worden.

Inzwischen wurde bekannt, dass auch der südliche Abzweig der Pipeline auf dem Weg nach Europa gesperrt wurde. Damit erhalten auch die Slowakei, Tschechien und Ungarn kein Öl über Druschba ("Freundschaft"). Indirekt betroffen waren auch geplante Öl-Verschiffungen über Ostsee-Häfen, da Käufer die Abnahme unter Hinweis auf mögliche Verunreinigungen verweigerten.

Einem Bericht der russischen Agentur RIA zufolge bot die Staatsbahn inzwischen an, die Exporte mit 5000 Kesselwagen zu unterstützen. Dies könnte die Pipeline allenfalls teilweise ersetzen, die etwa eine Million Fass pro Tag transportieren kann.

brt/dpa



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