Energiewende Deutschen Stromnetzen droht der Kollaps

Die Energiewende birgt offenbar hohe Risiken für die Stromversorgung in Deutschland. Immer häufiger kommt es zu kritischen Situationen bei den Netzen, heißt es in einem Bericht von Bundesnetzagentur und Kartellamt. Die Schuld geben die Experten den unsteten erneuerbaren Energien.
Strommast in Thüringen (Archivbild): Der Ausbau der Netze stockt

Strommast in Thüringen (Archivbild): Der Ausbau der Netze stockt

Foto: dapd

Düsseldorf - Die deutschen Stromnetze sind laut einem Zeitungsbericht zunehmend unzuverlässig. Häufiger denn je mussten demnach die Betreiber von Stromübertragungsnetzen zuletzt eingreifen, weil die Sicherheit der Versorgung gefährdet war, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf den Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts. Die Zahl der kritischen Situationen im Stromnetz sei "insgesamt stark angestiegen".

Zudem seien auch mehr Gebiete betroffen gewesen, hieß es in dem Bericht, der am Mittwoch präsentiert werden soll. Als Grund für die wachsende Unsicherheit nennt die Untersuchung den stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien wie Wind oder Sonne, deren Leistung mitunter stark schwankt. Die Netzbetreiber müssten Kraftwerke entsprechend hoch- und runterfahren, um Stromengpässe zu vermeiden. Ein Problem sei auch der schleppende Ausbau der Netze.

Als ein Beispiel für eklatante Schwächen in den deutschen Stromnetzen führt der Bericht laut "Handelsblatt" einen Abschnitt zwischen dem niedersächsischen Sottrum und dem hessischen Borken an. Dort hätten sich 2011 die kritischen Situationen auf 319 Stunden summiert, eine Steigerung von 1242 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwischen dem thüringischen Remptendorf und dem bayerischen Redwitz wurden demnach sogar 1727 brenzlige Stunden registriert.

Der Ausbau der Stromnetze ist eines der dringlichsten Probleme der Energiewende. Doch das Projekt stockt. Laut "Handelsblatt" wurden von rund 1800 Kilometern, die bereits im Energieleitungsgesetz aus dem Jahr 2009 als vordringlich eingestuft wurden, erst 214 Kilometer realisiert. Bis Ende 2012 würden nur 35 weitere Kilometer hinzukommen. "15 der 24 Vorhaben haben voraussichtlich einen Zeitverzug zwischen einem und fünf Jahren", zitiert die Zeitung aus dem Monitoring-Bericht.

Bereits am Montag war bekannt geworden, dass die Bundesnetzagentur in ihrer jüngsten Planung Abstriche bei den vorgesehenen Stromautobahnen vorgesehen hat. Statt ursprünglich vier Trassen mit 3800 Kilometern sollen zunächst nur noch drei Trassen mit 2800 Kilometern gebaut werden. Sie sollen künftig den im Norden erzeugten Windstrom in die Verbrauchszentren im Westen und Süden transportieren.

stk/dapd/AFP
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