Duell gegen Toyota Volkswagen jagt die Nummer eins

Volkswagen strotzt nur so vor Selbstbewusstsein - bis 2018 wollen die Wolfsburger Toyota als Branchenprimus ablösen. Doch ein Selbstläufer wird die Aufholjagd nicht. Vor allem in den USA muss VW nachlegen. Und nun setzt auch noch ein Wettbewerber aus Südkorea zum Überholmanöver an.

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Hamburg - Sollte in diesem Jahr nicht alles besser werden? Und dann das: 1,6 Millionen Autos muss Toyota zurückrufen, um Probleme an der Kraftstoffleitung zu überprüfen. Es ist der nächste schwere Rückschlag für die Japaner, die weltweit zwar noch immer die meisten Fahrzeuge verkaufen, deren Pannenserie aber zu einem echten Problem wird. Ein großer Glücksfall ist die Malaise dagegen für VW, den deutschen Giganten, der Toyota an der Spitze der Rangliste ablösen will.

Bis 2018, so hat es Konzernchef Martin Winterkorn verkündet, soll Volkswagen zum größten Autobauer der Welt aufsteigen. Mehr als zehn Millionen Fahrzeuge sollen jährlich verkauft werden. Und wer weiß, vielleicht lässt sich dieses Ziel ja sogar ein paar Jahre früher erreichen?

Für die konservative deutsche Autobranche ist Winterkorns Ansage ungewöhnlich offensiv. Doch tatsächlich hat sie in Wolfsburg enorme Kräfte freigesetzt. Die ehrgeizige Vorgabe habe vor allem einen Zweck, sagt denn auch Branchenkenner Christoph Stürmer von IHS Automotive: die Mannschaft von VW zu motivieren. Und das scheint zu gelingen: "Winterkorn hat Wolfsburg auf Trab gebracht. Er hat den Staub aus allen Ritzen gepustet", so Stürmer.

Während Toyota wegen der Pannenserie in einer schweren Krise steckt, strotzt VW vor Selbstbewusstsein. Die Wolfsburger hätten eine "extrem beeindruckende Dynamik" entfaltet, sagt Stürmer. Zwar liegt der deutsche Autobauer im weltweiten Ranking noch hinter General Motors (GM) auf Platz drei (siehe Grafik). Doch mittelfristig sehen viele Analysten die Deutschen vorn.

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VW vs. GM vs. Toyota: Autokonzerne im Vergleich
Der Optimismus kommt nicht von ungefähr. Denn im Vergleich zu GM und Toyota steht Volkswagen extrem gut da. Der Konzern ist streng auf Effizienz ausgelegt, er ist in vielerlei Hinsicht der technologische Maßstab in Europa, er ist global gut aufgestellt, hat neue Fabriken gebaut in den USA, in Indien und Russland. Und er verfügt über eine Markenvielfalt, die zwar eine große Herausforderung bedeutet, "letztlich aber ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz ist", sagt Jürgen Pieper, Auto-Analyst für das Bankhaus Metzler.

Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, Porsche, VW - all diese Pkw-Marken gehören zum Volkswagen-Konzern. Dazu kommen VW-Nutzfahrzeuge und Scania sowie Minderheitsbeteiligungen an MAN und dem japanischen Kleinwagenbauer Suzuki. Letzterer soll früher oder später übernommen werden. Und als 13. Marke hat der mächtige VW-Patriarch Ferdinand Piëch schon Alfa Romeo im Visier. Mehr als 50 Milliarden Euro will der Konzern in den kommenden fünf Jahren in den Ausbau der Produktion und die Entwicklung neuer Modelle investieren.

China, USA, die ganze Welt

Die Konkurrenz steht längst nicht so gut da: Zwar gelang GM nach der Insolvenz und der Verstaatlichung ein beeindruckendes Comeback an der Börse. Doch um zu überleben, mussten die Amerikaner einzelne Marken auf- oder abgeben. Auch an Suzuki war General Motors einst beteiligt. Während VW expandiert, ist GM auf dem Rückzug. Und Toyota ist durch seine Pannenserie schwer beschädigt. Qualität war lange ein überragendes Merkmal der Japaner - umso mehr leidet das Image unter den andauernden Rückrufaktionen.

