Eurofighter-Hersteller Enders tauscht Chef der EADS-Rüstungssparte aus

Der Luftfahrtkonzern EADS wechselt den Chef der Rüstungssparte aus. Ab sofort leitet Bernhard Gerwert den Eurofighter-Hersteller Cassidian. Er löst Stefan Zoller ab. Er soll Differenzen mit EADS-Chef Enders gehabt haben.

EADS-Chef Enders: "Neue Richtung und Impulse"
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EADS-Chef Enders: "Neue Richtung und Impulse"


Leiden - EADS hat den Leiter der Rüstungssparte Cassidian überraschend abgelöst. Zwischen dem Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Tom Enders und dem langjährigen Cassidian-Chef Stefan Zoller soll es Differenzen gegeben haben. Sie seien sich bei Strategie und Organisation des Unternehmens nicht einig geworden. Neuer Chef der Rüstungssparte ist Bernhard Gerwert, bisher Leiter des operativen Geschäfts.

"Bernhard Gerwert wird Cassidian die neue Richtung und Impulse geben, die notwendig sind", sagte Enders. Entscheidend sei, dass das Unternehmen sein Geschäft auf die Bereiche konzentriere, "die dauerhaft umsatzstark und profitabel sind".

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von EADS Deutschland, Thomas Pretzl, erwartet nun einen stärkeren Akzent auf dem Militärflugzeug-Geschäft. Gerwert habe lange die Sparte Military Air Systems im bayerischen Manching geleitet, "da kennt er sich aus, und das sehen wir sehr positiv", sagte Pretzl. Als lokaler Betriebsratschef auch in Manching kenne er Gerwert schon lange als "Partner, der vertrauenswürdig für uns ist und mit dem wir gut zusammenarbeiten können".

"Angelegenheit unter Deutschen"

Der französischen Zeitung "Les Echos" zufolge hatte sich ein Streit zwischen dem damaligen Airbus-Chef Enders und Zoller bereits vor eineinhalb Jahren abgezeichnet. Der damalige EADS-Konzernchef Louis Gallois habe sich aber nicht eingemischt, da er die Sache "für eine Angelegenheit unter Deutschen" gehalten habe. Enders hatte damals argumentiert, dass Zollers Umbau der Rüstungssparte eine engere Zusammenarbeit mit Airbus Military behindern könnte. Die Airbus-Tochter stellt Tankflugzeuge und Militärtransporter wie den neuen A400M her.

Zoller stand sieben Jahre lang an der Spitze von Cassidian und hatte zuletzt verstärkt auf das Geschäft mit Sicherheitstechnik wie Funksystemen und Cyber-Sicherheit gesetzt. Damit wollte er Rückgänge im klassischen Rüstungsgeschäft auffangen. Das meiste Geld verdient das Unternehmen aber weiter mit Kampfflugzeugen und Waffensystemen. Enders sagte, Zoller habe Cassidian rentabler gemacht und mit der Internationalisierung die Basis für künftiges Wachstum geschaffen.

Cassidian leidet wie andere Unternehmen der Rüstungsbranche unter den Kürzungen in den europäischen Verteidigungsbudgets. Aber auch Indien und die Schweiz hatten sich jüngst gegen den Eurofighter und für den Kauf der Konkurrenzmodelle von Rafale und Saab entschieden.

cte/dpa-AFX

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