Ende der Abwrackprämie Studie warnt vor Verlust von 90.000 Jobs in der Autobranche

Das Ende der Abwrackprämie rückt näher, nun schlagen Experten Alarm: Zehntausende Arbeitsplätze sind laut einer Studie von Roland Berger in Gefahr, jedem zweiten Autohändler könnte die Pleite drohen. Wer jetzt noch einen Wagen kaufen will und auf den Staatszuschuss spekuliert, muss sich sputen.

Neuwagen auf Werkshof (bei Opel in Bochum): Der Topf für die "Umweltprämie" ist bald leer
AP

Neuwagen auf Werkshof (bei Opel in Bochum): Der Topf für die "Umweltprämie" ist bald leer


Berlin - Beim Endspurt um die Abwrackprämie könnten Autokäufer möglicherweise leer ausgehen. Ab Ende kommender Woche besteht nach Angaben der "Bild"-Zeitung das Risiko, die Prämie trotz eines korrekt verschickten Antrags nicht mehr zu bekommen. Grund sei die Software des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Dem Bericht zufolge ist es der Behörde nicht möglich, auf der Internetseite minutengenau anzugeben, wie viele Anträge jeweils noch gestellt werden können.

Derzeit werde die Seite zweimal täglich aktualisiert. Potentielle Käufer könnten daher kurz vor Auslaufen des staatlichen Zuschusses in Höhe von 2500 Euro nicht exakt feststellen, ob noch ausreichend Geld im Fördertopf ist. Ein Bafa-Sprecher bestätigte laut "Bild", dass Antragssteller leer ausgehen könnten. Allerdings werde versucht, die Seite am letzten Tag der Prämie häufiger als bisher zu aktualisieren, um solche Entwicklungen zu vermeiden. Er riet Interessenten, sich mit dem Autokauf zu beeilen. Der Fördertopf für die Prämie ist nach Angaben der Bafa bereits zu mehr als 95 Prozent ausgeschöpft. Das Amt rechnet damit, dass spätestens in zwei Wochen Schluss ist mit der Prämie.

Zuletzt hatte auch der ADAC potentiellen Käufern geraten, sich möglichst rasch um den Antrag zu kümmern. Die Prämie kann nur online beantragt werden. Am Donnerstag konnten nach Angaben des Bafa auf der Homepage noch rund 95.000 Anträge gestellt werden. Nach Angaben der Zeitung rechnet das Bafa an diesem Wochenende mit einer Antragsflut. Die Behörde geht demnach von mehr als 30.000 Anträgen aus. Schon zu Wochenbeginn sei damit zu rechnen, dass die Prämie nur noch für weniger als 50.000 Wagen reiche.

Eine Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger kommt nach Informationen der "Welt" zu dem Ergebnis, dass das Ende der Abwrackprämie die Zahl der Insolvenzen in der Kfz-Branche deutlich steigen lassen werde. In der deutschen Autoindustrie seien mehr als 90.000 Arbeitsplätze in Gefahr, schreibt die Zeitung.

Besonders prekär sei die Situation für die Autohändler, obwohl diese im laufenden Jahr dank der Prämie sogar mehr Autos verkaufen würden als im Jahr zuvor. Der Vorzieheffekt werde die Händler nun wie ein Bumerang treffen. "Wenn die Abwrackprämie ausläuft, ist fast jeder zweite deutsche Händler akut von Insolvenz bedroht", sagte der Autor der Studie, Ralf Landmann, der "Welt". Allein in diesem Bereich könnten demnach 30.000 Jobs wegfallen.

