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Ebay: Die spannendsten Auktionen der letzten 20 Jahre

Foto: John G. Mabanglo/ dpa

Ebay wird 20 Ein Geschäftsmodell zerschellt an der Wirklichkeit

Das Online-Auktionshaus Ebay wird 20 Jahre alt - und irgendwie ist die Luft raus. Unseren Autor wundert das überhaupt nicht: Was kann Ebay schon bieten, außer unnötiger Aufregung?

Zu Ebay führte mich mein Wunsch, von Billy wegzukommen. Ganz beseelt von der Aussicht, mit dem ersten festen Job ein auf Dauer gesichertes Einkommen zu haben, hatte ich die inzwischen angegraute Bücherecke gleich mit einem Regal von Dieter Rams aufhübschen wollen. Ein echter Designklassiker aus den Siebzigerjahren und wirklich teuer. Für zwei Einheiten, die die Bücher meiner Ikea-Regale (Kosten: knapp 100 Euro) hätten aufnehmen können, verlangte der Händler rund 2000 Euro. Für mich: vollkommen illusorisch. Ein Freund riet mir, es bei Ebay zu versuchen.

Die Auswahl war groß: gebraucht, von normalen Händlern - und als Schnäppchen von Anbietern, die offenbar irgendwo Restposten aufgekauft hatten. Bei zwei Angeboten versuchte ich mein Glück - und wurde im letzten Moment überboten. Irgendeine Resterampe schickte dann ein eher Dritte-Wahl-Exemplar mit falschen Seitenteilen und Beulen in den Regalböden aus Metall. Immerhin klappte die Rückabwicklung, wenn auch nach einigem Hin und Her.

Seitdem haben die angegrauten Billy noch zwei weitere Umzüge überstanden und versehen ihren Dienst - vollkommen unauffällig.

Schon blöd für Ebay, dass mir diese Episode sofort ins Gedächtnis kommt, sobald von dem Auktionshaus die Rede ist. Der erste Eindruck setzt eben meist die Maßstäbe und ist nur schwer zu ändern. Ich schaue zwar immer wieder mal auf der Website vorbei, aber ein Stammkunde werde ich wohl nicht mehr.

Die meisten nutzen den "sofort kaufen"-Knopf

Ein Grund dafür: Mir fehlt offensichtlich die Chuzpe, um im Kampf für das beste Gebot die Oberhand zu behalten - anders als einem Bekannten von mir. Der sucht sich regelmäßig Auktionen raus, die Sonntags spät in der Nacht enden. Und überbietet die Konkurrenten dann in letzter Sekunde um Minibeträge. Einmal, so berichtete er mir, habe er sogar mit nur einem Cent Vorsprung gewonnen.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Ich brauche diese Aufregung nicht. Mir genügen freundliche Beratung, ein fairer Preis und die Möglichkeit, noch einmal miteinander zu sprechen, wenn am Ende etwas nicht passt. Ganz gleich, ob ich in einen Laden gehe oder etwas im Internet kaufe. Bei Ebay geht das natürlich auch - aber nur wenn der Verkäufer die "Sofort-Kaufen"-Option anbietet. Aber das ist ja überhaupt nicht das, was Ebay eigentlich ausmacht.

Wenn es nur mir so ginge, wäre das für Ebay kein Problem. Doch Studien der US-Universität Stanford haben ergeben, dass inzwischen eine große Mehrheit das Spiel mit den Geboten meidet. Wählten im Jahr 2005 noch 80 Prozent die Auktion und 20 Prozent den festen Preis, so ist es inzwischen fast umgekehrt, wenn man jene dazuzählt, die den Verkäufern einen eigenen Preisvorschlag schicken (s. Grafik).

Dabei gibt es aus Sicht von überzeugten Marktliberalen keine bessere Lösung für Geschäfte als die Auktion. Nirgendwo sonst führen Angebot und Nachfrage zu einem gerechteren Preis. Doch die Ökonomen haben dabei nur rational denkende Marktteilnehmer im Blick, die frei von Emotionen entscheiden.

Emotionen verfälschen Theorien

Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Die gab Ebay vielleicht noch am ehesten in einer Werbekampagne wieder: Dort ballen Menschen mit aufgerissenen Augen die Fäuste vor Bildschirmen, während sie die letzten Sekunden der Auktion verfolgen - um dann aufzuspringen und jubelnd umherzuhüpfen, wenn sie den Zuschlag erhalten haben. Ausbrüche dieser Art habe ich tatsächlich - nicht ganz so ausgeprägt - bei einem Freund beobachtet. Er verehrt die Trompete, die er damals ersteigert hat, noch heute als wäre es eine von Miles Davis.

Emotionen aber sind es, die die Bieter regelmäßig zu irrationalen Geboten veranlassen. Ökonomen, die den Menschen als Menschen akzeptieren, haben das Phänomen untersucht und nennen es "Overbidding". Sie haben untersucht, was konkret passiert, wenn man quasi Auktionsfieber bekommt: Selbst wenn auf der gleichen Seite derselbe Artikel billiger angeboten wird, nimmt man das nicht mehr wahr. Ich weiß es: Mir würde das auch passieren. Deshalb wohl habe ich immer zu wenig geboten.

Dieses Unbehagen aber ist schlecht für das Geschäftsmodell von Ebay. Ein normales Internet-Kaufhaus, das kann der fast gleichaltrige Konkurrent Amazon besser. Und auf der Suche nach Trödel und originellen Einzelstücken schlendere ich persönlich lieber über den Flohmarkt.

Selbst die Schnäppchenpreise für Restposten aus Lagerauflösungen lassen mich schon lange kalt. Solche Sachen kaufe ich lieber von jemandem, den ich persönlich treffen kann. Nur dann kann ich nämlich prüfen, ob ich ihm vertrauen kann.

Was also kann Ebay mir bieten?