Energiewende E.on-Chef fordert Strom-Zuschuss für Geringverdiener

Die Strompreise steigen und steigen, E.on-Chef Johannes Teyssen begründet das mit dem Atomausstieg. Die Energiewende dürfe Elektrizität nicht zum Luxusgut machen, sagt er. Notfalls müssten Geringverdiener Zuschüsse aus dem Sozialsystem bekommen.
E.on-Chef Teyssen: "Dann muss das Sozialsystem einspringen"

E.on-Chef Teyssen: "Dann muss das Sozialsystem einspringen"

Foto: dapd

Berlin - Die deutschen Strompreise sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, Jahr um Jahr haben die Energiekonzerne sie erhöht. Die Erhöhungen rechtfertigten sie zuletzt oft mit dem Atomausstieg. Abgeschriebene AKW können Strom besonders günstig produzieren, nun sollen sie rasch vom Netz. Hinzu kommt die rasch steigende Förderung der erneuerbaren Energien über die Ökostromumlage. Kritiker indes unterstellen E.on, RWE und Co Profitgier: Die Konzerne würden die Preise weit stärker erhöhen als nötig - und pauschal mit der Energiewende argumentieren.

Fakt ist: Die Preise steigen - und werden vor allem für Geringverdiener zu einer immer größeren Belastung. Während große Industriebetriebe von allerlei Vergünstigungen profitieren, müssen die Verbraucher voll zahlen. Millionen Kunden müssen im Frühjahr eine neue Erhöhung hinnehmen. Durchschnittlich zahlen sie pro Jahr 33 Euro drauf, im schlechtesten Fall sogar von bis zu 95 Euro. Wer ohnehin nicht viel verdient, ist besonders betroffen.

Das ist unsozial - findet auch Johannes Teyssen, der Chef des größten deutschen Energiekonzerns E.on. Zwar bietet er einkommensschwachen Haushalten keine Vergünstigungen an - dafür schlägt er vor, der Staat solle einspringen. Die Energiewende dürfe Strom nicht zum Luxusgut machen, sagte Teyssen der "Bild"-Zeitung. "Wird der Energieumbau zu teuer, dann muss das Sozialsystem einspringen und die Mehrbelastung für einkommensschwache Haushalte abfedern."

Er sei sicher, dass viele Menschen dafür Verständnis hätten, "dass die erneuerbaren Energien nicht umsonst den Weg in den Markt finden, sondern auch über den Strompreis finanziert werden müssen". Kritik, die Energieversorger hätten die Strompreise in den vergangenen Jahren deutlich angehoben, wies er zurück: "Die Preise sind in den letzten Jahren nicht übermäßig stark gestiegen."

Dies hatte zuletzt auch der Bundesumweltminister geäußert. Steigende Strompreise hätten nichts mit der Energiewende zu tun, sagte Norbert Röttgen. Die Konzerne würden ihre Erhöhungen zum Teil falsch begründen, sagte der CDU-Mann, der für seine Partei gerade in Nordrhein-Westfalen Wahlkampf betreibt.

Die Energiewende ist ein zentrales Projekt der Bundesregierung. Nach der Reaktorkatastrophe vor einem Jahr in Japan soll in Deutschland der Ausstieg aus der Atomenergie vollzogen und gleichzeitig die erneuerbare Energie ausgebaut werden.

Der Atomausstieg kommt E.on teuer zu stehen. Der größte deutsche Energiekonzern machte 2011 rund 2,2 Milliarden Euro Verlust - obwohl er die Strompreise erhöhte.

ssu/dpa-AFX/Reuters
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