EC-Karten-Betrug Großbanken mussten jeden dritten Automaten auswechseln

Fast 190.000 Geheimnummern haben Betrüger an Geldautomaten ausgespäht  und die Konten von Verbrauchern leergeräumt. Für deutsche Großbanken wird der Datenklau teuer: Laut einem Zeitungsbericht mussten sie 2010 ein Drittel ihrer Cash-Maschinen austauschen - wegen Sicherheitsproblemen.
Gefälschtes Tastenfeld: Fast 200.000 Geheimnummern ausgespäht

Gefälschtes Tastenfeld: Fast 200.000 Geheimnummern ausgespäht

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Hamburg - Der Betrug mit gefälschten EC-Karten wird für Deutschlands Banken zu einem teuren Problem: Laut "Financial Times Deutschland" mussten die großen Privatbanken 2010 einen beträchtlichen Teil ihrer Geldautomaten austauschen, weil diese zu leicht manipulierbar waren.

Insgesamt seien rund 2500 Automaten betroffen gewesen. Das entspricht rund einem Drittel der rund 9000 Automaten, die die Banken der sogenannten Cash Group betreiben. Diese umfasst die größten Privatbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank. Für andere Cash-Maschinen, wie die rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen, lagen zunächst keine Erhebungen vor, wie viele Automaten ausgetauscht worden sind.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) nimmt das sogenannte Skimming stark zu. Täter montieren dabei Kameras und Tastatur-Attrappen an Geldautomaten, um an die Geheimnummern von Kunden zu kommen. In anderen Fällen überstülpen die Betrüger den Kartenschlitz mit einem Lesegerät, das die EC-Karte ausliest. Danach setzen sie sich meist ins Ausland ab, erstellen gefälschte EC-Karten und räumen die Konten ausgespähter Verbraucher leer.

Laut BKA manipulierten die Täter im vergangenen Jahr knapp 3200-mal Geldautomaten - eine Zunahme um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 190.000 Bankkunden seien von den Betrugsfällen betroffen gewesen, 300.000 Karten seien vorsorglich gesperrt worden. Insgesamt entstand durch den Einsatz gefälschter Bankkarten ein geschätzter Schaden von rund 60 Millionen Euro.

Die ausgetauschten Automaten sollen laut "FTD" allesamt von Wincor Nixdorf stammen. Der Automatenhersteller hatte jüngst seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung schockiert. Wincor Nixdorf wollte den Bericht nicht kommentieren.

Tabuthema Skimming

Die Bankenbranche ergreift immer neue Maßnahmen, um Betrug am Geldautomaten einzudämmen. So montierte die Deutsche Bank zuletzt an ihren Filialen die automatischen Türöffner ab, durch die Kunden ihre Karte schieben mussten, wenn sie außerhalb der Öffnungszeiten kamen.

Einen Befreiungsschlag erhoffte sich die Branche auch von einem sogenannten EMV-Chip, der das Geldabheben mit gefälschten Karten verhindern soll. Diese Technik funktioniert allerdings nur in Europa. Um die Sicherheitsschranke zu umgehen, brauchen Skimmer-Banden nur Helfer außerhalb Europas anzuheuern.

Dennoch scheinen die Maßnahmen der Banken allmählich Wirkung zu zeigen. Laut BKA ist die Zahl der Attacken im zweiten Halbjahr 2010 zurückgegangen. Auch in den ersten Monaten des Jahres 2011 war die Zahl rückläufig.

Problematisch sehen Kritiker dagegen den Umgang der Banken mit dem Thema Skimming. Aus Angst, die Kunden zu verunsichern, geben sich die meisten Institute verschlossen. Die Deutsche Bank zum Beispiel wollte einen kostspieligen Austausch von 1200 Geldautomaten im vergangenen Jahr gegenüber der "FTD" nicht kommentieren.

Wie Kunden sich wehren können

Die Täter erweitern zudem ihr Betätigungsfeld. Laut BKA wurden 2010 erstmals auch an Tankautomaten und Fahrkartenautomaten der Bahn Daten abgegriffen. Ein lohnenswertes Geschäft: Mit Daten aus einer einzigen Tanksäule in Nordrhein-Westfalen hätten sie 600.000 Euro Beute gemacht.

Kunden können sich gegen Betrugsversuche allerdings wehren - vor allem durch Achtsamkeit. Vor allem an Bahnhöfen und in Fußgängerzonen sollten sie aufpassen und nach Mini-Kameras oder kleinen Löchern am Geldautomaten suchen. In jedem Fall sei es sinnvoll, bei der PIN-Eingabe mit der anderen Hand die Tastatur abzudecken, empfiehlt Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer der Euro-Kartensysteme.

ssu