Ein Selbstläufer ist Volkswagens Aufstieg an die Weltspitze dennoch nicht. Entscheidend werden die Kräfteverhältnisse in den großen und in den schnell wachsenden Märkten sein. Die wichtigsten lassen sich laut Stürmer in drei Bereiche aufteilen: China, USA, Rest der Welt.

In den großen Schwellenländern, den sogenannten Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, ist Winterkorns Konzern gut aufgestellt. In der boomenden Volksrepublik verkauft VW die meisten Fahrzeuge aller ausländischen Hersteller - zumindest, wenn man die Minderheitsbeteiligung von GM am Gemeinschaftsunternehmen SAIC-GM-Wuling außen vor lässt. VW wächst zudem schneller als die Konkurrenz. "Wenn sie da keinen Fehler machen", sagt Stürmer, "ist China eine Bank."

Auf dem US-Markt liegt VW noch weit zurück

Ganz anders sieht es in den USA aus. Die Vereinigten Staaten sind das größte Risiko auf Volkswagens Weg zur Weltspitze. Nur knapp 360.000 Fahrzeuge haben die Wolfsburger 2010 in den USA verkauft, 100.000 davon kamen von Audi - ein Marktanteil von gerade einmal drei Prozent. Toyota (1,77 Millionen) und GM (2,2 Millionen) waren deutlich erfolgreicher. Aufgrund seiner starken Position konnte Toyota die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren beinahe als heimischen Markt betrachten. Doch die Pannenserie hat den Japanern vor allem in den USA massiv geschadet: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Verkaufszahlen 2010 leicht geschrumpft.

"Das ist Volkswagens große Chance, Toyota in Nordamerika Kunden abzunehmen", sagt Analyst Pieper. "Durch die Probleme Toyotas und der heimischen Hersteller sind die Marktanteile in den USA in Bewegung gekommen", ergänzt Stürmer. Der US-Markt biete eine Menge Potential für VW.

Für die konkrete Unternehmenspolitik kann das nur eines bedeuten: Ohne deutliche Steigerung in den USA ist Winterkorns Nummer-eins-Ziel bis 2018 nicht zu erreichen. Eine Million Fahrzeuge will der VW-Boss dort jährlich verkaufen. Gelingen soll der Aufschwung mit dem Jetta und dem US-Passat, der in der neuen Fabrik in Chattanooga, Tennessee, gebaut wird - und das ausschließlich für den amerikanischen Markt (siehe Fotostrecke). Doch allein wird das nicht reichen. Volkswagen müsse sich ein starkes Image kreieren, bisher würden die neuen Fahrzeuge zu wenig mit dem Charakter der Marke VW verknüpft, sagt Stürmer. "Das überzeugt noch nicht vollends."

Gefahr für Volkswagens Pläne droht auch aus einer anderen Richtung. Von hinten nähert sich in großem Tempo ein weiterer Kontrahent: Hyundai. Kein Autohersteller wächst derzeit so schnell wie die Koreaner. Im weltweiten Ranking stehen sie dank eines Wachstums von 24 Prozent schon auf Platz fünf. Geht es in dieser Geschwindigkeit weiter, könnten sie zu einem ernsthaften Spieler im Kampf um die Spitze aufsteigen. Toyota und GM werde Volkswagen bis 2018 hinter sich lassen, prognostiziert Pieper. "Ganz oben", so der Autoanalyst, "stehen dann entweder VW oder Hyundai."



