Ausstieg aus der Kernkraft Deutsche befürworten umstrittene Atomstiftung

Seit Monaten werben Deutschlands Atomkonzerne für eine Altlastenstiftung beim Atomausstieg. Diese Idee findet die Mehrheit der Deutschen laut einer Forsa-Umfrage gut.

Kernkraftwerk Grohnde (Niedersachsen): Wer bezahlt den Atomausstieg?
AP

Kernkraftwerk Grohnde (Niedersachsen): Wer bezahlt den Atomausstieg?


Düsseldorf - Politisch sind die Pläne äußerst umstritten, in der Bevölkerung finden sie aber offenbar Anklang: In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für den Initiativkreis Ruhr, über die das "Handelsblatt" berichtet, sprechen sich 57 Prozent der Befragten für die Gründung einer Atomstiftung aus. Nur 35 Prozent lehnten diesen Plan der Kernkraftbetreiber E.on, RWE Chart zeigen und EnBW ab - alle anderen sind unschlüssig. Der Initiativkreis besteht aus Unternehmen aus dem Ruhrgebiet, unter anderem E.on und RWE.

Der SPIEGEL hatte im Mai aufgedeckt, dass die Energiekonzerne ihr Atomgeschäft mitsamt den Kostenrisiken an den Bund übergeben wollen. Zum Rückbau der Kraftwerke, der rund eine Milliarde Euro pro Anlage kosten dürfte, kämen die Kosten für eine Endlagerung des Atommülls hinzu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte diesen Plan zwar nicht offen ab. Sie sagte aber, die Atomkonzerne dürften ihr Risiko nicht auf den Staat abwälzen. Die Kernkraftbetreiber wollten ihren Rückstellungen für den Atomausstieg von rund 36 Milliarden Euro in die Stiftung einbringen.

Der Umfrage zufolge unterstützen vor allem Anhänger der Unionsparteien die Idee einer Atomstiftung. Von ihnen sprachen sich 68 Prozent für eine Atomstiftung aus. Aber auch unter den Anhängern von SPD (58 Prozent) und Grünen (52 Prozent) gibt es eine Mehrheit für den Vorstoß. Ablehnung gibt es demnach lediglich von denjenigen, die der Linkspartei nahestehen: 50 Prozent sind dagegen, 47 Prozent dafür.

Offen bleibt in der Umfrage, wie genau die Stiftung ausgestaltet wäre - also ob sie alle Rückstellungen und alle mit der Atomkraft verbundenen Risiken übernehmen würde. Allerdings offenbart sie, dass eine Mehrheit der Deutschen den Energiekonzernen nicht mehr zutraut, den Atomausstieg selbst zu stemmen.

mxw

insgesamt 110 Beiträge
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ergoprox 05.08.2014
1.
Zitat von sysopAPSeit Monaten werben Deutschlands Atomkonzerne für eine Altlastenstiftung beim Atomausstieg. Diese Idee findet die Mehrheit der Deutschen laut einer Forsa-Umfrage gut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiewende-atomstiftung-von-den-deutschen-befuerwortet-a-984437.html
Na klar. Erst wird der Testballon gestartet, damit die Politiker dagegen wettern können, jetzt wird "der Bürger" gefragt und die Politiker können das widerliche Geschäft der Atomkonzerne doch machen, weil es "der Bürger" ja will. Unsäglich, die Propaganda. Welche normale Mensch würde so einer Idiotie zustimmen?
hypnos 05.08.2014
2. Das finde ich auch gut!
Zitat von sysopAPSeit Monaten werben Deutschlands Atomkonzerne für eine Altlastenstiftung beim Atomausstieg. Diese Idee findet die Mehrheit der Deutschen laut einer Forsa-Umfrage gut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiewende-atomstiftung-von-den-deutschen-befuerwortet-a-984437.html
Gewinne privatisieren und durch Steuergelder auffüllen. Verluste sozialisieren. Das finde ich auch gut! Seit Jahrzehnten funktioniert so die Politik.
berufskonsument 05.08.2014
3.
Schön wäre es gewesen, wenn im Artikel noch stünde, wer der "Initiativkreis Ruhr" ist (Mitglieder u.a. RWE und EON) und wie die Fragestellung lautete.
bruno09 05.08.2014
4. Not in my name!
Ich wurde nicht gefragt und ich bin grundsätzlich dagegen, dass Gewinne privatisiert, die Kosten und Risiken sozialisiert werden! Und kann man bitte mal die Fragestellung irgendwo nachlesen? Die hohe Zustimmung kann ich mir nicht ohne tendenziös gestellte Fragen vorstellen!
nic 05.08.2014
5. sprechen sich 57 Prozent
dazu aus, die ganzen Kosten zu übernehmen. Also Gewinne zu Privatisieren und Kosten zu Sozialisieren. Hat man die Leute dazu gezwungen diese Antwort zu geben? Unverständlich.
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