Energiewende AKW-Abriss kostet mindestens 18 Milliarden Euro

Der Rückbau der deutschen Kernkraftwerke verschlingt Milliardensummen. Ob die Rücklagen der Betreiber dafür reichen, ist fraglich. Die Kosten könnten laut einer Studie deutlich höher ausfallen als gedacht.
Kernkraftwerk Unterweser: "Hier betreten wir alle Neuland"

Kernkraftwerk Unterweser: "Hier betreten wir alle Neuland"

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Düsseldorf - Die Energiewende wird teuer: Allein der Abriss der deutschen Atomkraftwerke soll die vier deutschen Reaktorbetreiber mindestens 18 Milliarden Euro kosten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL). Doch die Kosten könnten auch deutlich höher ausfallen, teilte ADL mit: "Die Kraftwerksrückbauten sind Großprojekte. Kostenüberschreitungen bis zu 25 Prozent sind da keine Seltenheit."

Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber - E.on  , RWE  , EnBW   und Vattenfall   - haben zwar bereits hohe Rückstellungen für den Rückbau der Reaktoren und die Entsorgung des Atommülls gebildet. Insgesamt summieren sie sich auf rund 30 Milliarden Euro - doch die müssen auch für die im Gutachten nicht berücksichtigten Endlagerkosten reichen.

Allein Deutschlands größter Stromproduzent RWE hat nach eigenen Angaben über zehn Milliarden Euro für die Aufräumarbeiten zurückgelegt. Eine Sprecherin der Kernernergie-Tochter RWE-Power sagte: "Wir gehen davon aus, dass das auskömmlich ist."

Konkurrent E.on hat nach eigenen Angaben sogar zwölf Milliarden Euro zurückgestellt, der baden-württembergische Reaktorbetreiber EnBW rund 5,4 Milliarden Euro und Vattenfall mehr als zwei Milliarden Euro.

Keine Erfahrungen beim Abriss großer Kernkraftwerke

Der Abriss der 17 deutschen Kernkraftwerke wird sich über Jahrzehnte erstrecken. Mindestens fünf Jahre dauert allein der sogenannte Nachbetrieb, in dem die Brennelemente kontrolliert abklingen. Der eigentliche Abriss kann dann noch einmal 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen, wie die RWE-Sprecherin sagte.

Die Abklingphase für die 17 Reaktoren wird die Branche laut der Studie allein vier Milliarden Euro kosten. Der eigentliche Rückbau und die Entsorgung würden dann mit 14 Milliarden Euro noch teurer. Drei Viertel der Gesamtkosten entfallen der Studie zufolge auf den Rückbau des nuklearen Teils. Der Rückbau eines einzelnen Großkraftwerks kann demnach bis zu 1,2 Milliarden Euro kosten.

Da es bisher keine Erfahrungen beim Rückbau von großen Kernkraftwerken gibt, sind die Schätzungen noch sehr unsicher. Der Geschäftsführer des Entsorgungsspezialisten Nukem, Ulf Kutscher, wies im "Handelsblatt" darauf hin, dass bislang nur Forschungsreaktoren und kleinere Meiler der ersten Generation entsorgt worden seien. "Hier betreten wir alle Neuland", zitierte die Zeitung den Experten.

kra/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.