Luftfahrt- und Rüstungskonzern Berlin und Paris teilen Macht bei EADS auf

Die neue Aktionärsstruktur für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht. Deutschland und Frankreich halten künftig jeweils zwölf Prozent des Kapitals, Spanien vier Prozent.

Französische Alphajets begleiten einen Airbus A 380: Macht mit Deutschland aufgeteilt
REUTERS

Französische Alphajets begleiten einen Airbus A 380: Macht mit Deutschland aufgeteilt


Paris - Deutschland und Frankreich haben sich auf die künftige Beteiligung bei EADS geeinigt. Der Plan sieht vor, dass beide Länder jeweils zwölf Prozent der Anteile an dem Luft- und Raumfahrtkonzern halten werden. Die Bundesrepublik wird sich damit erstmals direkt an dem Unternehmen beteiligen. Bislang sicherte Deutschland seinen Einfluss über die EADS-Beteiligung von Daimler. Spaniens Anteil soll bei vier Prozent liegen.

Hintergrund der Neuordnung sind die Ankündigungen der privaten Großaktionäre Daimler und Lagardère, sich aus dem EADS-Kapital zurückzuziehen. Der deutsche Autokonzern und die französische Mediengruppe waren maßgeblich an dem bisherigen Aktionärspakt zur Beherrschung des Unternehmens beteiligt.

Frankreich und Deutschland hatten in monatelangen Verhandlungen um ihren künftigen Einfluss in dem Konzern gerungen. Dessen Aktivitäten in der Rüstungsindustrie machen die Neuordnung zu einem Politikum. Im bisherigen Aktionärspakt haben Frankreich und der Lagardère-Konzern auf französischer Seite ihre Interessen gebündelt. Auf deutscher Seite vertrat Daimler ein Konsortium von Finanzinstituten. Zusammen mit Spanien kamen die Staaten bisher auf knapp über 50 Prozent an der EADS, üben also bestimmenden Einfluss auf den Konzern aus.

So groß wird ihre Macht künftig nicht mehr sein: Im neuen Pakt sinkt der Anteil der Staaten auf insgesamt 28 Prozent. Da an Hauptversammlungen aber meist nur ein Teil der Aktionäre teilnimmt, können sie wohl weiterhin wichtige Entscheidungen durchsetzen oder blockieren.

Dafür spricht auch eine geplante Änderung in der EADS-Satzung. Sie soll eine Eigentums- und Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent enthalten, die weder von Einzelaktionären noch von Aktionärsgruppen überschritten werden darf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Einigung. Damit werde die deutsch-französische Partnerschaft bei EADS "in Balance weitergeführt". Außerdem werde dem Gründungsgedanken des Unternehmens Rechnung getragen. Frankreichs Staatschef François Hollande sagte, die Einigung garantiere "den Schutz der Interessen Frankreichs, Deutschlands und Spaniens in dem Konzern und gibt dem Unternehmen zugleich die Freiheit, die es für seine weitere Entwicklung braucht".

EADS-Eigentümerstruktur bisher und künftig
Bei den Anteilseignern des führenden europäischen Flugzeugbau-, Raumfahrt- und Rüstungsunternehmens EADS dominieren bisher Deutsche und Franzosen. Das soll sich mit der Einigung auf eine Neuordnung der Machtverhältnisse künftig ändern. Die Verteilung im Überblick:
Deutsche Seite
Bisher vertritt Daimler die deutsche Seite im Aktionärskreis und steht für einen Kapitalanteil von 22,35 Prozent. Selbst halten die Stuttgarter noch 15 Prozent Kapitalanteile. An Stimmrechten vertritt Daimler noch 22,45 Prozent, einschließlich der Dedalus-Gruppe. Diese hält den Rest der deutschen Seite. Dahinter stehen private Investoren wie Banken und Versicherungen. Auch mehrere Landesbanken sind dabei sowie die staatliche Förderbank KfW. Künftig wird Deutschland mit 12 Prozent - und damit in gleicher Höhe wie Frankreich - an EADS beteiligt sein. Daimler wird seinen Anteil "weitgehend reduzieren".
Französische Seite
Bisher hält die französische Dachgesellschaft SogeadeE 22,35 Prozent der Aktien und vertritt die gesamte französische Seite, bestehend aus den Anteilen des Staates (15 Prozent) sowie der Lagardére-Gruppe, die auch knapp 7,5 Prozent hält. Künftig wird der französische Staat - ebenso wie Deutschland - mit 12 Prozent beteiligt sein. Lagardère wird seinen Anteil ebenso wie Daimler "weitgehend reduzieren".
Spanien
Die spanische Staatsholding Sepi hält 5,45 Prozent. Künftig wird Spanien 4 Prozent halten.
Freie Aktionäre
Die restlichen Anteile von rund 49,4 Prozent befinden sich bisher überwiegend in Streubesitz, dabei sind institutionelle Investoren, private Anleger und andere. Der Anteil der freien Aktionäre soll am Ende der Neuordnung, zu der auch ein Rückkauf von 15 Prozent der Aktien durch EADS gehört, auf mehr als 70 Prozent steigen.

cte/Reuters/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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prince62 06.12.2012
1. Wie üblich halt in der EU.
Zitat von sysopREUTERSDie neue Aktionärsstruktur für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht. Deutschland und Frankreich halten künftig jeweils zwölf Prozent des Kapitals, Spanien vier Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eads-deutschland-und-frankreich-einigen-sich-a-871204.html
Alles klar, das heißt dann wie in der übrigen EU, daß die Franzosen das Sagen und die Deutschen das Geld zu zahlen haben. Wie immer halt.
delaowai 06.12.2012
2. optional
eine Begrenzung der Stimmrechte auf 15%? Prost Mahlzeit - für eine Sperrminorität werden 25% gebraucht. Da will sich wohl jemand einen freien Rücken verschaffen ...
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