Steigende Energiepreise Erstes Stahlunternehmen ruft nach staatlicher Hilfe

Die Strompreise für die Industrie sind zehnmal so hoch wie vor drei Jahren. Jetzt fordert der Chef der Swiss Steel Group Entlastung. Die Bundesregierung müsse die Preise deckeln – sonst drohten Produktionsstopps.
Stahlproduktion bei der Swiss Steel Group

Stahlproduktion bei der Swiss Steel Group

Foto: MICHAEL BUHOLZER/ REUTERS

Lange Zeit konnten sich Unternehmen an den Strombörsen billig mit Elektrizität eindecken. Da zahlten Unternehmen mitunter knapp 20 Euro für die Megawattstunde Strom. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Preise kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Im September überstiegen sie 200 Euro, in der Spitze sogar 400 Euro. Ein ähnliches Niveau gab es zuletzt im Jahr 2008. Vergleichbare Entwicklungen gibt es beim Rohöl aber auch auf dem Gasmarkt.

Jetzt schlägt ein erstes Unternehmen Alarm und fordert staatliche Unterstützung wegen der hohen Energiekosten. »Wir brauchen jetzt unmittelbar eine Entlastung«, sagt der Chef der Swiss Steel Group, Frank Koch, dem SPIEGEL. Sein Unternehmen besitzt in Deutschland eine Reihe von Stahlwerken, die aus Altmetall mithilfe von Elektrizität neue Stähle herstellt. Etwa 4000 Beschäftigte arbeiten in den vier Standorten der Deutschen Edelstahl Werke Nordrhein-Westfalen.

Benötigt werden für diesen Prozess große Mengen Strom. Doch bei den derzeitigen Preisen rechnet sich der Betrieb laut Koch nicht mehr. »Selbst der Stopp von Produktion oder die Verlegung von Schichten sind kurzfristig denkbar«, sagt der Swiss-Steel-Chef. Der Vorstandschef überlegt, einen Energiezuschlag auf vereinbarte Preise zu verlangen.

»Solange die Strompreise sich nicht auf einem mittelfristig berechenbaren und kostengünstigen Niveau stabilisieren, müssen wir als Industrie die stark fluktuierenden Kosten auf unsere Preise aufschlagen«, sagt der Manager. Angedacht sei, bei den Deutschen Edelstahl Werken die Preise an die Energiepreisentwicklung zu koppeln. Nur so könne man sich als Unternehmen vor so stark fluktuierenden Kosten schützen.

Swiss-Steel-Manager Koch berichtet, dass er mit seiner Position in der Branche nicht allein dastehe. Auch andere Stahlunternehmen, so höre er, würden über Produktionsstopps nachdenken. Beim High-Level-Meeting des Bundeswirtschaftsministeriums vergangene Woche kam das Thema staatlicher Hilfen bereits auf die Tagesordnung. Die Manager trugen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ihre Sorgen vor. Auch Landeswirtschaftsminister aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Saarland und Brandenburg waren bei dem Treffen dabei.

Dort ging es auch um die Transformation der Stahlbranche hin zur Klimaneutralität. Unternehmen wie Swiss Steel brauchen dafür Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Hochofen-Betreiber wie Thyssenkrupp hingegen müssen ihre Produktionsprozesse von Koks auf Wasserstoff umstellen. Auch dieser muss aus Strom stammen, der mithilfe von Wind- oder Solarenergie hergestellt worden ist.

Ökologischer Umbau gegen Subventionen

Swiss-Steel-Chef Koch sieht Gefahren durch die hohen Energiepreise für die Klima-Transformation in Deutschland und begründet damit seinen Ruf nach staatlichen Subventionen. Im Vergleich zu Hochofen-Stahl verbrauche sein Unternehmen nur zehn Prozent so viel Energie. Man wünsche sich den ökologischen Umbau, versichert Koch. Ein Industriestrompreis von 40 Euro könne Unternehmen wie seinem dabei helfen, die Umstellung schneller zu bewerkstelligen. Die Differenz zu den derzeit viel höheren Elektrizitätspreisen, so hofft der Vorstandschef, müsste der Staat zahlen.

Ob das mit einer künftigen Bundesregierung möglich wäre, ist fraglich. Auch würde eine solche Subventionierung beihilferechtliche Fragen in Brüssel aufwerfen. Die dortige EU-Kommission überlegt aber ihrerseits, wie Industrie und Verbrauchern wegen der hohen Energiekosten zu helfen ist.

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