Rohstoffe aus Konfliktregionen Großraffinerie missachtet angeblich Goldmarktkontrollen

Geheime Dokumente enthüllen schwere Rechtsvergehen der Dubaier Raffinerie Kaloti: Die Firma soll laut "Guardian" und BBC unkontrolliertes Gold im Wert von Hunderten Millionen Dollar auf den Weltmarkt gebracht haben. Es gilt als extrem wahrscheinlich, dass die Rohstoffe anteilig aus Konfliktregionen stammen.

Kongolesischer Händler mit Rohgold (Archivbild): Verbotene Geschäfte?
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Kongolesischer Händler mit Rohgold (Archivbild): Verbotene Geschäfte?


Hamburg/London - Für den globalen Handel mit Gold gelten strenge Schutzbarrieren. Die Vorschriften sollen verhindern, dass Lieferungen aus Minen in Konfliktregionen auf den Markt kommen. Vertraulichen Papieren zufolge, die ein Whistleblower mehreren britischen Medien zugespielt hat, soll Dubais größte Goldraffinerie Kaloti in großem Ausmaß gegen diese Vorschriften verstoßen haben.

Der Firma wird vorgeworfen, unkontrollierte Goldlieferungen im Wert von Hunderten Millionen Dollar erworben zu haben. Das berichten die Zeitung "The Guardian" und der Sender BBC. Zu dieser Einsicht gelangen demnach Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die Kaloti im vergangenen Jahr einer Kontrolle unterzogen haben.

Zwar gebe es keine Beweise, dass die Raffinerie mit sogenanntem Konfliktgold gehandelt habe. Dem Unternehmen wurden aber massive Rechtsverletzungen nachgewiesen. So soll Kaloti Gold von mehr als 1000 Händlern erworben haben, ohne dass sie Nachweise über dessen Herkunft vorgelegt hätten.

Weitere Ergebnisse der Wirtschaftsprüfung bei Kaloti laut BBC:

  • Kaloti wird zur Last gelegt, mehr als vier Tonnen vergoldetes Silber importiert zu haben, das in Dubai als Gold deklariert wurde - eine Praxis, die das Unternehmen als "normal" bezeichnet haben soll.
  • Der Firma wird weiter vorgeworfen, zweistellige Millionen-Dollar-Beträge in bar gezahlt zu haben, ohne sich ordentliche Zertifikate vorlegen zu lassen. Insgesamt geht es angeblich um eine Summe von rund 5,2 Milliarden Dollar - oder 40 Prozent der Einnahmen von Kaloti.
  • Der Goldhersteller wird außerdem beschuldigt, mit einem Lieferanten zusammengearbeitet zu haben, der mit Konfliktzonen im Osten der Demokratischen Republik Kongo in Verbindung gebracht wird.

Die Schlussfolgerung dieser Untersuchungen ist brisant: "Das Risiko, dass Konfliktmineralien nach Dubai kommen, ist extrem hoch", sagte ein damaliger Mitarbeiter von Ernst & Young. Die Untersuchungsergebnisse stießen auf harsche Gegenwehr. Das Dubai Multi-Commodities Centre (DMCC), das den Goldhandel in dem Emirat reguliert, wollte nach Informationen des EY-Experten verhindern, dass die Ergebnisse des Audits an die Öffentlichkeit gelangen.

Der Skandal ist ein herber Rückschlag für internationale Bemühungen zur Regulierung des Goldhandels, wie sie von US-Präsident Barack Obama, der Uno sowie der Europäischen Union vorangetrieben werden. Die Vorschriften zielen darauf ab, verbotene Geschäfte mit Konfliktgold auszumerzen. Die Regulierungen sehen auch unabhängige Wirtschaftsprüfungen bei den weltgrößten Goldraffinerien sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse vor.

Hintergrund des globalen Regelwerks sind zunehmende Hinweise darauf, dass Goldminen in der Demokratischen Republik Kongo von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden, die in Kriegsverbrechen verwickelt sind und Menschenrechtsverletzungen mitfinanzieren. Wegen der wachsenden Kritik am Handel mit Produkten von Minenbetreibern aus Konfliktregionen hatte zuletzt der US-Konzern Apple angekündigt, weitgehend auf solche Rohstoffe zu verzichten.

bos



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muri321 26.02.2014
1. Na klar doch
Alles muss nach den regeln des Westens laufen passt was nicht dann heißt es entspricht nicht der Freiheit fragt sich bloß welcher Freiheit
redbayer 26.02.2014
2. Das die Mächtigen der Welt aus dem Hintergrund
den Goldmarkt kontrollieren ist ja bekannt. Damit schützen sie ihr Vermögen und ihre Macht. Das aber einer, wie jetzt Dubai an den Pranger gestellt wird ist schon ungewöhlich. Und dann noch mit dem Märchen, man wolle Gold aus Konfliktregionen "schützen", blöde geht die Medienstory nicht mehr. Es gibt kein Gold auf der Welt (kommt nachweislich nur aus dem Weltall) dass nicht mit Blut und tausenden Toten bezahlt wurde und wird. Es ist der Stoff, in dem sich die ganze unnütze Zivilisationsgeschichte der Menschheit wieder spiegelt. Wenn da eine Raffinerie Kaloti ein bischen nachhilft, dass mehr Gold unter die Leute kommt und damit tendenziell der Wert fällt, sollten wir alle darüber froh sein.
muellerthomas 26.02.2014
3.
Zitat von redbayerden Goldmarkt kontrollieren ist ja bekannt. Damit schützen sie ihr Vermögen und ihre Macht. Das aber einer, wie jetzt Dubai an den Pranger gestellt wird ist schon ungewöhlich. Und dann noch mit dem Märchen, man wolle Gold aus Konfliktregionen "schützen", blöde geht die Medienstory nicht mehr. Es gibt kein Gold auf der Welt (kommt nachweislich nur aus dem Weltall) dass nicht mit Blut und tausenden Toten bezahlt wurde und wird. Es ist der Stoff, in dem sich die ganze unnütze Zivilisationsgeschichte der Menschheit wieder spiegelt. Wenn da eine Raffinerie Kaloti ein bischen nachhilft, dass mehr Gold unter die Leute kommt und damit tendenziell der Wert fällt, sollten wir alle darüber froh sein.
Die größten Goldförderländer sind China, Australien, die USA, Rußland, Südafrika, Peru, Indonesien, Kanada, Ghana und Mexiko. Auch da mag die Situation in der einen oder anderen Hinsicht kritisierbar sein, aber sind alles keien Länder, die man als Konfliktregionen ansieht.
desireless 26.02.2014
4. An Gold klebt immer Blut
Egal, ob es von den Azteken, aus Raubbau, von Diktatoren, Juden (Nazigold) oder einfach nur aus Geldwäsche stammt. Tut mal nicht so scheinheilig wegen den Konfliktregionen.
cato. 26.02.2014
5. ...
Zitat von desirelessEgal, ob es von den Azteken, aus Raubbau, von Diktatoren, Juden (Nazigold) oder einfach nur aus Geldwäsche stammt. Tut mal nicht so scheinheilig wegen den Konfliktregionen.
Naja das immer stimmt so nicht, aber je früher das Gold gefördert wurde, desto wahrscheinlicher ist es, dass es schon das eine oder andere mal blutig seinen Besitzer gewechselt hat.
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