Boom der E-Fahrzeuge Autolobby fordert 2000 neue Ladepunkte pro Woche

Der Verkauf von Elektroautos boomt, der Ausbau des Ladenetzes kommt kaum hinterher. Nun verlangt die Autoindustrie eine Verzehnfachung des Ausbautempos – sonst drohe die E-Offensive zu scheitern.
Ladenetz in Deutschland: Auf eine Säule kommen 13 E-Autos

Ladenetz in Deutschland: Auf eine Säule kommen 13 E-Autos

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Elektroautos boomen – auch in Deutschland. Doch für die Zigtausend neu verkauften Fahrzeuge gibt es nach Ansicht der Autokonzerne bei Weitem nicht genügend Stromtankstellen. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), fordert deshalb einen rasanten Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Um bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte aufzustellen, wie die Bundesregierung es plant, "bräuchten wir ab sofort 2000 neue Ladepunkte pro Woche", sagte Müller dem SPIEGEL. "Das ist das Zehnfache dessen, was derzeit errichtet wird."

Aktuell werden in Deutschland laut VDA mehr als 12.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride pro Woche neu zugelassen, aber nur 200 weitere Ladepunkte installiert. Die Folge: Eine öffentliche Ladesäule komme momentan auf etwa 13 E-Autos, so Müller. An Ostern 2021 werden sich nach VDA-Prognosen bereits 20 E-Fahrzeuge eine Säule teilen müssen.

Gegenüber der Politik schlage sie deshalb Alarm, erklärt Müller: "Wenn es so weiter geht wie bisher, wird sich die E-Mobilität nicht in der Breite durchsetzen können." Man könne die Menschen nicht zwingen, Elektroautos zu kaufen, wenn sie die nicht überall aufladen könnten. Diese Botschaft will Müller auch der Kanzlerin beim Autogipfel am 17. November übermitteln.

VDA fordert groß angelegten Ladegipfel

Die Politik müsse außerdem Planungsverfahren vereinfachen sowie den Ladestrom von der Erneuerbare-Energien-Umlage befreien, damit er billiger wird. Allerdings sei nicht nur die Bundesregierung in der Pflicht, sagt Müller, sondern auch die Bürgermeister. "Jede Kommune braucht jetzt einen verbindlichen Umsetzungsplan, den sie konsequent vorantreiben muss."

Um das alles zu ermöglichen, fordert Müller einen Ladegipfel mit der Autoindustrie, den Mineralöl- und Energiekonzernen, dem Einzelhandel, den Parkhausbetreibern, der Wohnungswirtschaft, mit Vertretern der Bundespolitik und der Kommunen. "Nur wenn alle mitziehen", so die VDA-Präsidentin, "kann es gelingen, die großen Lücken im Ladenetz endlich zu schließen."

Kürzlich hatte der VDA beschlossen, sich offiziell zu den Pariser Klimazielen für 2050 zu bekennen. Außerdem wollen BMW, Daimler, Volkswagen & Co. die schärferen CO2-Vorgaben der EU erfüllen, stellen jedoch Bedingungen, die dafür erforderlich seien.

DER SPIEGEL 46/2020
Foto: SAMSON; Edel Rodriguez / DER SPIEGEL

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