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16. Oktober 2014, 11:32 Uhr

Social Freezing

Arbeitgeber und Gewerkschafter kritisieren Eizellen-Initiative

Apple und Facebook bieten ihren Mitarbeiterinnen an, das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen - in Deutschland löst das heftige Kritik aus. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind sich da ausnahmsweise einig.

Berlin - Arbeitgeber und Gewerkschaften in Deutschland haben auf das Angebot von Facebook und Apple , ihren US-Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen, mit großer Skepsis reagiert.

"Die deutschen Arbeitgeber mischen sich nicht in die Familienplanung von Arbeitnehmern ein", sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) der "Süddeutschen Zeitung"("SZ"). Ein Kinderwunsch sei "eine persönliche Entscheidung, auf die der Arbeitgeber keinen Einfluss nimmt". Ziel der Betriebe bleibe aber, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch familienfreundliche Angebote zu erleichtern.

DGB-Vize Elke Hannack formulierte es noch drastischer: "Geht's noch?", griff sie die Unternehmen in der "SZ" an. "Familienpolitik sieht für uns anders aus." Man brauche keine Unternehmen, die ihren Mitarbeiterinnen die Entscheidung für oder gegen Kinder "schwer machen und vorgaukeln, sie könne auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden". Nötig seien Arbeitgeber, die mit flexiblen Arbeitszeitmodellen Mut machten, eine Familie zu gründen.


Wie Social Freezing medizinisch funktioniert und welche Tücken es hat, lesen Sie hier.


Apple und Facebook verstehen ihr Angebot als Hilfe bei der Karriere- und Lebensplanung. Damit könnten Frauen den Kinderwunsch aufschieben und sich in jungen Jahren auf ihre Karriere konzentrieren. Der iPhone-Konzern und das weltgrößte soziale Netzwerk betonen zugleich, die Maßnahme sei lediglich ein Teil ihrer Sozialleistungen für Frauen und Familien.

Ob die "kontrollierte Vertagung" der Familiengründung bewusst in den Medien gestreut wurde, ist unklar. So oder so haben Apple und Facebook eine hitzige Debatte über Familie und Karriereplanung ausgelöst.

In den USA jedenfalls löst das Angebot wesentlich weniger gesellschaftliche Vorbehalte aus als in Deutschland. Apple und Facebook profitieren zwar davon, dass weniger Mitarbeiterinnen im fruchtbaren Alter schwanger werden und so als Arbeitskräfte ausfallen - trotzdem gelten sie im Vergleich zu anderen US-Unternehmen eher als familienfreundlich, denn ihre Leistungen gehen zum Teil weit über die gesetzlichen Mindestbestimmungen hinaus.

Betriebskindergärten etwa sind in beiden Firmen schon lange eine Selbstverständlichkeit. Und frischgebackene Mütter können 18 beziehungsweise 16 Wochen bezahlte Elternzeit nehmen, Väter etwas weniger. Facebook überweist darüber hinaus auch noch 4000 Dollar Kinderprämie.

mik

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