Debatte über Klimaschutz Easyjet will CO2-Ausstoß seiner Flugzeuge ausgleichen

Der öffentliche Druck ist groß: Die europäischen Fluggesellschaften suchen nach Wegen für mehr Klimaschutz. Die Erhöhung der Luftverkehrsteuer lehnen sie ab. Jetzt hat Easyjet eigene Pläne vorgestellt.
Flugzeuge der britischen Airline EasyJet am Flughafen Berlin-Tegel: Knapp 30 Millionen Euro für Umweltprojekte

Flugzeuge der britischen Airline EasyJet am Flughafen Berlin-Tegel: Knapp 30 Millionen Euro für Umweltprojekte

Foto: Arne Immanuel Bänsch / DPA

Der Billigflieger Easyjet will künftig den CO2-Ausstoß seiner Flugzeugflotte vollständig mit Klimaschutzprojekten ausgleichen. Man sei von nun an die weltweit erste große Fluggesellschaft mit netto null Emissionen, sagte Airline-Chef Johan Lundgren bei der Vorstellung der Ergebnisse für das Jahr 2018/2019. Im laufenden Geschäftsjahr werde man für die Kompensation rund 25 Millionen Pfund (29,3 Millionen Euro) aufwenden.

Man sei sich dabei bewusst, dass der Ausgleich nur eine Übergangsmaßnahme sei, sagte Lundgren. Das Unternehmen werde die Entwicklung innovativer Technologien weiter unterstützen. Mit Airbus habe man eine entsprechende Grundsatzvereinbarung über ein Projekt getroffen, mit dem elektrische und hybride Flugzeuge für die Kurzstrecke ermöglicht werden sollen.

Gleichzeitig wandte sich Lundgren gegen Luftverkehrsteuern, wie sie Deutschland gerade mit dem Ziel eines besseren Umweltschutzes beschlossen hat. Sie machten den Luftverkehrssektor nicht sauberer, sondern verhinderten Investitionen in saubere Flugzeuge.

Lufthansa-Chef fordert Investitionen in grüne Treibstoffe

Deutliche Kritik an der Erhöhung der Luftverkehrsteuer kam auch von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Auf der Jahreskonferenz der Luftfahrtvereinigung IATA in Berlin sagte er, die zusätzliche Abgabe treffe vor allem einheimische Airlines, da sie nur auf deren Drehkreuzen wie Frankfurt anfalle - nicht aber auf internationalen Umsteigeflughäfen wie etwa Singapur.

Zudem dürfe es nicht sein, dass die Mehreinnahmen von geschätzt zwei Milliarden Euro pro Jahr in den allgemeinen Staatshaushalt eingingen, sagte Spohr. Stattdessen solle der Umwelt etwas "zurückgegeben" werden: "Nehmen wir das Geld und kaufen damit nachhaltige Flugzeugtreibstoffe. Deutschland könnte zum Vorbild für andere Länder werden." Auch Verarbeitungsanlagen für synthetische Kraftstoffe könnten mit den zusätzlichen Geldern finanziert werden, so Spohr.

Tatsächlich sollen mit den Einnahmen aus der Steuer unter anderem Regionalflughäfen subventioniert werden. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem Beschluss des Haushaltsausschusses hervor. Demnach sollen bereits im kommenden Jahr 20 Millionen Euro an diese Airports fließen, mittelfristig sollen es 50 Millionen Euro sein. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Weltluftfahrtverband IATA generelle Kritik an der deutschen Politik übt. Schlechte Rahmenbedingungen schränkten die Wettbewerbsfähigkeit ein und hemmten das Wachstum der Branche.

"Bei der Infrastruktur hinkt Deutschland mit Kapazitätsengpässen bei Start- und Landebahnen und Terminals hinterher", hieß es in einem Papier des Verbands, das der "Frankfurter Allgemeinen"  vorab vorlag. So sei der Frankfurter Flughafen in Spitzenzeiten bereits voll ausgelastet.

Aus Sicht der IATA sind die Steuern und Gebühren für den Flugverkehr in Deutschland schon jetzt zu hoch. Im Durchschnitt summierten sie sich hinter Großbritannien auf den zweithöchsten Wert je Passagier in Europa. Weltweit gehöre Deutschland zum oberen Drittel der teuersten Länder (111 von 148). Die Erhöhung der Luftverkehrsteuer 2020 sei hier noch nicht mit eingerechnet.

jki/clh/rei/dpa
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