Gaskrise Uniper beantragt Staatshilfe – Habeck will Insolvenz »nicht zulassen«

Drastisch gestiegene Energiepreise brachten den Energiekonzern Uniper in Schieflage. Nun hat das Unternehmen beim Bund offiziell Hilfe beantragt. Wirtschaftsminister Habeck will eine Insolvenz des Konzerns unbedingt verhindern.
Wirtschaftsminister Habeck: Der Staat soll eingreifen.

Wirtschaftsminister Habeck: Der Staat soll eingreifen.

Foto: Florian Gaertner / photothek / IMAGO

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will eine Pleite des angeschlagenen Gasversorgers Uniper verhindern. »Wir werden nicht zulassen, dass ein systemrelevantes Unternehmen in Insolvenz geht und infolgedessen der globale Energiemarkt in Turbulenzen gerät«, sagte der Grünen-Politiker am Freitag.

Zuvor hatte der Energiekonzern Uniper bei der Bundesregierung einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt. Der mit dem Antrag eingereichte Vorschlag basiere zunächst auf einer fairen Kostenverteilung, teilte der Konzern am Freitag in Düsseldorf mit. Dabei geht es um die Weitergabe von Preissprüngen beim Einkauf an die Kunden.

Darüber hinaus enthalte der Vorschlag Eigenkapital-Komponenten, durch die der Bund sich an Uniper beteiligen könnte, hieß es in der Mitteilung weiter. Zudem sehe der Vorschlag Fremdkapitalmittel durch eine Aufstockung der KfW-Kreditlinie vor. Diese hat der Konzern bislang nicht gezogen.

Der massive Anstieg der Gaspreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat in die Bilanz des Konzerns ein großes Loch gerissen. Für Gaslieferungen im Winter liege der Gaspreis inzwischen bei fast 200 Euro je Megawattstunde, erklärte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Hochgerechnet bis zum Jahresende könne das Unternehmen dadurch bis zu zehn Milliarden Euro an Verlust anhäufen. Uniper verzeichne tägliche Mittelabflüsse im zweistelligen Millionenbereich. Das sei »eine Situation, die für uns nicht lange durchhaltbar ist«, so Maubach.

Auch Uniper-Großaktionär Fortum führt Gespräche mit der Bundesregierung. Eine der Alternativen, die man mit der Bundesregierung diskutiere, sei eine »Reorganisation der Geschäftsbereiche von Uniper, um so die systemkritischen deutschen Geschäftstätigkeiten zu bündeln und mit der Bundesregierung abzusichern«. In dieser Variante würde der Staat also nur jene Geschäfte retten, die systemkritisch sind und das Deutschlandgeschäft betreffen.

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Laut Wirtschaftsminister Habeck arbeitet die Bundesregierung mit Hochdruck an Stabilisierungsmaßnahmen. »Wir sind hierzu mit allen Akteuren im engen Austausch. Über die konkrete Form der Unterstützung wird jetzt verhandelt und dann entschieden.« Mit der neuen Gesetzgebung im Energiesicherungsgesetz stünden verschiedene Möglichkeiten zum Handeln bereit.

Aktie unter Druck

Die seit Monaten schwer gebeutelten Uniper-Aktien waren nach einer Vortageserholung am Freitag wieder unter Druck geraten. Zuletzt wurden die Papiere 6,5 Prozent tiefer bei 10,16 Euro gehandelt und gehörten damit zu den schwächsten Papieren im MDax der mittelgroßen Werte. Tags zuvor waren sie in einer Erholungsrally um gut 9,0 Prozent nach oben geschnellt.

Uniper steht weiter unter Beobachtung, weil am Montag ein regulärer wartungsbedingter Stillstand der Gaspipeline Nord Stream 1 beginnen soll. Die Befürchtung steht im Raum, dass sie nach der zehntägigen Wartung vielleicht dauerhaft abgeschaltet bleibt.

Seit Mitte Juni schon erhält Uniper nach eigenen Angaben nur noch 40 Prozent der vertraglich zugesicherten Gasmengen der russischen Gazprom und muss Ersatzmengen zu deutlich höheren Preisen am Markt beschaffen. Deshalb kassierte das Management kürzlich seine Jahresziele. Wegen der finanziell prekären Lage des Konzerns zieht der Bund eine höhere Beteiligung an dem Kraftwerksbetreiber in Betracht als zuletzt noch gedacht. Die Rede sei von einem Anteil von mehr als 30 Prozent, berichtete das »Handelsblatt« unter Berufung auf Insider.

Eine mehr als 30-prozentige Staatsbeteiligung an dem Energieversorger, wie sie in dem »Handelsblatt«-Bericht als eine Option genannt werde, könnte ohne ein anschließendes Übernahmeangebot konstruiert werden und via staatlichen Garantien der Kreditbonität zugutekommen, schrieb Barclays-Analyst Peter Crampton. Die Ausrufung der nächsten Stufe des Regierungs-Notfallplans für die Gasversorgung hänge nun davon ab, ob und wie viel Gas Russland künftig über die Pipeline Nord Stream 1 liefern werde.

mik/bem/dpa-AFX/Reuters
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