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02. November 2018, 21:48 Uhr

Elon Musk zu Model-3-Problemen

"Tesla ist nicht mehr in der Todesangst-Situation"

Von manager-magazin.de-Redakteur

Nach Problemen in der Produktion des ersten günstigeren Tesla-Models sieht Firmengründer Elon Musk sein Unternehmen im Aufwärtstrend. Eine neue Geldspritze sei nicht nötig.

Tesla-Chef Elon Musk hat nach monatelangen Problemen mit der Model 3-Produktion seinen Optimismus wiedergefunden - auch wenn dieses Jahr "sehr schwierig" und "quälend" war: Diesen Eindruck erweckt der 47-jährige Unternehmer in einem Podcast des US-Technologieblogs "Recode".

Vor knapp einer Woche hatte Tesla zum ersten Mal seit zwei Jahren einen Quartalsgewinn bekanntgegeben und damit Analysten und Investoren überrascht. Die guten Zahlen nutzt Musk nun auch, um den Elektroauto-Hersteller nach langer Durststrecke wieder in ein positives Licht zu tauchen. Doch in dem rund 80-minütigen Interview mit der Tech-Journalistin Kara Swisher ging es nicht nur um nackte Zahlen. Musk äußerte sich auch zur Konkurrenz bei Roboterautos und seiner Twitter-Nutzung.

Das sind seine spannendsten Aussagen:

Die größten Probleme der Model 3-Produktion sind überwunden: "Man sollte nie selbstgefällig werden, also müssen wir weiter hart arbeiten. Aber ich denke, wir sind jetzt über den Berg", erklärte Musk. Es sei nun "kein großes Thema" mehr für Tesla, 5000 Model 3 pro Woche zu produzieren. Das sei nun Normalität. Jetzt arbeite Tesla daran, auf 6000 bis 7000 produzierte Stück pro Woche zu kommen und dabei gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle zu halten. Bis September habe Tesla um das Überleben gekämpft. "Ich fühle aber nun, dass wir nicht länger in dieser Dem-Tod-ins-Gesicht-starren-Situation sind", erklärte Musk.

Tesla ist finanziell stabil: Die Sorge vieler Analysten, dass Tesla bald das Geld ausgehen könnte, zerstreut Musk in dem Interview erneut. "Wie ich bereits früher in diesem Jahr sagte, glaube ich, dass wir in allen weiteren Quartalen einen positiven Cash-Flow haben werden", sagte Musk. Er glaube deshalb nicht, dass Tesla eine Kapitalspritze brauchen werde.

Kollektiver Kraftakt ermöglichte Teslas Überleben: Der Produktionsanlauf von Teslas Massenmodell Model 3 sei "quälend schwer" gewesen, erklärte Musk in dem Interview. Und das Überleben als Autohersteller ebenfalls. Tesla kämpfe gegen sehr wettbewerbsorientierte Autobauer. "Die machen sehr gute Autos. Die machen das seit langem. Die sind fest etabliert", so Musk. Es sei sehr schwer, als Start-up in diesem Bereich Erfolg zu haben. Das klappe nur durch "qualvolle Anstrengung" - nämlich durch "Hundert-Stunden-Arbeitswochen von jedem". Es habe keinen anderen Weg gegeben, das zu schaffen. Er selbst sei nun von bei 80 oder 90 Arbeitsstunden pro Woche von zuvor 120 angelangt - das sei "ziemlich machbar" für ihn.

Privatisierungspläne sind vom Tisch, aber: … Vor einigen Monaten sorgte Musk mit seiner Twitter-Ankündigung für Aufregung, Tesla von der Börse nehmen zu wollen. Seine Ankündigung, dass die Finanzierung gesichert sei, stellte sich letztlich als falsch heraus - er musste dafür eine Millionenstrafe zahlen und verlor den Posten als Tesla-Aufsichtsratschef. Seine Aussagen zur Finanzierung des Börsenrückzugs seien aber "kein spontaner Entschluss" gewesen, bekräftigte er nun in dem Interview. Saudische Investoren hätten ihn über zwei Jahre lang auf einen Börsenrückzug angesprochen. "Wir müssen uns nicht von der Börse zurückziehen", so Musk. Er glaube aber, dass Tesla so besser funktionieren würde. Geld aus Saudi-Arabien würde er aktuell "vermutlich nicht" annehmen, sagte Musk mit Blick auf den gewaltsamen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens.

Fürs autonome Fahren sollten intelligente Kameratechnik genügen: Traditionelle Autohersteller wie Mercedes, aber auch der IT-Riese Google setzen bei ihren selbstfahrenden Autos auf mehrere Sensorsysteme. Musk hält das für übertrieben. Selbstfahrende Autos müssen besser fahren als menschliche Fahrer, meint Musk, indem sie "dieselben Eindrücke wie ein menschlicher Fahrer nutzen. Augen sind eigentlich nur Kameras." Bilderkennende neuronale Netze, also Computer mit künstlicher Intelligenz, und Kameras müssen für autonome Fahrzeuge genügen. Sensoren in der Straße hält Musk für "hoffnungslos" - das wären bestenfalls sehr spezialisierte Lösungen und keine Generallösung für das autonome Fahren, die weltweit funktionieren würde.

Große Autokonzerne sind keine Konkurrenz bei selbstfahrenden Autos: Höchst selbstbewusst gab sich Musk in dem Interview zum Thema Selbstfahr-Technologien. Da sieht er Tesla weit vor den Konkurrenten aus der Autobranche. Einzig Googles Waymo sei "vielleicht" nahe an Tesla. Die großen Autokonzerne seien dabei keine Wettbewerber. "Sie sind einfach nicht gut bei Software. Und das ist ein Software-Problem." Auch die Hardware sei dabei wichtig. Nach Musks Überzeugung wird für automatisiertes Fahren ein fortschrittlicher Computer mit künstlicher Intelligenz benötigt. Doch traditionelle Autokonzerne "tun auch nichts auf der Rechner-Seite". Teslas neue Hardware für den Autopiloten habe dagegen einen eigenen neuronalen Chip und sei "zehn Mal besser als das nächstbeste System zum selben Preis, Bauraum und Strombedarf."

Musk findet Twitter "unterhaltsam". Mit einigen Twitter-Nachrichten hat sich Musk in den vergangenen Monaten viel Ärger eingehandelt - die via Twitter veröffentlichte Börsenrückzugs-Überlegung brachte Musk Klagen und Strafen der US-Börsenaufsicht ein. Gegen Shortseller und manche Privatleute hat Musk via Twitter ebenfalls hart ausgeteilt. Im "Recode"-Podcast erklärte Musk nun, dass er Nachrichten bei Twitter "wahrscheinlich nicht mit viel Filterung" verschicke. Er finde es "unterhaltsam", und nütze Twitter manchmal, um sich selbst auszudrücken. Mehr als zehn bis fünfzehn Minuten pro Tag widme er Twitter aber nicht, behauptete er.

Twitter fühle sich an "wie in den Fluss des Bewusstseins der Gesellschaft" einzutauchen. Nachrichten, die "möglicherweise eine größere Bewegung des Aktienkurses während der Handelszeiten auslösen", könne er aber nun nicht mehr verschicken. Wenn er für das Jahr 2018 etwas rückgängig machen könnte, würde er "manche Dinge" nicht mehr twittern. Auch würde er sich aus einigen Online-Kämpfen raushalten, in die er geraten sei, gab sich Musk am Schluss versöhnlich.

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