Boom bei Onlinebestellungen Einzelhandel wächst 2018 zum neunten Mal in Folge

Die Kauflaune der Verbraucher hat die Geschäfte des deutschen Einzelhandels erneut angetrieben. Allerdings profitieren nicht alle Händler.
Passanten in Fußgängerzone in Freiburg (im Dezember 2018)

Passanten in Fußgängerzone in Freiburg (im Dezember 2018)

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Die deutschen Einzelhändler haben das neunte Jahr hintereinander mit einem Umsatzplus abgeschlossen. Die Branche profitierte von den Lohn- und Beschäftigungszuwächsen im Land, die die Kaufkraft vieler Verbraucher stärkten. Die Erlöse kletterten 2018 schätzungsweise zwischen 3,1 und 3,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahlen basieren auf den Daten für die ersten elf Monate.

2017 hatte das Plus bei 4,3 Prozent gelegen, 2016 bei 2,9 Prozent. Real, also bereinigt um die Inflation, betrug das Wachstum im vergangenen Jahr voraussichtlich knapp 1,5 Prozent.

Einen besonders hohen Zuwachs gab es im Internet- und Versandhandel. Er legte in den ersten elf Monaten 2018 um 6,2 Prozent zu. In Apotheken sowie im Geschäft mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten fiel das Plus mit 4,1 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich aus. Dagegen schrumpfte der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren um 1,7 Prozent.

Neben dem Onlinehandel profitieren dem Branchenverband HDE zufolge vor allem große Handelshäuser von der Kauflust der Menschen. Viele kleine Händler dagegen erzielen kaum Zuwächse. Experten machen dafür auch ihren Rückstand beim Onlinehandel verantwortlich.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für den Einzelhandel sind gut. Im vergangenen Jahr trieben höhere Einkommen und die Rekordbeschäftigung den privaten Konsum an. So stiegen die Tarifverdienste im abgelaufenen Jahr mit 2,8 Prozent schneller als die Preise mit 1,9 Prozent. Zudem erreichte die Zahl der Beschäftigten mit 44,8 Millionen ein Rekordhoch. Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute sagen für das laufende Jahr einen weiteren Beschäftigungszuwachs bei steigenden Löhnen voraus. Das sind gute Voraussetzungen dafür, dass der Einzelhandel seinen Aufwärtstrend fortsetzt.

Einen Umsatzrückgang im Einzelhandel gab es zuletzt im Krisenjahr 2009, als die weltweite Finanzkrise auf die Kauflaune durchschlug.

Forscher rechnen mit anhaltend guter Konsumlaune

Die Ausgaben der Verbraucher sind eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Nach Angaben des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK liegt der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt bei etwa 55 Prozent.

Zwar sank der Konjunkturoptimismus der Verbraucher zuletzt - bedingt durch die Handelskonflikte der USA mit China und Europa sowie den bevorstehenden Brexit. Da der deutsche Arbeitsmarkt aber weiter boomt, hat das offenbar kaum Auswirkungen auf die persönlichen Erwartungen. Die Kauflaune war zum Jahresende laut GfK trotz eines Rückgangs weiterhin sehr hoch.

Die deutsche Industrie musste erstmals seit drei Monaten einen Dämpfer beim Auftragseingang hinnehmen. Im November sanken die Bestellungen im Monatsvergleich um ein Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ausschlaggebend war ein starker Order-Rückgang aus der Eurozone. Das Bundeswirtschaftsministerium geht angesichts des insgesamt hohen Auftragsbestands in Unternehmen aber davon aus, dass die Industriekonjunktur wieder zulegt.

mmq/Reuters/dpa
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