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06. Juli 2015, 23:28 Uhr

Ela-Notkredite

EZB verschärft Regeln für griechische Banken

Die Europäische Zentralbank gewährt den griechischen Geldhäusern weiter Nothilfe, allerdings zu härteren Bedingungen. Ein klarer Warnschuss an die Institute - und an die Regierung in Athen.

Die EZB hält den Umfang ihrer sogenannten Ela-Notkredite für die griechischen Banken aufrecht, es geht um knapp 90 Milliarden Euro. Allerdings verschärfen die Währungshüter die Anforderungen an die Sicherheiten, welche die griechischen Banken für diese Kredite hinterlegen müssen. Dies teilte die EZB am Montagabend mit.

Bei den Sicherheiten handelt es sich in der Regel um griechische Staatsanleihen. Je wahrscheinlicher ein Staatsbankrott wird, desto weniger sind diese Anleihen als Sicherheit wert. Genau dies ist nach dem griechischen Referendum von Sonntag der Fall. Um eine bestimmte Kreditsumme X zu bekommen, muss eine Bank nun also mehr Anleihen hinterlegen als zuvor.

Dies muss im konkreten Fall aber noch keine akute Verknappung der Ela-Kredite an die griechischen Banken bedeuten. Denn die Banken haben noch genügend Staatspapiere, die sie hinterlegen können.

Gleichwohl ist die Ankündigung der EZB eine Art Warnschuss. Denn die griechischen Geldinstitute werden nun zunächst nicht wieder öffnen können. So erhöht die EZB den Druck auf die Regierung in Athen, rasch eine Einigung mit den Europartnern zu erzielen.

Angesichts der hohen Unsicherheit haben bereits viele Griechen ihr Geld von den Banken abgehoben. Die griechische Regierung hatte deshalb schon vor der Entscheidung der EZB die Verlängerung der Kapitalverkehrskontrollen beschlossen. Damit bleiben die Banken noch bis mindestens Mittwoch geschlossen.

Der griechische Premier Alexis Tsipras hat nach Angaben aus Athen am Montagabend mit EZB-Präsident Mario Draghi telefoniert. Dabei habe er betont, dass er die Kapitalverkehrskontrollen bald wieder aufheben wolle.

Auch mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, telefonierte Tsipras am Montag. Nach Angaben eines IWF-Sprechers ging es dabei um "den Ausgang des Referendums und die jüngsten Entwicklungen in Griechenland". Dabei habe Lagarde erläutert, dass der Währungsfonds wegen des griechischen Rückstands bei der Schuldentilgung derzeit keine neuen Finanzhilfen geben könne. Die IWF-Chefin habe aber "technische Unterstützung" angeboten, wenn dies von Athen gewünscht sei.

wal/stk/Reuters/dpa

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