Aggressiver Hedgefonds Bayer droht Ärger mit Großinvestor

US-Milliardär Paul Singer hat mit seinen Hedgefonds bereits etlichen Firmen zugesetzt - jetzt legt er seine Beteiligung bei Bayer offen. Noch gibt er sich kooperativ, doch das könnte sich ändern.

Bayer-Zentrale in Leverkusen: Nicht zu unterschätzender Einfluss
Oliver Berg/ DPA

Bayer-Zentrale in Leverkusen: Nicht zu unterschätzender Einfluss


Der für seine aggressive Einmischung bekannte Hedgefonds-Investor Elliott aus dem Imperium des US-Milliardärs Paul Singer hat seinen Einstieg beim Dax-Unternehmen Bayer öffentlich gemacht. Elliott sei mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro am Leverkusener Agrar- und Chemiekonzern beteiligt, teilte der Hedgefonds am Mittwochabend mit. Angesichts eines Börsenwerts von zuletzt rund 54 Milliarden Euro fällt dies zwar nicht sonderlich ins Gewicht, doch Elliotts Einfluss sollte nicht unterschätzt werden.

Singer ist bekannt dafür, mit aggressiven Methoden seinen Willen durchzusetzen. Seine Fonds sind berüchtigt wegen Spekulationen gegen angeschlagene Firmen und Staaten. Ob bei der Absetzung des früheren Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld beim US-Konzern Arconic oder bei gerichtlichen Auseinandersetzungen um Anleihen von Krisenländern wie Griechenland oder Argentinien - Singer mischte in den vergangenen Jahren öfters mit rabiaten Mitteln mit. Allerdings zetteln seine Fonds längst nicht überall, wo sie einsteigen, Aktionärsrevolten und Prozesse an.

Bei Bayer zeigt sich der Hedgefonds zunächst von seiner freundlichen Seite und begrüßte die jüngsten Schritte zur Bewältigung der US-Klagewelle gegen Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Elliott sei zuversichtlich, dass die Bildung eines Sonderausschusses der richtige Weg sei, die Probleme zu lösen. Bayer hat schon drei Gerichtsverfahren verloren, in denen es um angebliche Krebsgefahr von Glyphosat-Produkten der US-Tochter Monsanto geht. Der Konzern ist mit rund 13.400 weiteren Klägern konfrontiert.

Forderung nach einer Aufspaltung

Im letzten Teil von Elliotts Statement verbirgt sich allerdings auch eine Formulierung, die durchaus Brisanz enthalten könnte. Dort fordert der Investor langfristig mehr Rendite und deutet auch an, wie diese zu bekommen sein könnte. "Elliott ist der Ansicht, dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt". Was verklausuliert klingt, ließe sich durchaus als Forderung nach einer Aufspaltung des Unternehmens interpretieren.

Das käme auch wenig überraschend, auf eine Zerlegung des Konzerns in seine Einzelteile drängen einige Investoren hinter den Kulissen offenbar schon länger. Bereits Ende 2018 hatte es Spekulationen gegeben, dass Singers Hedgefonds die treibende Kraft hinter der Initiative sein könnten.

Bayer-Chef Werner Baumann hatte eine Aufspaltung im Dezember entschieden abgelehnt. "An diesen Einwürfen beteiligen wir uns nicht", sagte er damals der "Börsen-Zeitung". Doch seitdem ist der Druck auf den Vorstand weiter gestiegen - die Glyphosat-Urteile in den USA haben den Börsenwert stark gedrückt.

mik/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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pjotrmorgen 27.06.2019
1. Da hilft nur eines
Grossaktionäre auszusprren und das Ende als AG. Gewinnausschüttungen könnte immer noch bei Organisation als eine Genossenschaft möglich sein. Die risiken der AGs wären minimiert, zumal langfristig gewirtschaftet werden kann und auch Arbeitsplätze bestens gesichert wäre. Diese Rechtsform halten wohl viele Neoliberale für Kommunismus, obwohl ganz normale Liberale Wirtschaft wäre.
AufzweiNeue 27.06.2019
2.
Aufspalten, auf jeden Fall. Filet-Stücke in ein Rumpf-Bayer, der Rest (das ehemalige Monsanto) in die Bad Bank. :-) :-) :-)
rjb26 27.06.2019
3. dad Investment
bekannt zu geben kann Sinn machen denn die US Justiz ist bei US Firmen ja deutlich zurückhaltender . Dir Klagen gegen Monsanto wurden ja auch erst gezogen als es wieder mal gegen Ei e deutsche Firma ging und die eigentlich Verantwortlichen sich mit 55 Mrd aus dem Staub gemacht haben.
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