Nasa-Auftrag für Mondmission Raumfahrtunternehmen Blue Origin beschwert sich über Vergabe an SpaceX

Elon Musks E-Auto-Firma Tesla meldet Rekordgewinne. Doch die großen Pläne seines Raketenunternehmens SpaceX will jetzt Raumfahrtkonkurrent Jeff Bezos mit einem eigenen Projekt durchkreuzen.
SpaceX-Gründer Elon Musk in Cape Canaveral, Florida: Rückkehr zum Mond?

SpaceX-Gründer Elon Musk in Cape Canaveral, Florida: Rückkehr zum Mond?

Foto: JOE SKIPPER / REUTERS

Das von Amazon-Gründer Jeff Bezos unterstützte US-Raumfahrtunternehmen Blue Origin geht gegen die Vergabe des Nasa-Auftrags für eine Mission zum Mond an den Rivalen SpaceX vor. »Die Nasa hat ein fehlerhaftes Auftragsvergabeverfahren für das Programm durchgeführt und die Anforderungen in letzter Minute verändert«, sagte Blue Origin zur Begründung des Widerspruchs beim US-Rechnungshof GOA (Government Accountability Office).

Das Vorgehen der US-Raumfahrtbehörde verhindere Wettbewerbsmöglichkeiten, enge die Angebote erheblich ein und verzögere nicht nur, sondern gefährde auch Amerikas Rückkehr zum Mond, schrieb Blue Origin in dem 50-seitigen Papier.

Die Nasa hatte dem Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Pionier Elon Musk, das vor wenigen Tagen erstmals ein Team mit einer gebrauchten Rakete zur Raumstation ISS beförderte, diesen Monat einen 2,9 Milliarden Dollar Auftrag zum Bau eines Raumfahrzeugs erteilt .

Das Raumfahrzeug soll erstmals seit 1972 wieder Astronauten zum Mond bringen. Musk selbst hatte erst diese Woche seine Mondambitionen für SpaceX betont. Es sei »zu lange her«, dass Menschen dort gewesen seien, sagte er. »Wir müssen dorthin zurückkehren.«

Mit dem Zuschlag setzte sich Musks Konzern gegen die Konkurrenten Blue Origin und dem Rüstungskonzern Dynetics durch. Blue Origin hatte sich auf das Projekt in Kooperation mit Lockheed Martin, Northrop Grumman und Draper beworben.

Auch bei Musks wohl bekanntester Firma, dem Elektroauto-Unternehmen Tesla, läuft es rund. Im ersten Quartal 2021 verdiente sie so viel wie noch nie. Der bereinigte Gewinn (Ebitda) stieg binnen Jahresfrist um 94 Prozent auf 1,84 Milliarden Dollar, wie der US-Konzern am Montag bekannt gab, der Umsatz um 74 Prozent auf knapp 10,4 Milliarden Dollar.

Wie stark leidet Tesla unter dem Chipmangel?

Trotz dieser überraschend guten Zahlen fiel die Tesla-Aktie nachbörslich um drei Prozent. »Höhere Umwelt-Zertifikate, niedrigere Steuern und Bitcoin-Verkäufe haben dem Ergebnis Auftrieb gegeben«, sagte Analyst Craig Irwin von Roth Capital Partners. Rechne man diese Faktoren heraus, habe Tesla die Erwartungen deutlich verfehlt.

Andere Experten erklärten, der Umsatz liege den Investoren zu nahe an den Vorhersagen von 10,3 Milliarden Dollar. Die Erlöse entsprächen damit faktisch nur den Erwartungen, sagte Jesse Cohen von Investing.com.

Durch den Verkauf von Emissionsrechten an andere Autobauer nahm Tesla 518 Millionen Dollar ein, ein Anstieg von 46 Prozent. Eine Zahlung von 299 Millionen Dollar an Konzernchef Elon Musk lastete auf den Nettogewinn. Der Gewinn je Aktie lag bei 93 Cent, an den Fertigungs- und Auslieferungszielen für die im Bau befindlichen Werke in Berlin-Brandenburg und Texas hält Tesla fest.

Musk hat nun Anspruch auf Milliarden

Der Konzern profitiert von der stark anziehenden Nachfrage nach Elektroautos in China. Allein im ersten Quartal lieferte das Unternehmen früheren Angaben zufolge mit 184.800 Fahrzeugen so viele Autos aus wie nie zuvor. Zugleich scheint Tesla weniger als viele andere Autobauer unter der derzeitigen Knappheit von Halbleitern zu leiden: Die Produktion lag im ersten Quartal in etwa auf dem Niveau des Vorquartals, während andere Hersteller mit Knappheit zu kämpfen hatten und Kurzarbeit anmelden mussten.

Wegen der starken Geschäfte hat Konzernchef Elon Musk nun Anspruch auf mehr als elf Milliarden Dollar. Durch das Ergebnis sicherte er sich seinen Anspruch auf die Auszahlung der fünften und sechsten von insgesamt zwölf vereinbarten Options-Tranchen. Jeder Tranche gibt dem Konzernchef das Recht, 8,4 Millionen Tesla-Aktien zu je 70 Dollar zu erwerben, ein Abschlag von mehr als 90 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Musk könnte die beiden Tranchen damit für fast sechs Milliarden Dollar einlösen. Der 49-jährige Manager bezieht kein Festgehalt. Bezahlt wird er ausschließlich in Form der abgesprochenen Optionen, sofern die Vorgaben erfüllt sind.

Mit einem Börsenwert von mehr als 700 Milliarden Dollar ist Tesla das sechst wertvollste börsennotierte Unternehmen in den USA. Tesla wird nicht nach Kriterien der Automobilindustrie bewertet, sondern nach denen großer Tech-Konzerne. Zwischen März 2020 und Ende Januar 2021 hat sich der Kurs der Tesla-Aktie auf rund 900 Dollar verzehnfacht. Zuletzt kosteten die Papiere 738 Dollar.

apr/Reuters
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