Energiewende Ausbau der Windenergie nähert sich Rekordniveau

Die Windenergie in Deutschland boomt: Der Branchenverband BWE glaubt, dass bis Jahresende Windräder mit einer Leistung von 3000 Megawatt gebaut werden könnten - so viel wie seit 2002 nicht mehr. Ab kommendem Jahr könnte auch der Ausbau auf hoher See in Gang kommen.
Windkraftanlagen (in Schleswig-Holstein): Ausbau von 3000 Megawatt

Windkraftanlagen (in Schleswig-Holstein): Ausbau von 3000 Megawatt

Foto: Christian Charisius/ dpa

Berlin - Die Windenergie in Deutschland wächst rasant und steht vor dem stärksten Ausbau seit mehr als zehn Jahren. Der Bundesverband Windenergie (BWE) erwartet, dass im Gesamtjahr 2013 Windräder mit einer Leistung von rund 3000 Megawatt gebaut werden. Dies entspricht rechnerisch rund drei Atomkraftwerksblöcken. Damit könnte sogar der Ausbaurekord aus dem Jahr 2002 erreicht werden.

Als Grund nannte BWE-Präsidentin Sylvia Pilarsky-Grosch, dass die Länder mehr Flächen für Windenergie ausgewiesen und mehr Genehmigungen erteilt hätten. Im Binnenland Rheinland-Pfalz würden so viele Windräder gebaut wie sonst nur im Küstenland Niedersachsen. Auch Bayern und Nordrhein-Westfalen tauchen in der oberen Hälfte auf. Insgesamt drehen sich in Deutschland derzeit über 23.000 Windräder mit einer Gesamtleistung von 32,4 Gigawatt.

Offenbar hat auch die Debatte um die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), durch das die Windenergie gefördert wird, zu dem rasanten Ausbau beigetragen. "Es hat Beschleunigungseffekte gegeben", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Anlagenbauer, Thorsten Herdan. Investoren wollten sich die aktuell gewährte Unterstützung aus dem EEG sichern.

Rasanter Ausbau besorgt Altmaier

Windenergie an Land gilt als günstigste Form der erneuerbaren Energien mit dem geringsten Subventionsbedarf. Sie deckt knapp acht Prozent des Stromverbrauchs. Allerdings hatte es im Zuge der von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) geplanten Strompreisbremse Debatten über die garantierten Abnahmepreise gegeben. An windreichen Standorten gelten die Anlagen mittlerweile als überfördert, selbst die Grünen fassen hier Kürzungen ins Auge.

Andererseits haben besonders die Binnenländer ehrgeizige Ausbauziele ins Auge gefasst. Dies wiederum macht Umweltminister Altmaier Sorgen, weil das Ziel von rund 40 Prozent Ökostrom bis 2020 anhand der Länderziele deutlich übertroffen und die Energiewende dann noch teurer würde: Im Februar hatte er gewarnt, die Energiewende könnte bis 2040 eine Billion Euro kosten.

Einen wachsenden Anteil daran könnten Windparks auf hoher See haben: In den kommenden Jahren sollen zahlreiche Anlagen in Betrieb gehen. Dies hätte wiederum Folgen für die Stromrechnungen der Verbraucher. Sie bezahlen per Umlage die Förderung des Ökostroms, wobei Offshore-Anlagen besonders stark gefördert werden. Auch die Verbraucherzentralen und das Umweltbundesamt sehen den Ausbau kritisch.

Bislang spielen Windräder auf hoher See laut BWE mit rund 200 Megawatt noch keine große Rolle. Während der Ausbau von Offshore-Anlagen im Rest Europas jetzt schon im vollen Gange ist, bleibt die Bundesregierung hier bislang klar hinter ihren Ausbauzielen zurück. Ab 2014 erwartet der Verband aber, dass Anlagen mit jährlich über tausend Megawatt ans Netz gehen.

ade/Reuters/dpa