Energiemarkt Russland steigt bei deutschen Raffinerien ein

Anteile an vier Raffinerien für insgesamt 1,13 Milliarden Euro: Die russische Ölgesellschaft Rosneft hat sich im großen Stil in den deutschen Energiemarkt eingekauft. Besonders bei Benzin und Heizöl gewinnt das staatliche Unternehmen an Einfluss.

Raffinerie in Gelsenkirchen (Archivbild): Russische Beteiligung von 50 Prozent
dapd

Raffinerie in Gelsenkirchen (Archivbild): Russische Beteiligung von 50 Prozent


Moskau - Russlands Einfluss auf die Energieversorgung in Deutschland wird immer größer. Die staatliche russische Ölgesellschaft Rosneft hat sich am Freitag für 1,13 Milliarden Euro in den deutschen Raffineriemarkt eingekauft. Rosneft übernimmt 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH, die vier Raffinerien betreibt und einer der Hauptversorger der deutschen Benzin- und Heizölkunden ist. Schon seit Jahren ist Russland Deutschlands wichtigster Lieferant von Rohöl und Erdgas.

Rosneft übernimmt den Anteil vom venezolanischem Ölkonzern Petroleos de Venezuela. Die andere Hälfte der Ruhr Oel hält weiter der britische Ölkonzern BP. Ruhr Oel ist an den Raffineriebetrieben Bayern Oil, MiRO Karlsruhe und PCK Schwedt beteiligt sowie Alleineigentümer der Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven. Zusammen stellen die Anlagen ein Viertel der deutschen Raffineriekapazitäten.

Ruhr Oel kann bis zu 23,2 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr veredeln. Das entspricht den Angaben zufolge 20 Prozent der gesamten deutschen Raffineriekapazität. "Wir wollen international wachsen", sagte Rosneft-Chef Eduard Chudainatow.

Dabei konzentriere sich das Unternehmen auf große Schlüsselmärkte. "Mit der Übernahme sind künftig 18 Prozent des Raffinieriekapazitäten von Rosneft im industriellen Herzen Europas", so Chudainatow. Ruhr Oel werde von der finanziellen Stärke seines Unternehmens profitieren. Rosneft wiederum wolle das Wissen und die Erfahrungen von Ruhr Oel für sich nutzen.

Noch mehr russischer Einfluss durch die Ostsee-Pipeline?

Die Russen drängen seit Jahren auf den deutschen Energiemarkt: Der russische Gaskonzern Gazprom hält bereits einen Anteil an der Wintershall-Vermarktungsgesellschaft Wingas von 50 Prozent und an der Verbundnetz Gas AG. Außerdem sponsert Gazprom den Fußballverein Schalke 04.

Deutschlands Abhängigkeit von russischer Energie könnte noch steigen, wenn ab 2011 russisches Gas durch die neue Ostsee-Pipeline nach Europa fließt. Im Endausbau ab 2012 sollen jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas für mehr als 26 Millionen Haushalte durch die Rohre strömen. Bauherren des Milliardenprojekts sind Gazprom und europäische Energiekonzerne.

jok/dapd/dpa-AFX



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