Werbegag wörtlich genommen Gericht spricht Telefónica-Kunden 225.000 Euro zu

Mit einer kleinen Gutschrift für jede Gesprächsminute hat Telefónica Deutschland versucht, Kunden zu gewinnen. Einer nutzte das Angebot hunderttausendfach für sich aus - zu Recht, wie das OLG München nun entschied.
Logo der Telefónica-Tochter O2: Zwei-Cent-Gutschrift pro Anruf

Logo der Telefónica-Tochter O2: Zwei-Cent-Gutschrift pro Anruf

Foto: Wolfgang Rattay/ REUTERS

Der Mobilfunkbetreiber Telefónica Deutschland muss 225.000 Euro Handyguthaben an einen Kunden auszahlen, der mit Gesprächsgutschriften ein kleines Vermögen angehäuft hat. Das entschied das Oberlandesgericht München am Donnerstag nach mehrjährigem Rechtsstreit.

Der Mann hatte ein Werbeversprechen der sogenannten Easy-Money-Kampagne der Telefónica-Marke O2 für sich ausgenutzt. Bei Prepaid-Karten mit Easy-Money-Funktion schrieb Telefónica Kunden lange für jede Gesprächsminute zwei Cent gut.

Der Kunde hatte insgesamt 508 solcher Prepaid-Karten gekauft und den zur Kundenwerbung gedachten Marketinggag in ein lukratives Geschäftsmodell umfunktioniert: Er nutzte Wahlwiederholungs-Apps, um sich permanent selbst anzurufen.

Der Weg zum leicht verdienten Geld war dann allerdings steiniger als zunächst gedacht und führte zunächst über zwei Gerichtsinstanzen: Telefónica hatte die 508 Karten 2015 zuerst sperren lassen, danach die Verträge gekündigt und schließlich die Auszahlung des Guthabens verweigert.

Das Argument des Konzerns: Der Kunde habe sowohl gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen als auch gegen Treu und Glauben verstoßen. Letzteres bezieht sich darauf, dass die Zwei-Cent-Gutschrift pro Anruf nicht dafür gedacht war, dass sich die Kundschaft mit Computerhilfe tausendfach selbst anruft.

Daraufhin ging der Mann vor Gericht und hat sich nun durchgesetzt. Das Gericht ließ eine Revision nicht zu.

Das sagt Telefónica

Von Telefónica heißt es auf SPIEGEL-Nachfrage, man werde die Begründung des Urteils genau prüfen, sobald sie dem Unternehmen vorliege. Weiter heißt es zur Urteilverkündung: "Das OLG hat die Rechtmäßigkeit unserer Kündigung der Sim-Karten bestätigt und damit die Entscheidung des Landgerichts insoweit revidiert."

Außerdem habe das OLG die Schadenersatzforderung des Kunden abgelehnt. "Zwar hat das Oberlandesgericht entschieden, dass wir dem Kunden die Gutschriften auszahlen müssen, dies steht aber nicht unserer Auffassung entgegen, dass der konkreten Forderung missbräuchliches Verhalten zu Grunde liegt, da die Gutschriften durch Eigenanrufe über Wahlwiederholungs-Apps selbst generiert wurden."

Auf die "mögliche missbräuchliche Nutzung des Klägers" habe das Gericht ausdrücklich hingewiesen, so Telefónica: Aus rein verfahrensrechtlichen Gründen habe es darüber aber nicht entscheiden müssen.

mik/mbö/dpa
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