Boom im Corona-Jahr Einzelhandel verzeichnet größtes Umsatzplus seit 1994

Das Onlinegeschäft brummt – um 31,8 Prozent legte es 2020 zu, auch Supermärkte profitierten von der Pandemie. Damit zieht der Einzelhandel eine überraschend positive Bilanz für das abgelaufene Jahr.
Paket- und Internethandel boomt: Zuwachs von 31,8 Prozent in 2020

Paket- und Internethandel boomt: Zuwachs von 31,8 Prozent in 2020

Foto: Sven Simon / imago images

Rekord-Umsatzplus für die deutschen Einzelhändler: Trotz Coronakrise nahmen sie im vergangenen Jahr voraussichtlich 5,3 Prozent mehr ein als 2019, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag schätzte. Das ist das kräftigste Plus seit Beginn dieser Statistik 1994 und bereits das elfte Wachstumsjahr in Folge. Preisbereinigt gab es ebenfalls ein Plus, und zwar von 4,1 Prozent. Diese Schätzungen berücksichtigen den Lockdown in der zweiten Dezemberhälfte und die Einzelhandelsumsätze für die Monate Januar bis November 2020.

»Die herben Verluste vieler Innenstadthändler werden durch gute Geschäfte in den Bereichen Online, Lebensmittel und Möbel ausgeglichen«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth. Während die Umsätze der Versand- und Internethändler in der Jahresfrist real um 31,8 Prozent zulegten, mussten die Textilanbieter mit einem Minderumsatz von 20 Prozent zurechtkommen. Von den im November noch erlaubten Geschäftsöffnungen profitierten sie offensichtlich weniger als erhofft. Einen Umsatzsprung von 8,5 Prozent schaffte auch der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art – wozu Supermärkte und Warenhäuser gehören.

Novembergeschäft glänzend

Noch besser als im Jahresdurchschnitt schnitt der Einzelhandel im November ab: Mit einem durchschnittlichen Umsatzzuwachs von preisbereinigten 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat liefen die Geschäfte glänzend. Einschließlich der Preiserhöhungen hatten die Händler sogar 6,5 Prozent mehr Geld in ihren Kassen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag berichtete.

Besonders gefragt waren bei den Kunden Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf mit einem Zuwachs von 15,4 Prozent. Der Umsatz von Lebensmitteln und Getränken legte im November lediglich um 0,8 Prozent zu, wuchs aber im Zeitraum Januar bis November um 5,1 Prozent.

»Katastrophenjahr für den Modehandel«

Viele andere Einzelhändler wurden dagegen von der Coronakrise kalt erwischt: So brach der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren von Januar bis November um 21,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum ein. Textilwaren- und Kaufhäuser verzeichneten Einbußen von 8,9 Prozent. »Für viele Modehändler war 2020 ein echtes Katastrophenjahr«, sagte Genth. »Wenn die Bundesregierung hier nicht rasch bei der staatlichen Unterstützung nachbessert, werden wir eine nie gesehene Pleitewelle erleben.«

Nur wenig Impuls für die Kauflaune der Verbraucher kam von der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer. Das habe zwar 6,3 Milliarden Euro an zusätzlichem Konsum gebracht, ergab eine Untersuchung des Ifo-Instituts. Umfragen legten aber nahe, dass damit das erklärte Ziel des Staates nicht erreicht worden sei, Bürger zu größeren Anschaffungen zu bewegen. Die Bundesregierung senkte den Satz von Juli bis Ende 2020 vorübergehend von 19 auf 16 Prozent, um Konsum und Wirtschaft in der Coronakrise anzukurbeln.

Weihnachtsgeschäft dank Black Friday gut angelaufen

Das wichtige Weihnachtsgeschäft lief für die Branche überraschend gut an. Im November, der von Aktionstagen wie Black Friday geprägt ist, kletterte der Umsatz real um 1,9 Prozent zum Vormonat. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Minus von 2,0 Prozent gerechnet. Das unerwartet gute Abschneiden spricht dafür, dass der private Konsum auch im abgelaufenen vierten Quartal die Konjunktur stabilisiert und einen größeren Einbruch aufgrund des Lockdowns verhindert hat.

caw/Reuters/dpa-AFX
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.