Stillstand in der Coronakrise Easyjets erster Jahresverlust fällt massiv aus

Erstmals in der 25-jährigen Unternehmensgeschichte schreibt der Billigflieger Easyjet rote Zahlen: rund 900 Millionen Euro. Wie es weitergeht, wagt Konzernchef Lundgren nicht vorherzusagen.
Easyjet-Flieger in Genf (Archivbild): Fast ein Drittel des Personals musste gehen

Easyjet-Flieger in Genf (Archivbild): Fast ein Drittel des Personals musste gehen

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Die Coronakrise hat die britische Billigfluglinie Easyjet im abgelaufenen Geschäftsjahr tief in die roten Zahlen gerissen. Für die zwölf Monate bis Ende September stehe vor Steuern voraussichtlich ein um Sonderposten bereinigter Verlust von 815 bis 845 Millionen britischen Pfund (895 bis 928 Millionen Euro), teilte das Unternehmen mit. Hinzu kämen weitere Belastungen etwa durch Abschreibungen, das eingeleitete Sanierungsprogramm und den Wertverlust bei Geschäften zur Treibstoffpreissicherung.

Die Zahl der Passagiere sank um 50 Prozent auf 48 Millionen, wie Easyjet weiter mitteilte. Wie andere Fluggesellschaften auch musste die Airline ihren Betrieb im Frühjahr wegen der coronabedingten Beschränkungen einstellen. Sie legte ihre Flotte am 30. März still.

Zu einer Prognose für das neue Geschäftsjahr, das Anfang Oktober begonnen hat, sieht sich Easyjet-Chef Johan Lundgren angesichts der unsicheren Geschäftsaussichten und der schwachen Ticketnachfrage infolge der Pandemie nicht in der Lage. Im laufenden Quartal bis Ende Dezember dürfte das Unternehmen nur rund ein Viertel seines üblichen Flugprogramms anbieten, hieß es.

Verwaltungsrat rät von Dividende ab

Angesichts der angespannten Finanzlage rät der Verwaltungsrat davon ab, für das abgelaufene Jahr eine Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Ende September verfügte die Airline über Barreserven von rund 2,3 Milliarden Pfund und saß auf einem Schuldenberg von 1,1 Milliarden Pfund. Wenn notwendig, will das Management weitere Finanzmittel besorgen und möglicherweise noch mehr Flugzeuge verkaufen und zurück mieten.

Seit dem 15. Juni fliegt Easyjet wieder, allerdings mit stark reduziertem Flugplan. Auch in den Monaten Oktober bis Dezember wird die Kapazität dem Unternehmen zufolge nur etwa 25 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen. Das Unternehmen hat angekündigt, fast ein Drittel der Stellen zu streichen, das entspricht rund 4500 Jobs.

dab/dpa/AFP