Energiekosten Stromkonzerne kündigen saftige Preiserhöhung an

Viele Verbraucher müssen bald deutlich mehr für Strom zahlen: Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE verlangt ab Januar im Schnitt 14 Prozent mehr Gebühren. Auch Vattenfall will seine Preise erhöhen. Die Konzerne schieben die Schuld auf die erneuerbaren Energien.
Windräder vor Braunkohlekraftwerk: Auch RWE schließt eine Preiserhöhung nicht aus

Windräder vor Braunkohlekraftwerk: Auch RWE schließt eine Preiserhöhung nicht aus

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ dpa

erneuerbare Energien

Hannover - Beim Strom kommt in einigen Regionen eine neue Kostenrunde auf die Verbraucher zu: Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE hat eine kräftige Preiserhöhung angekündigt. Ab Januar müssen Kunden durchschnittlich 14 Prozent mehr bezahlen, wie das Oldenburger Unternehmen an diesem Mittwoch mitteilte. Als Grund nannte EWE die höheren Kosten für sowie gestiegene Netzentgelte und Einkaufspreise.

Atomkraft

"Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Aber er hat auch seinen Preis", sagte EWE-Vertriebsleiter Christian Haferkamp. Gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten Erzeuger von Wind- und Sonnenenergie feste Preise für den ins Netz eingespeisten Strom, die in der Regel höher liegen als die für Strom aus Kohle oder .

Dem Oldenburger Konzern macht aber auch eine ungünstige Einkaufspolitik zu schaffen. "In dem Strom, den EWE ab 2010 an Privathaushalte verkauft, stecken auch Stromteilmengen, die EWE zu hohen Handelspreisen im Jahr 2008 eingekauft hat", sagte Haferkamp. Die Konzerntochter EWE Netz GmbH hat zudem ihre Preise für 2009 um sieben und für 2010 um weitere vier bis sechs Prozent erhöht.

RWE will Preise zunächst konstant halten

Auch der Energieversorger Vattenfall   wird im kommenden Jahr die Strompreise für seine Kunden in Berlin und Hamburg deutlich erhöhen. In der Grundversorgung zahlen Privatkunden in Berlin 5,9 Prozent mehr für ihren Strom, in Hamburg sind es 4,4 Prozent, wie das Unternehmen an diesem Mittwoch mitteilte. Für Gewerbekunden werde der Strom in beiden Städten um 8,9 Prozent teurer. Der monatliche Grundpreis bleibe stabil. Wie auch EWE begründet Vattenfall die Erhöhung mit Hinweis auf steigende Kosten, die durch das EEG entstehen.

Die Ankündigungen stießen auf heftige Kritik: "Eine Preiserhöhung in der Größenordnung mit Erneuerbaren Energien zu begründen, ist schon unverschämt", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn. "Der Strompreis bei Vattenfall dürfte eigentlich überhaupt nicht steigen, weil wir in den letzten 16 Monaten einen rapiden Preisverfall an der Strombörse in Leipzig hatten."

Die Kunden des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE   sollen nach Angaben einer Unternehmenssprecherin über die Jahreswende von Preiserhöhungen verschont bleiben. Anpassungen zu einem späteren Zeitpunkt schloss sie jedoch nicht aus. Darüber sei aber noch keine Entscheidung gefallen. Allerdings ließen auch bei RWE die Einspeisung von Strom aus Windkraft und Sonnenenergie die Kosten steigen.

Ob die Höhe der angekündigten Preissteigerungen ganz oder zumindest größtenteils mit dem EEG begründbar sind, bleibt zunächst offen. Offenbar soll es bei der Umlage der Kosten für die Einspeisung erneuerbarer Energien, die staatlich gefördert wird, nach einem Bericht des "Handelsblatts" künftig eine neue Systematik geben. Diese Kosten seien bislang über die Netzentgelte abgerechnet worden. Künftig würden sie aber über eine Erneuerbare-Energien-Umlage direkt bei den Verbrauchern eingesammelt.

Maßnahme der Netzagentur trifft besonders EnBW

Bundesnetzagentur

Nach dem Bericht will die auch im kommenden Jahr die Einnahmen der großen Stromkonzerne kappen. Die Behörde werde die Obergrenzen für die Erlöse der Betreiber der deutschen Höchstspannungsnetze zwischen zehn und teils über 30 Prozent senken, berichtete die Zeitung. Die Begrenzungen würden je nach Unternehmen festgelegt. Für Verbraucher wirke sich die Begrenzung der Netzentgelte aber kaum aus, hieß es.

Am stärksten von der Maßnahme betroffen ist der baden-württembergische Energieversorger EnBW  , dessen Einnahmen "um deutlich über 30 Prozent" gekappt würden, wie ein EnBW-Sprecher dem "Handelsblatt" bestätigte. Bei der Netz-Tochter des EnBW-Rivalen E.on, Transpower, werde das Minus etwa 25 Prozent betragen. Das Unternehmen soll bald an den niederländischen Netzbetreiber Tennet verkauft werden.

Bei Vattenfall sollen sich die Kürzungen den Angaben zufolge auf rund zehn Prozent belaufen. Die RWE-Tochter Amprion hatte bereits am Dienstag angekündigt, ihre Netzentgelte um 18,5 Prozent zu senken.

böl/Reuters/AFP/dpa-AFX/ddp/Dow Jones
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