Mobilfunkmarkt Milliardär Slim bläst Übernahme von KPN ab

Carlos Slim gibt auf: Der Milliardär zieht sein Übernahmeangebot für den niederländischen Telekom-Konzern KPN zurück. Damit setzt sich die KPN-Stiftung mit ihrer Blockadehaltung gegen den reichsten Mann der Welt durch.
Geschäftsmogul Slim: Reichster Mann der Welt

Geschäftsmogul Slim: Reichster Mann der Welt

Foto: ALLISON JOYCE/ REUTERS

Mexiko-Stadt - Die KPN-Stiftung hat sich erfolgreich gegen die feindliche Übernahme des niederländischen Telekom-Unternehmens KPN gewehrt. Der Mexikaner Carlos Slim, reichster Mann der Welt, zog sein Angebot in Höhe von 7,2 Milliarden Euro zurück. Es sei wegen der KPN-Stiftung nicht realisierbar, hieß es von Slims Mobilfunkkonzern América Móvil.

Das Unternehmen wollte seinen Anteil von rund 30 Prozent aufstocken und KPN kontrollieren. Die KPN-Stiftung, welche im Zuge der Privatisierung des niederländischen Telefonkonzerns entstand und die Interessen der Aktionäre verteidigen soll, hatte die Übernahme als feindlich eingestuft und abgelehnt.

Kreisen zufolge hatte KPN zuletzt einen höheren Preis als die angebotenen 2,40 Euro pro Aktie gefordert. Grund sei eine Steuergutschrift, die sich aus dem 3,7 Milliarden Euro schweren Buchverlust im Zusammenhang mit dem Verkauf der deutschen Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland ergebe, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg zu Monatsbeginn berichtet.

América-Móvil-Aktionäre begrüßen Rückzug

KPN ist in einer starken Position, da die KPN-Stiftung eine Option nutzen konnte, mit der sie spezielle Aktien erwerben darf. Damit kann eine Übernahme praktisch blockiert werden. Dem Vernehmen nach forderten die Niederländer einen Preis von 2,65 Euro je Aktie. Damit hätte sich der Preis von 7,2 Milliarden auf 7,9 Milliarden Euro erhöht.

An der Börse in Mexico-Stadt legte die América-Móvil-Aktie um bis zu 6,7 Prozent zu. Das war der größte Tagesgewinn in fast zwei Jahren. Der 73-jährige Slim führt die Liste der Superreichen des Magazins "Forbes" mit einem Vermögen von 73 Milliarden Dollar an.

Slim hatte mit seinem KPN-Anteil auch Einfluss auf das jüngste Fusionsvorhaben auf dem deutschen Telekom-Markt, bei dem O2 den Rivalen E-Plus kaufen will. E-Plus ist eine Tochter von KPN. Slims América Móvil hatte dem Übernahmeangebot erst zugestimmt, nachdem die O2-Mutter Telefónica ihre Offerte für E-Plus auf 8,6 Milliarden Euro angehoben hatte.

Slim hatte Telefónica damit einen Nadelstich versetzt: América Móvil und Telefónica sind in vielen Ländern Lateinamerikas Rivalen und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft. Zusammen kontrollieren sie 60 Prozent des dortigen Mobilfunkmarkts. Jeder Euro, den Telefónica in Deutschland mehr ausgeben muss, fehlt dem spanischen Konzern im Kampf gegen Slim in Südamerika.

max/dpa/Reuters