Überangebot in Dubai Wo Luxusvillen wieder zu Schnäppchen werden

Das Emirat Dubai hat jede Menge Luxusvillen für reiche Investoren bauen lassen. Das Problem: Kaum einer will sie noch haben.

Chris Jackson / Getty Images

Wer nach Möglichkeiten sucht, den explodierenden Immobilienpreisen in Berlin und anderen deutschen Großstädten zu entkommen, dem hilft womöglich ein Blick über den Tellerrand. Im Wüstenstaat Dubai zum Beispiel sind die Baumaschinen seit Jahren so intensiv im Einsatz wie sonst wohl allenfalls noch in einigen Metropolregionen Chinas.

Mehr als 22.000 Wohnungen und Häuser seien allein im vergangenen Jahr entstanden, berichtet die in Dubai ansässige Maklerfirma Asteco. In diesem Jahr sollen weitere 30.000 Einheiten hinzukommen. In Berlin, das noch ein wenig größer ist als Dubai, waren es zuletzt gerade einmal 16.000.

Die Folgen des Baubooms freuen vor allem die Käufer. Das Angebot ist inzwischen so üppig, dass die Preise regelrecht abgestürzt sind. Im Juni 2019 lagen sie 15 Prozent unter den Vergleichswerten des Vorjahres, wie das in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Unternehmen Cavendish Maxwell nun vorrechnet.

Laut einer Studie der Immobilienexperten ist das Preisniveau damit sogar niedriger als in den Jahren nach der globalen Bankenkrise und der daraus resultierenden Überschuldung, von der Dubai seinerzeit besonders betroffen war. Schon damals waren die Immobilienpreise eingebrochen.

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Luxusproblem: Millionenprojekte, die niemand kaufen will

Um das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage wieder ins Lot zu bringen, wurden bereits zahlreiche Projekte gestoppt - zum Beispiel die Aufschüttung zweier künstlicher Inseln nach dem Vorbild von Palm Jumeirah, einer menschgemachten Insellandschaft, die aus der Luft wie das Blatt einer Palme aussieht. Schon die dortigen Residenzen für Millionäre waren am Ende nur mit großen Rabatten zu verkaufen.

Die Entwicklung in Dubai zeigt Probleme auf, die sich ergeben können, wenn man den Immobilienmarkt allzu sehr den Marktkräften überlässt. Der aktuelle Wertverfall betrifft in erster Linie Häuser und Wohnungen der oberen Preisklasse, in der die Investoren die höchsten Gewinne witterten.

Ähnliche Tendenzen sind auch in Berlin zu beobachten, wo derzeit vornehmlich Luxuswohnungen entstehen, die sich nur eine kleine Gruppe von Bestverdienern leisten kann - und die sie überdies oft nur als Zweitwohnsitz nutzt.

Das Problem hat auch die Dubaier Regulierungsbehörde für den Wohnungsmarkt inzwischen erkannt. Künftig will man deshalb statt internationalen Spekulanten lieber die heimische Mittelschicht bedienen, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen ist.

Die Staatsführung hat umgerechnet knapp 7,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um erschwinglichen Wohnraum für Angestellte und Arbeiter mit mittlerem Einkommen zu errichten.

mik

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insgesamt 54 Beiträge
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frankanord 18.07.2019
1. Schnäppchen
Astrein, da zahl ich statt fünf Millionen jetzt nur noch vier! So eine Villa auf einem aufgeschütteten Palmenblatt ist trotzdem voll edel und stilsicher.
mimas101 18.07.2019
2. tststs
Wer will auch schon in langweilige Siedlungen und Wohnkasernen einziehen, und das auch noch ohne Drogen- und Suffparties für die Buddies, wenn man in den USA bei unverbaubarem Fernblick noch richtig Geld ausgibt, die Architekten sich austoben dürfen und die Nachbarn von den Orgien auch nicht gestört werden.
oschn 18.07.2019
3. Hype vorbei
Der Dubai-Hype hat den Zenit auch längst überschritten. Vor 10-15 Jahren hatte alles noch den Exotik-Faktor. Wer reich war, hat damals schon gekauft. Wer jetzt reich ist, den zieht es nicht mehr so dahin. Und für die Zukunft bietet Dubai einfach für viele Westler keine dauerhafte Perspektive: repressives Regime und die Gewissheit, dort immer nur geduldet zu sein. Wer es sich leisten kann, bleibt in den südlichen USA oder im Mittelmeerraum.
sonnengeist 18.07.2019
4. Au harre, ...
... wer will denn für eine dieser gefühlt 50.000 geklonten Hütten in Reih und Glied, mit Nachbarn, die einem mit einem Meter Abstand auf der Pelle hängen, auch nur einen einzigen Dollar ausgeben? Zumal das ganze Areal in absehbarer Zeit den vielfältigen Meeresbewohnern als willkommenes künstliches Riff dienen wird. Und Öl-Dollars sind dann auch keine mehr da ... Nach der Zeit eines pompös hellen Aufflackerns, wird Dubai lediglich überspülte Geschichte sein.
te36 18.07.2019
5. Ich wuerde ja auch gerne...
so ein Luxushaus wie in Dubau bauen und verkaufen, aber in meinen Backofen passt gerade mal ein Puppenhaus. Im Ernst: Wie kann man nur so ?idiotisch? sein, und sein Geld in ein Haus in einem Backofen stecken, wo die ganze Infrastruktur auf extrem wackeligen, von Oel abhaengigen Fuessen steht, und jeder der Dienstleistungen erbringt auch aus dem Ausland kommt, und ratz fatz aus dem Land weg ist, wenn es da mal nicht prima laeuft. Da nehme ich doch lieber ein Haus auf dem Mond. da ist die Infrastruktur vielleicht noch mehr abhaengig vom Ausland und der Anflug laenger, aber es ist wenigstens nicht so heiss.
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