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flower power 02.02.2011
1. Einen besseren
Passat - 26 cm länger und mit Vollausstattung in den USA für 15 000 USD, einen Kleinwagen in CN für 8 000 Euro von VW. Da kann man in DE nur träumen, oder Toyota kaufen. Das ist wie mit Aspirin, den Bankgebühren usw., im Inland wird abgezockt und im Ausland gerockt. Wie blöd doch die Deutschen sind.
fremen 02.02.2011
2. Südkoreanischer Konkurrent
Zitat von sysopVolkswagen strotzt nur so vor Selbstbewusstsein - bis 2018 wollen die Wolfsburger Toyota als Branchenprimus ablösen. Doch ein Selbstläufer wird die Aufholjagd nicht. Vor allem in den USA muss VW nachlegen. Und nun setzt auch noch ein Wettbewerber aus Südkorea zum Überholmanöver an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,741631,00.html
Bin ich blind oder wird von dem im Anreißer beschriebenen südkoreanischen Wettbewerber im Artikel selbst überhaupt gar nicht mehr gesprochen?
fremen 02.02.2011
3. Okay
Zitat von sysopVolkswagen strotzt nur so vor Selbstbewusstsein - bis 2018 wollen die Wolfsburger Toyota als Branchenprimus ablösen. Doch ein Selbstläufer wird die Aufholjagd nicht. Vor allem in den USA muss VW nachlegen. Und nun setzt auch noch ein Wettbewerber aus Südkorea zum Überholmanöver an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,741631,00.html
Inzwischen steht das mit Hyundai drin, ich hätte schwören können, dass das bis eben nicht so war. Naja, nun wäre das ja geklärt.
prophet46 02.02.2011
4. Ps Rekordsucht
Dass ist wieder so ein Quasi-PR-Artikel, wie er im vorauseilenden Gehorsam der deutschen Presse zuletzt immer wieder erschienen ist. VW steht beileibe nicht so gut da, wie sie der Öffentlichkeit Glauben machen wollen. Vier der VW-Marken sind mit hoher Sicherheit defizitär, Bentley, Seat, Lamborghini, Bugatti (letztere 2 unbestätigt). Die Zielsetzung, die Nr. 1 weltweit sowie die Nr. 1 im Premiumsegment werden zu wollen, sind reine Marketingaussagen, die zur Motivation der eigenen Belegschaft dienen und verschleiern sollen, dass man gegenwärtig bei beiden Zielsetzungen nur an 3. Stelle liegt. Dabei kommt man den Zielen nur scheinbar näher. Toyota hat zwar Probleme, erstarkt aber wieder, trotz Rückrufe. Ebenso GM, die nach dem Konkurs wieder Fahrt aufnehmen und international an 2. Stelle liegen. Im Rückspiegel von VW macht sich inzwischen Hyundai/Kia bemerkbar, die an 5. Stelle liegend ein enormes Expansionstempo vorlegen. Die Risiken des VW-Massengeschäfts werden beim (internationalen) Markteintritt der chinesischen Automobilfirmen künftig eher schwieriger, statt leichter werden. Was heute Kapazitätsausbau ist, kann künftig zur Überkapazität werden. Trotz des ständigen Anbaggerns seitens Piech hat Fiat den Verkauf von Alfa Romeo strickt abgelehnt. Amerikanische Zeitungen fragen derweil lakonisch, ob das VW-Management wegen ihrer Eroberungsziele spinnt. Spätestens seit der geplanten Mercedes Welt AG wissen wir, dass nicht alle Blütenträume aufgehen.
-demokrat- 02.02.2011
5. Ich weiß ja nicht...
Zitat von flower powerPassat - 26 cm länger und mit Vollausstattung in den USA für 15 000 USD, einen Kleinwagen in CN für 8 000 Euro von VW. Da kann man in DE nur träumen, oder Toyota kaufen. Das ist wie mit Aspirin, den Bankgebühren usw., im Inland wird abgezockt und im Ausland gerockt. Wie blöd doch die Deutschen sind.
....wo Sie die Preise her haben, aber ein Passat Variant fängt in den USA bei 28.755 $ an. Ich gebe Ihnen jedoch Recht, dass es gerade in Märkten, wo sich VW noch nicht etabliert hat, wesentlich günstigere Preise gibt, als hier auf dem europäischen. Das macht aber jedes Unternehmen so.
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