Energiewende Industrie drückt sich vor Stromnetzkosten

Immer mehr deutsche Industriebetriebe koppeln sich von den Kosten der Energiewende ab. Nicht nur bei der Ökostromumlage steigt die Zahl der Unternehmen, die sich aus der gemeinsamen Finanzierung herausziehen - auch bei den Netzentgelten sparen sie 2013 doppelt so viel wie bisher.
Strommasten in Schwaben: Die Kosten für die Netze werden verteilt

Strommasten in Schwaben: Die Kosten für die Netze werden verteilt

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Berlin/Düsseldorf - Die deutsche Industrie wird im kommenden Jahr mal wieder einen Rekord aufstellen - diesmal geht es allerdings nicht um Produktion oder Exporte, sondern um die Ausnahmen bei den Stromnetzkosten.

Mehr als 805 Millionen Euro werden die Unternehmen im kommenden Jahr voraussichtlich sparen - fast doppelt so viel wie im laufenden Jahr. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und Transnet BW hervor. Die Betreiber müssen bis Ende Oktober ihre Kalkulation für die Netzentgeltbefreiungen des Folgejahrs vorlegen. Im laufenden Jahr beträgt die Entlastung laut Bundesnetzagentur rund 440 Millionen Euro.

Die Netzgebühren sollen den Betrieb und Ausbau der Stromnetze finanzieren. Die Sonderregelung zur Entlastung energieintensiver Unternehmen war rückwirkend Anfang 2011 in Kraft getreten. Demnach kann sich jedes Unternehmen, das mindestens zehn Gigawattstunden Strom pro Jahr verbraucht und mindestens 7000 Stunden pro Jahr die volle Leistung abnimmt, von den Entgelten befreien lassen. Diese Ausfälle und weitere Rabatte bei den Netzkosten werden auf private Haushalte und kleinere Unternehmen umgelegt.

Die Befreiung ist politisch umstritten. Es laufen zahlreiche Klagen dagegen. Unter anderem verhandelt an diesem Mittwoch das Oberlandesgericht Düsseldorf in zwei Eilverfahren über die Vereinbarkeit mit europäischem Recht. Nach Auffassung der Kläger ist die Befreiung eine unerlaubte Beihilfe für die Industrie. Das Netzentgelt ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises: Laut Bundesnetzagentur macht es rund ein Fünftel davon aus.

Neben den Netzentgelten werden energieintensive Betriebe auch bei der Ökostromumlage ausgenommen. Auch hier gibt es erhebliche Vorwürfe, weil die Ausnahmen die Umlage für normale Verbraucher verteuern. Im kommenden Jahr soll sie um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde steigen. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden erhöhen sich damit die Zusatzkosten von 125 auf knapp 185 Euro.

Höhere Netzentgelte würden den Strom für die Endverbraucher zusätzlich verteuern. Berichten zufolge müsste ein Durchschnittshaushalt 2013 rund 30 Euro mehr zahlen.

stk/dpa/AFP