Elon Musk zu Model-3-Problemen "Tesla ist nicht mehr in der Todesangst-Situation"

Nach Problemen in der Produktion des ersten günstigeren Tesla-Models sieht Firmengründer Elon Musk sein Unternehmen im Aufwärtstrend. Eine neue Geldspritze sei nicht nötig.

Tesla-Chef Elon Musk
REUTERS

Tesla-Chef Elon Musk

Von manager-magazin.de-Redakteur


Tesla-Chef Elon Musk hat nach monatelangen Problemen mit der Model 3-Produktion seinen Optimismus wiedergefunden - auch wenn dieses Jahr "sehr schwierig" und "quälend" war: Diesen Eindruck erweckt der 47-jährige Unternehmer in einem Podcast des US-Technologieblogs "Recode".

Vor knapp einer Woche hatte Tesla zum ersten Mal seit zwei Jahren einen Quartalsgewinn bekanntgegeben und damit Analysten und Investoren überrascht. Die guten Zahlen nutzt Musk nun auch, um den Elektroauto-Hersteller nach langer Durststrecke wieder in ein positives Licht zu tauchen. Doch in dem rund 80-minütigen Interview mit der Tech-Journalistin Kara Swisher ging es nicht nur um nackte Zahlen. Musk äußerte sich auch zur Konkurrenz bei Roboterautos und seiner Twitter-Nutzung.

Das sind seine spannendsten Aussagen:

Die größten Probleme der Model 3-Produktion sind überwunden: "Man sollte nie selbstgefällig werden, also müssen wir weiter hart arbeiten. Aber ich denke, wir sind jetzt über den Berg", erklärte Musk. Es sei nun "kein großes Thema" mehr für Tesla, 5000 Model 3 pro Woche zu produzieren. Das sei nun Normalität. Jetzt arbeite Tesla daran, auf 6000 bis 7000 produzierte Stück pro Woche zu kommen und dabei gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle zu halten. Bis September habe Tesla um das Überleben gekämpft. "Ich fühle aber nun, dass wir nicht länger in dieser Dem-Tod-ins-Gesicht-starren-Situation sind", erklärte Musk.

Tesla ist finanziell stabil: Die Sorge vieler Analysten, dass Tesla bald das Geld ausgehen könnte, zerstreut Musk in dem Interview erneut. "Wie ich bereits früher in diesem Jahr sagte, glaube ich, dass wir in allen weiteren Quartalen einen positiven Cash-Flow haben werden", sagte Musk. Er glaube deshalb nicht, dass Tesla eine Kapitalspritze brauchen werde.

Kollektiver Kraftakt ermöglichte Teslas Überleben: Der Produktionsanlauf von Teslas Massenmodell Model 3 sei "quälend schwer" gewesen, erklärte Musk in dem Interview. Und das Überleben als Autohersteller ebenfalls. Tesla kämpfe gegen sehr wettbewerbsorientierte Autobauer. "Die machen sehr gute Autos. Die machen das seit langem. Die sind fest etabliert", so Musk. Es sei sehr schwer, als Start-up in diesem Bereich Erfolg zu haben. Das klappe nur durch "qualvolle Anstrengung" - nämlich durch "Hundert-Stunden-Arbeitswochen von jedem". Es habe keinen anderen Weg gegeben, das zu schaffen. Er selbst sei nun von bei 80 oder 90 Arbeitsstunden pro Woche von zuvor 120 angelangt - das sei "ziemlich machbar" für ihn.

Privatisierungspläne sind vom Tisch, aber: … Vor einigen Monaten sorgte Musk mit seiner Twitter-Ankündigung für Aufregung, Tesla von der Börse nehmen zu wollen. Seine Ankündigung, dass die Finanzierung gesichert sei, stellte sich letztlich als falsch heraus - er musste dafür eine Millionenstrafe zahlen und verlor den Posten als Tesla-Aufsichtsratschef. Seine Aussagen zur Finanzierung des Börsenrückzugs seien aber "kein spontaner Entschluss" gewesen, bekräftigte er nun in dem Interview. Saudische Investoren hätten ihn über zwei Jahre lang auf einen Börsenrückzug angesprochen. "Wir müssen uns nicht von der Börse zurückziehen", so Musk. Er glaube aber, dass Tesla so besser funktionieren würde. Geld aus Saudi-Arabien würde er aktuell "vermutlich nicht" annehmen, sagte Musk mit Blick auf den gewaltsamen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens.

Fürs autonome Fahren sollten intelligente Kameratechnik genügen: Traditionelle Autohersteller wie Mercedes, aber auch der IT-Riese Google setzen bei ihren selbstfahrenden Autos auf mehrere Sensorsysteme. Musk hält das für übertrieben. Selbstfahrende Autos müssen besser fahren als menschliche Fahrer, meint Musk, indem sie "dieselben Eindrücke wie ein menschlicher Fahrer nutzen. Augen sind eigentlich nur Kameras." Bilderkennende neuronale Netze, also Computer mit künstlicher Intelligenz, und Kameras müssen für autonome Fahrzeuge genügen. Sensoren in der Straße hält Musk für "hoffnungslos" - das wären bestenfalls sehr spezialisierte Lösungen und keine Generallösung für das autonome Fahren, die weltweit funktionieren würde.

