Dubai-Krise Hochtief bläst Börsengang ab

Die Dubai-Krise soll der Grund für die Absage des größten deutschen Börsengangs seit zwei Jahren sein: Der Baukonzern Hochtief meldete am Donnerstag, die Infrastrukturtochter Concessions nicht an die Börse zu bringen. Am Freitag hätten die Aktien erstmals gehandelt werden sollen.

Baustelle des Baukonzerns Hochtief: Börsengang geplatzt
ddp

Baustelle des Baukonzerns Hochtief: Börsengang geplatzt


Essen - Der größte Börsengang in Deutschland seit zwei Jahren ist gescheitert. Der Baukonzern Hochtief sagte am Donnerstagabend das IPO seiner Infrastrukturtochter Concessions kurzfristig ab. Die Pläne sollten zunächst auch nicht weiter verfolgt werden, teilte die MDax-Gesellschaft am Donnerstagabend mit.

Das Unternehmen begründete seinen Schritt mit den "jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten" infolge der Dubai-Krise. Dadurch habe sich das Umfeld entscheidend verschlechtert. Unter diesen Umständen seien die Wertvorstellungen nicht zu erreichen gewesen. Ursprünglich sollte Concessions am Freitag erstmals an der Börse gehandelt werden.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter betonte, dass eine Veräußerung unter Wert für das Management nie in Frage gekommen sei: "Unser Anspruch war stets, in keinem Fall unter unseren Wertvorstellungen zu verkaufen. Das haben wir immer gesagt, und wir stehen weiterhin unter keinerlei Druck." Er betonte, dass der Wert des Beteiligungsportfolios der Tochter trotz der Absage bestätigt worden sei.

Finanzierungslinien sollen auch ohne Börsengang stehen

Für das weitere Wachstum habe die Absage keine "wesentlichen" Auswirkungen. Die Finanzierung von Hochtief und der Sparte Concessions sei auch ohne den Börsengang gesichert. "Unsere Finanzierungslinien stehen auch ohne einen Börsengang", sagte Concessions-Chef Peter Noé. Die ausstehenden Verpflichtungen sowie die geplanten Investitionen in Neuprojekte seien durch den finanziellen Spielraum der Mutter Hochtief abgedeckt.

Ursprünglich sollte bei dem Börsengang bis zu eine Milliarde Euro erlöst werden. Rund 600 Millionen Euro sollten aus einer Kapitalerhöhung stammen und für die weitere Finanzierung von Concessions dienen. Die restlichen Aktien wollte Hochtief aus seinem eigenen Portfolio platzieren, aber auch nach dem Börsengang weiter 51 Prozent an der Infrastrukturtochter halten. Die Preisbildungsspanne lag zwischen 24 und 29 Euro. Genaue Angaben, wie viele Aktien gezeichnet wurden, machte der Konzern nicht.

In der Sparte Concessions hat Hochtief seit Anfang 2008 das Flughafengeschäft und die sogenannten PPP-Geschäfte gebündelt, bei denen das Unternehmen für die öffentliche Hand Projekte wie Schulen und Tunnel baut und betreibt. Concessions hatte in den ersten neun Monaten des Krisenjahres 2009 nur noch ein Ergebnis vor Steuern von 51,3 (Vorjahr: 91,4) Millionen Euro verdient. Unter dem Strich war ein Gewinn von 28,4 (56,4) Millionen Euro geblieben.

Im November 2007 hatte der Hamburger Hafenbetreiber HHLA mit seinem Schritt an die Frankfurter Börse 1,17 Milliarden Euro eingenommen. Danach hatte sich das Klima für Börsengänge in Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise stark eingetrübt, und nur noch wenige, vor allem kleinere Firmen, hatten den Schritt auf das Börsenparkett gewagt.

fro/dpa-AFX



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