Energiekrise in Europa Ukraine exportiert ihren Atomstrom in die EU

Während Deutschland händeringend neue Energiequellen sucht, könnte ausgerechnet Atomstrom aus der Ukraine die Lage hierzulande etwas mildern. Das Land hat nun mit der Ausfuhr der Energie in die EU begonnen.
Stromleitung in der Ukraine: Der Stromexport liefert der Ukraine dringend benötigte Einnahmen

Stromleitung in der Ukraine: Der Stromexport liefert der Ukraine dringend benötigte Einnahmen

Foto: Sergei Ilnitsky / EPA

Die Ukraine war Mitte März an das europäische Stromnetz angeschlossen worden. Nun hat das Land nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj auch damit begonnen, Strom in die EU zu exportieren.

»Eine wichtige Etappe unserer Annäherung an die Europäische Union wurde erreicht«, sagte Selenskyj am Donnerstagabend in einer Videobotschaft. Die Ukraine »hat begonnen, über Rumänien in bedeutendem Maße Strom in das Territorium der EU zu exportieren.« Das sei »nur die erste Etappe. Wir bereiten eine Erhöhung der Lieferungen vor.«

»Ukrainischer Strom kann einen bedeutenden Teil des von den Europäern verbrauchten russischen Gases ersetzen«, sagte Präsident Selenskyj. »Es geht nicht nur um Exporteinnahmen für uns, es ist eine Frage der Sicherheit für ganz Europa

Windkraft vom Schwarzen Meer?

Vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen das Land am 24. Februar war das ukrainische Netz mit dem russischen Netz synchronisiert. Es wurde Ende Februar jedoch auf ukrainische Initiative für einen lange geplanten Test von den Nachbarn Russland und Belarus abgekoppelt, kurz darauf marschierten Putins Truppen ein.

Das Netz befand sich daraufhin in einem sogenannten Inselbetrieb und galt als besonders verwundbar, bis es dann an das Europäische Netz der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) angekoppelt wurde. Außerdem hatte die Ukraine zahlreiche Angriffe Russlands auf ihr Netz und teilweise auch auf ihre Atomkraftwerke hinnehmen müssen. Ein Großteil des in der Ukraine produzierten Stroms stammt aus Kernenergie.

Bis zu 2,5 Gigawatt nach Europa

Am Donnerstag teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit, die Ukraine könne fortan Strom auf den EU-Markt exportieren. »Es wird der EU eine zusätzliche Stromquelle bieten. Und der Ukraine dringend benötigte Einnahmen. Deswegen profitieren wir beide.«

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Das aktuelle Liefervolumen nach Rumänien beträgt ukrainischen Angaben zufolge zunächst 100 Megawatt. Der Ministerpräsident des Landes, Denys Shmyhal, kündigte an, die Ukraine sei potenziell in der Lage 2,5 Gigawatt Strom nach Europa zu exportieren.

Der ukrainische Energieminister German Galuschenko hatte Deutschland bereits vergangene Woche die Lieferung von Atomstrom angeboten. So könne »eine Art Versicherungspolster in Zeiten witterungsbedingt rückläufiger Erzeugung aus Solar- und Windkraftanlagen« entstehen, schrieb er in einem Gastbeitrag für die »Wirtschaftswoche «. Deutschland und die Ukraine könnten dabei von den unterschiedlichen Zeit- und Klimazonen profitieren.

Galuschenko weiß dabei um die aus deutscher Sicht schwierige Stellung der Atomkraft – und bringt in seinem Beitrag auch Solar- und Windkraft von den Küstenregionen des Schwarzen Meeres ins Spiel.

apr/AFP/Reuters
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