Energie EnBW baut Windpark ohne Subventionen

Windenergie beginnt sich zu rechnen. Der Energiekonzern EnBW will jetzt erstmals bei der Errichtung eines Windparks auf staatliche Förderungen verzichten.
Windenergieanlagen

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Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Deutschland treibt den Ökostrom-Ausbau erstmals ohne Subventionen voran und weckt damit Hoffnungen auf eine Dämpfung der Strompreise. Der Windpark "He Dreiht" in der Nordsee werde ohne die bisher übliche staatliche Förderung errichtet, teilte der Versorger EnBW am Donnerstag mit.

Der Konzern erhielt zuvor von der Netzagentur den Zuschlag für die Anlage mit 900 Megawatt. Drei weitere Windparks mit 600 Megawatt Leistung werden mit einer Förderung von maximal sechs Cent pro Kilowattstunde gebaut. Dies ist weit weniger als erwartet und liegt noch unter der Förderung für Solaranlagen und Windräder an Land. Die Offshore-Branche machte einen Paradigmenwechsel aus: Die Politik könne jetzt die Ökostrom-Ausbauziele insgesamt anheben.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, zeigte sich überrascht vom Ergebnis der Ausschreibungsrunde: "Die Offshore-Windenergie stellt ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis. Dies ist erfreulich für alle Stromverbraucher, die über die Erneuerbare-Energien-Umlage die Förderung mitfinanzieren." Im Schnitt dieser Ausschreibung betrage die Subvention nun 0,44 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Die letzten Windparks nach dem alten Förderregime ohne Ausschreibungen erhalten etwa 12 Cent. Bezahlen müssen die Verbraucher allerdings weiter den Ausbau der Netze für den Anschluss der Windräder auf hoher See.

Das Wirtschaftsministerium erklärt das Ergebnis der Ausschreibung mit dem Wettbewerbsdruck in der Industrie. Die Arbeitsgemeinschaft Offshore Windenergie (AGOW) teilte mit, es könnten wohl auch in Zukunft einzelne Parks ganz ohne Förderung auskommen. "Die Politik sollte die Chance nutzen, die sich durch die Offshore-Industrie bietet", sagte AGOW-Geschäftsführer Uwe Knickrehm. "Die unsinnige Deckelung des Ausbaus sollte aufgehoben und der Netzausbau beschleunigt werden."

Der weitgehende Verzicht auf Subventionen erklärt sich Branchenkreisen zufolge zum einen mit den erwarteten Kostensenkungen beim Bau der Parks, wo man jetzt von ersten Erfahrungen profitiere. Zum anderen werde auf höhere Strompreise an der Börse spekuliert, sodass der Strom auch ohne Förderung ausreichend Erlöse erzielt.

Verbraucherschützer skeptisch

Verbraucherschützer und Teile der Wirtschaft hatten den jetzt in Schwung gekommenen Ausbau der Offshore-Windparks ursprünglich mit Skepsis betrachtet: Die neue Technologie für die Windräder in größeren Wassertiefen werde die EEG-Umlage weiter treiben, hatten sie gewarnt. Über diese Abgabe zahlen die Verbraucher per Stromrechnung die Förderung des Ökostroms. Derzeit beträgt sie knapp sieben Cent pro Kilowattstunde. Ein Durchschnittshaushalt zahlt so pro Jahr etwa 280 Euro mehr.

Um die Kosten zu drücken, hatte die Regierung die bisherige Förderung über staatliche festgelegte Abnahmepreise für den Ökostrom umgestellt. Große Solaranlagen sowie Windparks an Land und auf hoher See werden jetzt ausgeschrieben. Wer die geringste Subvention verlangt, erhält den Zuschlag. Insgesamt hatten sich in dieser Offshore-Ausschreibungsrunde über 20 Betreiber um die rund 1500 Megawatt-Leistung beworben. Neben EnBW mit dem größten Windpark erhielten auch drei Parks des dänischen Betreibers Dong den Zuschlag. Im nächsten Jahr kann noch einmal um die gleiche Menge geboten werden. Errichtet werden die Anlagen zwischen 2021 und 2025.

Windenergie auf hoher See gilt für die nächsten Jahre als wichtigster Treiber für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Diese sollen bis 2025 für 40 bis 45 Prozent des Strombedarfs aufkommen. Grüne und Linke fordern seit längerem höhere Ziele, da der grüne Strom im Sinne des Klimaschutzes etwa im Verkehr und der Industrie fossile Brennstoffe verdrängen müsse.