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05. Dezember 2012, 18:37 Uhr

Luftfahrt- und Rüstungskonzern

Berlin und Paris teilen Macht bei EADS auf

Die neue Aktionärsstruktur für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht. Deutschland und Frankreich halten künftig jeweils zwölf Prozent des Kapitals, Spanien vier Prozent.

Paris - Deutschland und Frankreich haben sich auf die künftige Beteiligung bei EADS geeinigt. Der Plan sieht vor, dass beide Länder jeweils zwölf Prozent der Anteile an dem Luft- und Raumfahrtkonzern halten werden. Die Bundesrepublik wird sich damit erstmals direkt an dem Unternehmen beteiligen. Bislang sicherte Deutschland seinen Einfluss über die EADS-Beteiligung von Daimler. Spaniens Anteil soll bei vier Prozent liegen.

Hintergrund der Neuordnung sind die Ankündigungen der privaten Großaktionäre Daimler und Lagardère, sich aus dem EADS-Kapital zurückzuziehen. Der deutsche Autokonzern und die französische Mediengruppe waren maßgeblich an dem bisherigen Aktionärspakt zur Beherrschung des Unternehmens beteiligt.

Frankreich und Deutschland hatten in monatelangen Verhandlungen um ihren künftigen Einfluss in dem Konzern gerungen. Dessen Aktivitäten in der Rüstungsindustrie machen die Neuordnung zu einem Politikum. Im bisherigen Aktionärspakt haben Frankreich und der Lagardère-Konzern auf französischer Seite ihre Interessen gebündelt. Auf deutscher Seite vertrat Daimler ein Konsortium von Finanzinstituten. Zusammen mit Spanien kamen die Staaten bisher auf knapp über 50 Prozent an der EADS, üben also bestimmenden Einfluss auf den Konzern aus.

So groß wird ihre Macht künftig nicht mehr sein: Im neuen Pakt sinkt der Anteil der Staaten auf insgesamt 28 Prozent. Da an Hauptversammlungen aber meist nur ein Teil der Aktionäre teilnimmt, können sie wohl weiterhin wichtige Entscheidungen durchsetzen oder blockieren.

Dafür spricht auch eine geplante Änderung in der EADS-Satzung. Sie soll eine Eigentums- und Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent enthalten, die weder von Einzelaktionären noch von Aktionärsgruppen überschritten werden darf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Einigung. Damit werde die deutsch-französische Partnerschaft bei EADS "in Balance weitergeführt". Außerdem werde dem Gründungsgedanken des Unternehmens Rechnung getragen. Frankreichs Staatschef François Hollande sagte, die Einigung garantiere "den Schutz der Interessen Frankreichs, Deutschlands und Spaniens in dem Konzern und gibt dem Unternehmen zugleich die Freiheit, die es für seine weitere Entwicklung braucht".

cte/Reuters/dpa

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