Übernahmepoker Elon Musk feilscht um Preis für Twitter

Elon Musk macht aus der geplanten Twitter-Übernahme eine Rabattschlacht. Er wolle noch mal über den Preis reden, verkündete der reichste Mensch der Welt. Begründung: Er misstraue den Angaben zu Fake-Accounts.
Twitter und Musk

Twitter und Musk

Foto: Andrea Ronchini / Pacific Press Agency / IMAGO

Erst kündigte er an, den Twitter-Deal auf Eis zu legen, nun rückt Elon Musk auch mit der Begründung raus: Er will noch mal über den Preis reden. »Man kann nicht den gleichen Preis für etwas zahlen, das viel schlechter ist als behauptet«, sagte der Tesla-Chef auf einer Konferenz in Miami.

Er beißt sich damit an dem Vorwurf fest, dass der Onlinedienst zu niedrige Zahlen von Fake-Accounts angebe – also Konten, hinter denen keine realen Menschen stehen.

Das Geschäft könne nicht weitergehen, bis Twitter-Chef Parag Agrawal beweise, dass solche Profile tatsächlich weniger als fünf Prozent der Nutzerbasis ausmachten, schrieb Musk am Dienstag bei Twitter. Er habe sein rund 44 Milliarden Dollar schweres Kaufangebot im Glauben an die Richtigkeit der offiziellen Angaben von Twitter gemacht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Twitter nannte die Schätzung von weniger als fünf Prozent Bot- und Fake-Accounts nicht nur im jüngsten Quartalsbericht – sondern operiert bereits seit Jahren mit dieser Zahl. Musk geht nach eigenen Angaben von mindestens 20 Prozent der Konten aus.

Twitter-Chef Parag Agrawal twitterte nun, die Zahl »liege weit unter fünf Prozent« der 229 Millionen Nutzer. Im Moment müssen Twitter-Nutzer bei der Anmeldung nicht ihre wirklichen Identitäten offenlegen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Musk rückt schon seit vergangenem Freitag die angeblichen falschen Angaben zu Fake- und Spam-Accounts in den Vordergrund. Da erklärte er den Deal deswegen für »vorläufig ausgesetzt« – während rechtlich fraglich ist, ob er die Vereinbarung mit Twitter überhaupt einseitig auf Eis legen kann. Und ob inkorrekte Angaben zur Zahl der Fake-Accounts wirklich als eine so gravierende Falschinformationen über das Twitter-Geschäft durchgehen, dass Musk die Konditionen des Deals ändern oder die Übernahme abblasen kann.

Auf Musks Äußerungen folgte der Kurssturz

Nach dem anschließenden Kurssturz der Twitter-Aktie brachte Musk dann am Montag ein niedrigeres Gebot ins Gespräch. Musk hatte sich mit dem Twitter-Verwaltungsrat auf eine Übernahme zum Preis von 54,20 Dollar je Aktie geeinigt. In den vorbörslichen US-Handel am Dienstag startete die Aktie nach Musks fortlaufenden Äußerungen nur noch bei 36,35 Dollar.

Auf der Konferenz erklärte der 50-Jährige nun, je mehr Fragen er bei Twitter stelle, desto größer würden seine Bedenken. Wie sei es möglich, dass Werbetreibende überhaupt wüssten, was sie genau für ihr Geld bekämen. »Das ist fundamental für die finanzielle Gesundheit von Twitter.«

Für den Erfolg des Übernahmeversuchs ist Musk darauf angewiesen, dass ihm genug Anteilseigner ihre Anteile abtreten wollen. Twitter und Musk wollten die Übernahme bislang bis Jahresende abschließen. Er kaufte in den vergangenen Monaten bereits einen Anteil von gut neun Prozent an Twitter an der Börse.

Der Chef des Elektroautoherstellers Tesla will Twitter von der Börse nehmen. Insidern zufolge hat er bei den Finanzierungsgesprächen mit Banken bereits erklärt, er wolle neue Wege finden, um mit Tweets Geld zu verdienen und die Managergehälter zu kürzen.

Mit Trump zur Meinungsfreiheit

Zugleich erklärte Musk, er wolle Twitter zu einem Hort der Meinungsfreiheit machen und auch den verbannten früheren US-Präsidenten Donald Trump wieder auf die Plattform lassen.

Sollte Musk bei der Twitter-Übernahme letztlich doch eine Kehrtwende vollziehen, muss er eine Strafgebühr in Höhe von einer Milliarde Dollar zahlen. Der US-Amerikaner kommt laut Forbes auf ein Vermögen von 265 Milliarden Dollar und gilt damit als reichster Mann der Welt.

mmq/Reuters/dpa
Mehr lesen über