Große Autokonzerne sind keine Konkurrenz bei selbstfahrenden Autos: Höchst selbstbewusst gab sich Musk in dem Interview zum Thema Selbstfahr-Technologien. Da sieht er Tesla weit vor den Konkurrenten aus der Autobranche. Einzig Googles Waymo sei "vielleicht" nahe an Tesla. Die großen Autokonzerne seien dabei keine Wettbewerber. "Sie sind einfach nicht gut bei Software. Und das ist ein Software-Problem." Auch die Hardware sei dabei wichtig. Nach Musks Überzeugung wird für automatisiertes Fahren ein fortschrittlicher Computer mit künstlicher Intelligenz benötigt. Doch traditionelle Autokonzerne "tun auch nichts auf der Rechner-Seite". Teslas neue Hardware für den Autopiloten habe dagegen einen eigenen neuronalen Chip und sei "zehn Mal besser als das nächstbeste System zum selben Preis, Bauraum und Strombedarf."

Musk findet Twitter "unterhaltsam". Mit einigen Twitter-Nachrichten hat sich Musk in den vergangenen Monaten viel Ärger eingehandelt - die via Twitter veröffentlichte Börsenrückzugs-Überlegung brachte Musk Klagen und Strafen der US-Börsenaufsicht ein. Gegen Shortseller und manche Privatleute hat Musk via Twitter ebenfalls hart ausgeteilt. Im "Recode"-Podcast erklärte Musk nun, dass er Nachrichten bei Twitter "wahrscheinlich nicht mit viel Filterung" verschicke. Er finde es "unterhaltsam", und nütze Twitter manchmal, um sich selbst auszudrücken. Mehr als zehn bis fünfzehn Minuten pro Tag widme er Twitter aber nicht, behauptete er.

Twitter fühle sich an "wie in den Fluss des Bewusstseins der Gesellschaft" einzutauchen. Nachrichten, die "möglicherweise eine größere Bewegung des Aktienkurses während der Handelszeiten auslösen", könne er aber nun nicht mehr verschicken. Wenn er für das Jahr 2018 etwas rückgängig machen könnte, würde er "manche Dinge" nicht mehr twittern. Auch würde er sich aus einigen Online-Kämpfen raushalten, in die er geraten sei, gab sich Musk am Schluss versöhnlich.

insgesamt 94 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
goldstein.84 02.11.2018
1. Tja
lieber Musk hast praktisch selbst erlebt, wie Brutal die etableirten Wettbewerber sind, in dem Sie druck auf zulieferer ausüben, damit sie Tesla teile unpünktlich oder fehlerhaft liefern. Oder bei E-Auto prämien Tesla einfach aussperren, so fair geht es da nicht, vor allem bei Mercedes, BMW, Toyota usw. Sie versuchen mit aller macht und hilfe von SPON dich fertig zu machen, in dem Sie nur negative nachrichten über dich bringen.
Pixopax 02.11.2018
2. Offenbar weiß er es nicht besser
"Die Entwicklung der besten Technologie fürs autonome Fahren hat also eine große Bedeutung. Und hier spielt im globalen Vergleich die europäische Industrie eine zentrale Rolle. Immerhin 52 Prozent aller weltweiten Patente zum automatisierten Fahren kommen aus Deutschland – angeführt von Bosch, Audi und Continental."
spon_6867181 02.11.2018
3. wie weit Tesla den etablierten Herstellern voraus ist....
....wird sich zeigen, wenn die mit autonomen Systemen auf den Markt kommen. Die halten sich aktuell vor allem deshalb zurück, weil die Systeme noch nicht sicher sind. Man stelle sich nur mal vor, ein autonom fahrendes Fahrzeug von einem deutschen Dieselsünder verursacht einen Unfall (wie es bei Tesla ja nun schon einige Male vorkam...). Das alles nur von einem Kamerasystem abhängig zu machen, erscheint mir allerdings grob fahrlässig. Wie würde so ein System auf plötzliche Verschmutzung reagieren, z.B. wenn im Winter Schnee aufwirbelt und die fest installierte Kamera verdeckt? Ein Mensch kann da immerhin noch drum herum schauen...
MiniDragon 02.11.2018
4. Wenn er Glück hat
hilft ihm vielleicht auch die Jahreszeit, denn in den kommenden Wintermonaten werden wohl kaum Kunden an ihren unbenutzt in der Garage stehenden Wagen Fehler entdecken und reklamieren.
gruffelo 03.11.2018
5. na klar....
derartige Bestätigungen von Elon Musk glaube wer wolle - seit seiner Bestätigung bzgl durchfinanzierten Going-Private kann man von solchen Meldungen bestenfalls noch auf gewisse Absichten EM's hinsichtlich einer Beeinflussung des Börsenkurses rückschliessen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.