Ranking von britischem Thinktank Sieben der zehn klimaschädlichsten Kohlekraftwerke Europas stehen in Deutschland

Die Top Ten der größten europäischen Klimasünder bestehen laut einer Erhebung komplett aus Kohlekraftwerken in Deutschland und Polen. Trotz Klimakrise ist der Anteil an Kohleemissionen zuletzt wieder deutlich angestiegen.
RWE-Kohlekraftwerk im Rheinland: Schmutziger ist nur noch das polnische Kraftwerk Belchatow

RWE-Kohlekraftwerk im Rheinland: Schmutziger ist nur noch das polnische Kraftwerk Belchatow

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Jochen Tack / imago images

Die Emissionen von Kohlekraftwerken in Europa sind 2021 stark gestiegen. Sie legten einer Auswertung der britischen Denkfabrik Ember zufolge um 17 Prozent zu – das war das größte Plus seit Beginn des Emissionshandelssystems und der erste Anstieg seit 2015.

Für die Erhebung werteten die Forscher Daten aus dem europäischen Emissionshandelssystem aus. Daran beteiligt sind neben den 27 EU-Mitgliedstaaten auch Island, Norwegen, Liechtenstein und Großbritannien.

Zu den besonders schmutzigen Kraftwerken zählen dabei besonders viele aus Deutschland. Sieben der zehn klimaschädlichsten Kohlekraftwerke in Europa wurden demnach hierzulande betrieben. Die deutschen Kohlekraftwerke des Energiekonzerns RWE in Neurath und Niederaußem seien bei den Emissionen nur von dem polnischen Kohlekraftwerk Belchatow übertroffen worden, wie es in einer Mitteilung  von Ember heißt.

Klimakrise

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Kraftwerk in Niederaußem steigerte Emissionen deutlich

Laut den Daten stießen die sieben deutschen Kraftwerke unter den schmutzigsten zehn Kohlekraftwerken im Jahr 2021 insgesamt 106,3 Megatonnen Treibhausgase aus. Das RWE-Kohlekraftwerk in Niederaußem verzeichnete im vergangenen Jahr demnach eine Zunahme der Emissionen um deutliche 36 Prozent. Insgesamt waren Polen und Deutschland demnach für 53 Prozent der Emissionen im EU-Stromsektor verantwortlich.

Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und der Diskussion um eine längere Laufzeit für Kohlekraftwerke zur Stärkung der Energiesouveränität zeigten diese Zahlen, dass Kohle noch immer »eine große Bedrohung für das Klima« sei, warnte Ember. Zur Einordnung: Die Emissionen des europäischen Stromsektors insgesamt stiegen laut Studie 2021 im Vorjahresvergleich nur um rund zehn Prozent – plus 64 Megatonnen.

»Sauberer Strom bis 2035 ist für die EU das Gebot der Stunde«, teilte Ember-Analystin Harriet Fox mit. Eine Zunahme der Kohleverstromung dürfe nur vorübergehend sein. »Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien, um so schnell wie möglich einen saubereren, billigeren und zuverlässigeren Energiemix zu schaffen.«

Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, den für 2038 geplanten Kohleausstieg nach Möglichkeit bereits 2030 erreichen zu wollen. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Ampel-Koalition zugleich länger auf Kohle als Sicherheitsnetz setzen will, um die Abhängigkeit von russischer Energie und den Gasverbrauch zu reduzieren.

apr/AFP