ffr/AP/dpa/AFP/Reuters



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Seite 1
wudi 15.08.2009
1.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Abwrackpraemie? Schwachsinn. Hier wurde ein "Problem" nur verschoben. Was in diesem Jahr durch die Praemie mehr produziert wurde fehlt im naechsten Jahr. Der Autokauf wurde nur vorverlegt. Auch wurden meist Kleinwagen umgesetzt, oft auslaendische Produkte. Mercedes, BMW, Audi und Porsche half diese Praemie wenig. Man sollte mal gegenrechnen, Mehrproduktion in Deutschland und Verlust der Gebrauchtwagenhaendler und Werkstaetten. Das Ganze war ein Flop.
kaffeepause 15.08.2009
2.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
(tze) Die Abwarckprämie war sehr medienwirksam, gab dem "Normalverbraucher" das Gefühl von der Krise profitieren zu können und hat den endgültigen Kollaps lediglich wahlopportunistisch verzögert. Da sich die Bundesregierung zwischen Marktwirtschaft und Sozialstaat nicht entscheiden kann und die Wirtschaft den Sozialstaat präferiert, um nicht die dort dringend notwendigen Strukturänderungen und entsprechende Verluste in Kauf nehmen zu müssen, nötigt der Staat dem Steuerzahler die Subventionierung der Wirtschaft auf: Der Arbeitsmarkt wird über Hartz IV und die ARGEN kaputtsubventioniert. Jobvermittlungen, moderner Menschenhandel, und Incassounternehmen sind boomende "Wirtschaftszweige" Billiger werden Arbeitskräfte dadurch nicht wirklich, nur bei dem der arbeitet kommt dadurch weniger Geld an und Differenzen gehen zu Lasten der "Staatskasse", also des gemeinen Steuerzahlers. Wie hoch ist die steuerliche Belastung durch die Lebenshaltungskosten mittlerweile? Und wieso wird die "Wirtschaft" nicht längst angemessen besteuert? Der Binnenmarkt wird sich niemals erholen, wenn der Staat weiterhin wahlpolitisch kosmetisch exportorientierte Industriezweige unterstützt und den Großteil der Menschen, die in diesem Lande leben und arbeiten, wirtschafts- und sozialpolitisch langsam aber sicher unters Existenzminimum zwingt. Was nutzt das nette neue Auto, wenn man ein Jahr nach dem Kauf arbeitslos wird, weil der Arbeitgeber Lohnkosten sparen und lieber ARGE unterstütze Kräfte haben möchte. Und man sich den Unterhalt des Autos dann nicht mehr leisten kann, weil man mit dem neuen Vollzeitjob nicht mal das Existenzminimum sichern kann und zusätzlich staatliche Unterstützung benötigt? Der Staat ist dazu verpflichtet die politischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man von Arbeit leben kann, er ist nicht dazu da, Geldgeschenke zu machen. Meinetwegen können die ARGEN mit allen Schmarotzern, die davon profitieren, abgeschafft werden. Und ich meine jetzt nicht die sog. "Kundschaft".
hdwinkel 15.08.2009
3. Ökologischer und wirtschaftlicher Unsinn
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Mit der Förderung des Absatzes von Altautos schießt sich die Autoindustrie immer mehr ins Abseits. Neue Mobilitätskonzepte? Fehlanzeige! Dabei hätte grade das ein Zukunftsmarkt für die Autobauer sein können. Ökologisch ist das ohnehin Unsinn: http://www.heise.de/tp/blogs/2/143470
descartes101, 15.08.2009
4.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Wenn der Staat Milliarden von Steuergeld in Form von sog. 'Rettungspaketen' Banken und Konzernen wie Puderzucker in den Hintern bläst, dann ist das ein Geschenk. Wenn die Bürger Geld vom Staat erhalten, dann nennt man das eine Steuerrückzahlung. Das nur, um die SpOn-Terminologie geradezurücken. Sie sollten nicht alles kritiklos übernehmen, was da in Berlin gesabbelt wird.
loser, 15.08.2009
5.
Zitat von wudiAbwrackpraemie? Schwachsinn. Hier wurde ein "Problem" nur verschoben. Was in diesem Jahr durch die Praemie mehr produziert wurde fehlt im naechsten Jahr. Der Autokauf wurde nur vorverlegt. Auch wurden meist Kleinwagen umgesetzt, oft auslaendische Produkte. Mercedes, BMW, Audi und Porsche half diese Praemie wenig. Man sollte mal gegenrechnen, Mehrproduktion in Deutschland und Verlust der Gebrauchtwagenhaendler und Werkstaetten. Das Ganze war ein Flop.
Sind dieses Jahr nicht Wahlen ? Was kümmert einen Politiker die Zukunft, wenn Er/Sie dieses Jahr gewählt werden möchte. Geschenke gibt's immer nur vor den Wahlen; und danach gibt's dann "trocken Brot" für die Allgemeinheit. Gruss
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