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15. Februar 2011, 18:34 Uhr

Energiewirtschaft

Wie eine Sicherheitsfirma Öko-Aktivisten ausspähte

Brisante Enthüllung im Energiesektor: Eine Sicherheitsfirma hat E-Mail-Verteiler und geheime Strategiegespräche von Öko-Aktivisten ausgespäht. Hinter dem Auftrag soll, neben zwei britischen Unternehmen, auch der deutsche E.on-Konzern stecken. Dieser relativiert die Vorwürfe.

Hamburg - Es ist eine Enthüllung, die für alle Seiten peinlich ist: für diejenigen, die spioniert haben ebenso wie für die, die sich haben ausspionieren lassen. Laut einem Bericht des "Guardian" haben drei Großkonzerne eine Sicherheitsfirma bezahlt, die verschiedene Umweltaktivisten-Gruppen ausspioniert hat.

Bei der Firma handelt es sich um das Unternehmen Vericola, das nach eigenen Angaben "Risikomanagement" betreibt. Auftraggeber waren laut "Guardian" zwei britische Unternehmen und der deutsche Energieriese E.on.

Die Zeitung beruft sich auf zahlreiche Dokumente, laut denen Vericola-Chefin Rebecca Todd auf vielfältige Weise versucht hat, Aktivistennetzwerke auszuspähen. In den vergangenen drei Jahren habe sie unter anderem folgendes getan:

Öffentlich wurden die Dokumente offenbar, nachdem Vertreter der britischen Polizei sich darüber rechtfertigen mussten, dass ihre eigenen verdeckten Ermittler in Umweltorganisationen aufgeflogen seien. Für Furore sorgte vor allem die Enttarnung des Ermittlers Mark Kennedy, der jahrelang unter dem Alias Mark Stone linke Protestgruppen in Europa infiltrierte und sich letztlich wohl etwas zu stark mit einigen davon identifizierte. In privater Runde hätten sich Polizisten darüber beschwert, dass Unternehmen mittlerweile weit mehr Spitzel in den Netzwerken hätten als sie selbst - und dass dies ein Problem sei, weil sich diese freien Ermittler kaum kontrollieren ließen.

Todd bestätigte gegenüber dem "Guardian", für Energiekonzerne Informationen zusammenzutragen. Sie betonte jedoch, keine Treffen von Aktivisten zu infiltrieren - obwohl die vorliegenden Dokumente genau das belegen sollen.

Die Organisation Climate Camp zeigt sich erbost über die Aktivitäten der Firma Vericola. Es sei gar nicht möglich gewesen, auf einige E-Mail-Verteiler zu kommen, ohne an bestimmten Treffen teilgenommen zu haben. Auf den Zusammenkünften seien zum Teil zentrale Strategien besprochen worden. Wie gut oder schlecht die Sicherheitsvorkehrungen für solch offenkundig wichtige Treffen waren, sagte der Sprecher nicht.

E.on bestätigte dem "Guardian", die Firma beauftragt zu haben - allerdings habe man nur darum gebeten, öffentlich zugängliche Informationen zu bündeln. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, wie E.on sichergestellt hat, dass keine Informationen verwertet worden sind, die durch heimliche Spitzelaktionen gesammelt wurden, sagte ein Konzernsprecher, Vericola sei ausschließlich damit beauftragt worden, "Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen, insbesondere Websites, zu sammeln, zu bewerten und zur Verfügung zu stellen". Es habe keinen Auftrag gegeben, hierzu E-Mail-Services zu nutzen oder an Veranstaltungen teilzunehmen.

ssu

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