Drohender Dürresommer Landwirte hoffen auf Regen

Die nächsten Wochen sind entscheidend: Die Bauern fürchten nach dem Dürresommer 2018 erneut ein wirtschaftliches schwieriges Jahr. Laut Bauernpräsidenten gibt es bereits "eine gewisse Nervosität".

Landwirt im brandenburgischen Zerpenschleuse
Monika Skolimowska / DPA

Landwirt im brandenburgischen Zerpenschleuse


Die Trockenheit sorgte im vergangenen Sommer für Ernteausfälle in Milliardenhöhe, die staatlichen Hilfen konnten nur einen Teil der Verluste ausgleichen - und schon droht die nächste Dürre. In einigen Teilen Deutschlands hoffen Bauern nun dringend auf Regen. "In einigen Regionen ist es sehr trocken. Entscheidend ist, dass die für die nächsten Tage angekündigten Niederschläge auch fallen", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der "Rheinischen Post".

In den von Trockenheit betroffenen Gebieten habe der Winterregen nicht gereicht, um die Bodenvorräte wieder aufzufüllen. Daher gebe es "eine gewisse Nervosität". Er hoffe aber auf das Eintreten folgender Bauernregel: "Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass."

Für die meisten Kulturen wie Getreide und Raps ist laut Bauernverband das Wetter der nächsten sechs bis acht Wochen entscheidend. Bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln habe vor allem das Wetter während der Sommermonate Bedeutung. Für eine gute Entwicklung würden immer wieder Niederschläge benötigt.

Katastrophenschutz spielt sechsjährige Dürre durch

In den vergangenen Tagen hatte der Deutsche Wetterdienst vor einer möglichen Dürreperiode gewarnt. Bereits am Osterwochenende brachen die ersten Waldbrände aus, zahlreiche Osterfeuer mussten abgesagt werden.

Joachim Rukwied 2017: Neue Anbauverfahren gegen den Klimawandel
DPA

Joachim Rukwied 2017: Neue Anbauverfahren gegen den Klimawandel

Für die Bauern sei nun die Phase der Kornbildung bei Getreide entscheidend, sagte Rukwied der "Rheinischen Post". Ist es dann zu trocken und zu heiß, bildeten sich oft nur kleine Körner, und der Ertrag werde geringer. Wettervorhersagen über einen längeren Zeitraum seien aber in der Regel nicht möglich.

Rukwied sagte, die Landwirte stellten sich schon seit geraumer Zeit auf den Klimawandel ein. Dazu gehörten wassersparende Anbauverfahren. Nötig seien aber auch neue Züchtungsmethoden, um schneller zu trockenheits- und hitzetoleranten Pflanzensorten zu kommen.

Der forstpolitische Sprecher der FDP, Karlheinz Busen, verwies auf Schwierigkeiten für viele Wälder. "Durch Borkenkäfer stirbt derzeit extrem viel Wald ab. Das abgestorbene und trockene Holz hat das Potenzial, in einem Sommer wie 2018 unkontrollierbare Waldbrände zu entwickeln." Bund und Länder müssten Warnungen ernst nehmen.

Video: Die Mini-Sahara von Brandenburg

SPIEGEL ONLINE

Das Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe spielte unterdessen ein Szenario durch, was bei weiteren sechs Jahren Dürre wie im Sommer 2018 geschehen würde. Ergebnis der neuen Risikoanalyse: In manchen Regionen Deutschlands könnte die Trinkwasserversorgung zusammenbrechen, Stromausfälle wären möglich, die Agrarwirtschaft, aber auch die Stahl- und Chemieindustrie würden erheblich leiden.

In der Risikoanalyse wird unter anderem auf die Folgen der Dürre 2018 verwiesen, die bereits die Schifffahrt beeinträchtigte, wodurch unter anderem die Benzinpreise stiegen. Deutschland hatte in dem Jahr dem Deutschen Wetterdienst zufolge die längste Dürrephase seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen vor fast 140 Jahren erlebt.

apr/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.