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19. November 2010, 19:24 Uhr

Enormes Defizit

Anleger ziehen Geld aus irischer Großbank ab

Die Summe ist gewaltig: Die Einlagen der angeschlagenen Allied Irish Banks sind seit Jahresbeginn um 13 Milliarden Euro zurückgegangen - aus Sorge um das marode Bankensystem. Das Geldinstitut muss die Löcher mit Krediten stopfen. Zudem wird nun wohl die Regierung eingreifen.

Dublin - Die Allied Irish Banks hat nach eigenen Angaben seit Juni 17 Prozent ihrer Einlagen verloren - insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Vor allem Institutionen und Geschäftskunden hätten ihr Geld abgezogen, teilte die irische Bank am Freitag mit. Die Kundenkonten seien betroffen von der derzeit "negativen internationalen Stimmung" gegenüber der Lage der irischen Staatsfinanzen und gegenüber dem irischen Bankensektor, so die Bank.

Die Europäische Zentralbank und die irische Zentralbank hätten kurzfristige Darlehen zur Verfügung gestellt, um das Defizit auszugleichen, hieß es in der Stellungnahme weiter. Über die Höhe der Kredite machte die Bank jedoch keine Angaben. Zudem stockte das bereits teilverstaatlichte Institut am Freitag eine geplante Kapitalerhöhung um 1,2 Milliarden Euro auf insgesamt 6,6 Milliarden Euro auf. Voraussichtlich wird die irische Regierung alle Aktien aufkaufen und ihren Anteil an der Bank damit von 18 auf mehr als 90 Prozent erhöhen. Börsianer hatten jedoch offenbar schlimmeres erwartet: Die Aktien des Instituts legten in Dublin rund fünf Prozent zu.

Auch andere irische Institute haben die Sorgen ihrer Kunden bereits schmerzhaft zu spüren bekommen. Vergangene Woche erst hatte die größere Bank of Ireland berichtet, dass Firmenkunden allein im vergangenen Vierteljahr zehn Milliarden Euro abgezogen haben. Die Probleme des Bankensektors in Folge der Finanzkrise sind der wichtigste Grund für die Schuldenkrise des Landes. Die Rettung verschiedener Institute treibt die staatliche Neuverschuldung in diesem Jahr auf 32 Prozent der Wirtschaftsleistung - mehr als zehn mal so viel wie von der EU erlaubt.

Finanzhilfen könnten bis zu 100 Milliarden Euro betragen

Am Freitag begannen Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) derweil ihre Mission, bei der sie in Dublin genauer bestimmen wollen, welche Finanzhilfen das Land benötigt. Bisher hat Irland keinen offiziellen Hilfsantrag gestellt. Die irische Zentralbank hatte am Donnerstag aber signalisiert, dass das Land diesen Schritt gehen könnte. Für die hohe Verschuldung des Landes ist vor allem die massive Krise der irischen Banken verantwortlich.

Die Finanzhilfen für Irland könnten sich einem Pressebericht zufolge auf mindestens 50 Milliarden Euro belaufen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtete, könnte diese Summe für den Fall gelten, dass das Geld zur Stärkung des irischen Bankensektors verwendet wird. Falls aber entschieden würde, Irland für einige Jahre aus dem Anleihenmarkt herauszuhalten, so dürfte die Summe auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen.

wit/ulz/AFP/Reuters/dapd

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