Energiewende Stadtwerke trotzen Stromkonzernen Marktanteile ab

Die Energiewende verschiebt die Macht im deutschen Strommarkt. Die vier großen Energiekonzerne verlieren Marktanteile an die Tausende Stadtwerke. Einem Medienbericht zufolge kommen die staatlichen Unternehmen bereits auf deutlich mehr als zwölf Prozent - produzieren aber nicht umweltfreundlicher.
Umspannwerk in NRW: Stadtwerke nehmen Stromkonzernen Marktanteile ab

Umspannwerk in NRW: Stadtwerke nehmen Stromkonzernen Marktanteile ab

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Berlin - Die kommunalen Stadtwerke trotzen RWE, E.On, Vattenfall und EnBW im Zuge der Energiewende offenbar immer mehr Marktanteile ab. Gemessen an der bis Ende vergangenen Jahres installierten Gesamtleistung von fast 160.000 Megawatt stieg ihr Marktanteil von unter zehn Prozent im Jahr 2010 auf 12,6 Prozent. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf neue Zahlen des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU).

Als einen Grund für die Verschiebung nennt der VKU den Erwerb des Energieversorgers Steag durch sieben Stadtwerke. Aktuell befänden sich knapp 20.000 Megawatt Leistung im Besitz kommunaler Energieerzeuger, 2010 waren es erst gut 15.000 Megawatt.

Bis 2020 wollen die Stadtwerke ihren Marktanteil auf 20 Prozent nahezu verdoppeln. Allerdings sind die kommunalen Versorger bisher noch nicht gerade Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. Bei der Eigenerzeugung liegt der Anteil erst bei zehn Prozent, der Anteil konventioneller Anlagen wie Kohle- und Gaskraftwerken liegt bei rund 27 Prozent.

Stadtwerke investieren fast neun Milliarden Euro

Zugleich setzen die Stadtwerke bei ihren eigenen Anlagen aber stark auf die klimafreundliche Kraft-Wärmekopplung (KWK), wo Abwärme aus der Energiegewinnung auch zum Heizen genutzt wird. Der KWK-Anteil bei der Eigenerzeugung liegt bei 63 Prozent.

Besonders bei der Energieproduktion in Kraftwerken, an denen Stadtwerke nur beteiligt sind, gibt es mit 70 Prozent noch ein deutliches Übergewicht der konventionellen Erzeugung. Derzeit sind aber Anlagen mit 4400 Megawatt an zusätzlicher Leistung im Bau oder im Genehmigungsverfahren, wovon laut VKU gut 31 Prozent auf die Kraft-Wärme-Kopplung und knapp 27 Prozent auf erneuerbare Energien entfallen. Insgesamt wollen die Unternehmen 8,6 Milliarden Euro investieren.

VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck forderte von der Bundesregierung vernünftige Rahmenbedingungen, damit sich auch Gaskraftwerke amortisieren, die als Ausgleich für die schwankende Wind- und Solarstromproduktion gebraucht werden, wenn bis 2022 das letzte der neun noch laufenden Atomkraftwerke abgeschaltet wird.

nck/dpa