Folgen der Energiekrise Bundesbank rechnet mit Rezession und zweistelliger Inflation

Verbraucher müssen sich auf Inflationsraten einstellen, wie es sie lange nicht gab: Die Bundesbank erwartet einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung bis ins kommende Jahr hinein.
Mitarbeiter von Mercedes-Benz: Unsicherer Ausblick

Mitarbeiter von Mercedes-Benz: Unsicherer Ausblick

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Die Prognose der Ökonomen fällt deprimierend aus: Wegen der Energiekrise rechnet die Bundesbank bald mit einer spürbaren konjunkturellen Talfahrt und rund zehn Prozent Inflation. »Es mehren sich die Anzeichen für eine Rezession der deutschen Wirtschaft im Sinne eines deutlichen, breit angelegten und länger anhaltenden Rückgangs der Wirtschaftsleistung«, teilte die Notenbank in ihrem Monatsbericht mit.

Grund sei vor allem die Energiekrise in Folge des Ukrainekriegs. Nach dem Miniwachstum von 0,1 Prozent im Frühjahr werde das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Sommerquartal voraussichtlich etwas schrumpfen. »Alles in allem dürfte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal merklich zurückgehen«, schreiben die Bundesbank-Fachleute. »Dies dürfte wohl auch für das erste Quartal des kommenden Jahres gelten.« Der Ausblick sei ausgesprochen unsicher.

»Nachdem die russischen Gaslieferungen nach Deutschland weitgehend eingestellt wurden, ist die Lage bei der Gasversorgung in den kommenden Monaten äußerst angespannt«, heißt es im Monatsbericht. Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Ifo-Institut oder das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechneten zuletzt ebenfalls mit einer Rezession in Deutschland.

»Die hohe Inflation und die Unsicherheit in Bezug auf die Energieversorgung und ihre Kosten beeinträchtigen dabei nicht nur die gas- und stromintensive Industrie sowie deren Exportgeschäfte und Investitionen«, schreiben nun die Bundesbank-Experten. Denn betroffen seien auch der private Konsum und die davon abhängigen Dienstleister.

Die Jahresteuerung in der Eurozone lag im August auf dem Rekordhoch von 9,1 Prozent und dürfte für weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgen. In Deutschland kletterte die Inflationsrate auf 7,9 Prozent. Mit Auslaufen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sei hier im September mit weiterem Schub zu rechnen, schrieben die Ökonominnen und Ökonomen der Bundesbank. »Dies wird im laufenden Monat zu erneuten Preissteigerungen bei Energie und Dienstleistungen führen und die Inflationsrate entsprechend erhöhen.« Die angekündigten Maßnahmen des jüngsten Entlastungspakets der Ampelkoalition, etwa zur Gasumlage oder Strompreisbremse, würden sich dagegen wohl erst Anfang 2023 in den Verbraucherpreisen niederschlagen. »Die Inflationsrate dürfte unter dem Strich in den nächsten Monaten in den zweistelligen Bereich vorrücken.«

Erste Bremsspuren in Baubranche und Gastgewerbe

Einige Branchen bekommen die schlechtere Stimmung bereits zu spüren.

Teures Material und steigende Kreditzinsen bremsen den Baumboom und sorgen im Wohnungsbau vermehrt für stornierte Aufträge. Im August waren 11,6 Prozent der befragten Unternehmen davon betroffen, nach 11,5 Prozent im Vormonat, wie aus einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht. »Seit April sehen wir, dass auffällig viele Projekte gestrichen werden«, sagte Ifo-Forscher Felix Leiss.

Das deutsche Gastgewerbe startete bereits mit einem Rückschlag in die zweite Jahreshälfte. Hotels, Restaurants und Kneipen zählten im Juli zwar 0,4 Prozent mehr in ihren Kassen als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Klammert man aber steigende Preise aus, sank der reale Umsatz um 1,5 Prozent. Das ist der erste Rückgang seit Dezember 2021, als wegen der damals geltenden Coronabeschränkungen deutlich weniger eingenommen wurde. Der Umsatz lag im Juli zwar inflationsbereinigt 10,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat, blieb aber um 9,3 Prozent hinter dem Ergebnis von Juli 2019 zurück, also der Zeit vor der Coronapandemie.

mmq/Reuters/dpa
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