Gutachten für Regierung Experten warnen Gabriel vor Kapazitätsmarkt

Durch die Energiewende werden Kohle- und Gaskraftwerke unrentabel. Die Stromkonzerne wollen sie als Reserve für wind- und sonnenarme Stunden einsetzen - und dafür Milliarden kassieren. Doch Gutachter warnen die Bundesregierung nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen davor.
Kohlekraftwerk Mehrum: "Kein geeignetes Mittel"

Kohlekraftwerk Mehrum: "Kein geeignetes Mittel"

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Sean Gallup/ Getty Images

Hamburg - Die Energiekonzerne erleiden in einem Milliardenpoker einen herben Rückschlag. Zwei Gutachten, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurden, halten sogenannte Kapazitätsmärkte für überflüssig, mit denen die Konzerne den Betrieb alter, unrentabler Kraftwerke verlängern wollen.

"Der Strommarkt ist funktionsfähig und kann Versorgungssicherheit gewährleisten", heißt es in einer der Studien, die am Mittwoch in der vom Wirtschaftsministerium geleiteten AG Strommarktdesign präsentiert wurden und die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Zudem seien Kapazitätsmärkte - welcher Art auch immer - "kein geeignetes Mittel zur Reduktion der CO2-Emissionen".

Hintergrund ist ein grundlegendes Problem der Energiewende. Betreiber alter Kohle- und Gaskraftwerke verkaufen insgesamt weniger Strom, weil die neuen Wind-, Solar- und Biogasanlagen ihnen Konkurrenz machen. Dutzende Kohle- und Gaskraftwerke erwirtschaften dadurch nicht einmal mehr ihre Betriebskosten. Die Versorger planen, sie abzuschalten.

Im Prinzip ist das politisch gewollt. Es ist ja Ziel der Energiewende, alte, CO2-intensive Kraftwerke aus dem Markt zu drängen. Das Problem ist, dass zu viele Kraftwerke gleichzeitig unrentabel werden. Darunter auch solche, die man noch braucht, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.

Abhilfe schaffen soll nach Wunsch der großen Energiekonzerne E.on   und RWE   ein sogenannter Kapazitätsmarkt: Unrentable Kohle- und Gaskraftwerke sollen Bereitschaftsdienst für stromarme Stunden leisten und diesen bezahlt bekommen. Je nach Modell würden die Konzerne dadurch bis zu sechs Milliarden Euro einnehmen. Zahlen sollen die Verbraucher - über ihre Stromrechnung.

Die Forschungsinstitute Consentec, Frontier Economics, Formaet und r2b Energy Consultig halten den Gutachten zufolge solche Absicherungen aus mehreren Gründen für überflüssig:

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, die Endberichte der genannten Gutachten, lägen noch nicht vor. Sobald dies der Fall sei, werde man sie sorgfältig analysieren.

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