Energiekonzern in der Krise Uniper ruft nach Hilfe vom Staat – Aktie stürzt ab

Minus 20 Prozent: Nachdem Uniper wegen verringerter Gaslieferungen seine Prognose für das laufende Jahr kassiert hat, bricht der Aktienkurs des Unternehmens ein. Der Konzern fordert wegen Liquiditätsproblemen Hilfe vom Staat.
Uniper-Zentrale in Düsseldorf: In der Klemme

Uniper-Zentrale in Düsseldorf: In der Klemme

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS

Alarmstimmung beim Energiekonzern Uniper: Das Unternehmen kassiert wegen der Gaskrise seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr und ruft nach Hilfe vom Staat. Die Geschäftsentwicklung habe sich durch den Krieg in der Ukraine und die in der Folge stark reduzierten Gaslieferungen aus Russland spürbar verschlechtert, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach. »Daher sprechen wir jetzt mit der Bundesregierung erneut über Stabilisierungsmaßnahmen, für die eine Reihe von Instrumenten infrage kommen wie zum Beispiel Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital.«

Aktionäre reagierten geschockt: Der Aktienkurs des Konzerns rauschte am Mittwochmorgen an der Frankfurter Börse um bis zu 20 Prozent in die Tiefe. Uniper ist eine Tochter des finnischen Fortum-Konzerns und der größte ausländische Kunde des russischen Gasriesen Gazprom. Die Düsseldorfer spielen auch mit ihren Gasspeichern eine wichtige Rolle bei der Absicherung der Versorgung Deutschlands im Winter und bei den Bemühungen der Bundesregierung, Deutschland unabhängig von russischen Gaslieferungen zu machen.

Der Staat soll helfen

»Uniper erhält seit 14. Juni lediglich 40 Prozent seiner vertraglich zugesicherten Gasmengen von Gazprom«, sagte Finanzchefin Tiina Tuomela. Man müsse davon ausgehen, dass das bereinigte Vorsteuerergebnis (Ebit) und der bereinigte Jahresüberschuss für das 1. Halbjahr 2022 deutlich unter Vorjahr liegen werden. »Dies ist eindeutig eine Folge der Gaslieferbeschränkungen durch Gazprom, deren Ausmaß und Dauer aktuell nicht abzusehen sind.« Daher nehme Uniper die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zurück und gebe bis auf Weiteres keinen neuen Ausblick.

Uniper habe bereits Ende letzten Jahres durch die gestiegenen Preise einen deutlich höheren Liquiditätsbedarf gehabt, sagte Konzernchef Maubach. »Um diesem zu begegnen, hatten wir bereits unsere Kreditlinien erweitert und unter anderem eine Fazilität der staatlichen KfW in Höhe von zwei Milliarden Euro erhalten, die wir bis heute nicht in Anspruch genommen haben.« Uniper prüfe, wie die Liquidität der Gesellschaft weiter gesichert werden könne.

Der Bundesregierung zufolge laufen bereits Gespräche über Sanierungsmaßnahmen. Das sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Berlin. Anlass seien die stark gestiegenen Gaspreise und die reduzierten Liefermengen aus Russland infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

mic/Reuters/dpa
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